NaziRock: Hitlergruß auf großer Leinwand

Artikel veröffentlicht am 25. Mai 2009
Artikel veröffentlicht am 25. Mai 2009
“Wie man dem Hakenkreuz und dem Hitlergruß Glaubwürdigkeit verleiht“ ist das Thema von NaziRock. Claudio Lazzaros „Rockumentary“, die beim zwölften Treffen delle Etichette Indipendenti (Treffen der Unabhängigen Labels) ausgezeichnet wurde, ist das zweite Werk des ehemaligen Journalisten beim Corriere della Sera. In seinem ersten Film stand die Lega Nord im Mittelpunkt.

Lazzaro ist ein Mann von kräftiger Statur und mit kahl rasiertem Kopf, und er sieht ziemlich übel gelaunt aus, als er bei dem Treffen der Unabhängigen Labels in Faenza auftritt, um seinen Ehrenpreis für das Rockumentary NaziRock abzuholen. „Wo ein künstlerischer Ausdruck ist, da ist auch eine Identität“, ist das Motto des Regisseurs, der mit seiner Kamera den Fokus auf die Welt von rechtsextremen Bands und ihren Anhängern richtet. 

Stimmenfang im rechten Lager

Nachdem er mit dem Corriere gebrochen hatte, verwendete er seine Abfindung darauf, Nobu ©camicieverdi.comProductions zu gründen, wobei Nobu für „No budget“ steht. Auf diese Weise konnte er weiterhin Themen recherchieren, vor denen andere zurückschreckten. NaziRock ist sein zweiter Film nach seinem der Lega Nord gewidmeten Dokumentarfilm Camice Verdi (Grüne Hemden). Lazzaro fasst den Film folgendermaßen zusammen: „Der Film zeigt, wie eine zynische Mitte Rechts-Partei auf Stimmenfang der faschistischen Rechten Glaubwürdigkeit verleiht.“ Der Film ist in zwei Hälften geteilt. Die erste zeigt die von Berlusconis Casa delle libertà angeführten Demonstrationen gegen die Prodi-Regierung aus dem Jahr 2006, an denen sich auch rechtsradikale Parteien beteiligten.

Der jetzige Vorsitzende der Camera dei deputati und frühere Anführer der Alleanza Nazionale, Gianfranco Fini, beschreibt sie als “politisches Meisterwerk”, weil sie alle Parteien am rechten Rand legitimiere. In der zweiten Hälfte des Films dokumentiert Lazzaro ein Jugendlager, das von der Forza Nuova organisiert wurde, einer Partei in der traditionellen faschistischen Ecke, die sich durch ihren rigorosen Katholizismus auszeichnet. Er interviewt Jugendliche „mit unschuldigen Gesichtern“, die es auf eine lässige Art verstehen, den Handel mit Kruzifixen, das Lesen geschichtsrevisionistischer Texte und das Tanzen zu den Punkrhythmen nationalistischer Rockbands miteinander zu vereinen.

Ein Klima der Angst

©nazirock.it“Anders als in Italien hat man in Deutschland seine Vergangenheit bewältigt“, kommentiert Lazzaro eine Szene seines Films, in der das Publikum einer Veranstaltungen gebeten werden, den eintreffenden Anführer der NPD nicht mit dem Hitlergruß zu begrüßen, weil ihnen deswegen bei der Rückkehr in ihre Heimatländer ein Gerichtsverfahren drohen könnte. Laut Lazzaro arbeiten die rechtsextremen Parteien in Europa eng zusammen. „Es herrscht ein politisches Klima der Angst, das die Verunsicherung der Menschen durch die Globalisierung ausnutzt“, meint der Regisseur. „Wer nicht die Fähigkeit besitzt, sie zu durchschauen, wird von dieser Ideologie eingenommen.“ Für Luca Lorenzi, verantwortlich für die rechtsgerichtete Jugendbewegung Gioventù Italiana ist die Doku ein Einzelfall und zeigt die vergeblichen Mühen einer Linken, „der es an Anziehungskraft fehlt und die sich auf die üblichen Methoden des Anti-Faschismus zurückzieht.“

Der Film, der von der Rechten entschieden abgelehnt wird, hatte beträchtliche Vertriebsschwierigkeiten. Der Regisseur berichtet von Einschüchterung von Einzelhändlern. Jemand hat sich in die Webseite des Films einhackt und es kursierte eine Version mit einem alternativen Ende im Netz. Der Film hat englische Untertitel und ist online oder in Buchhandlungen erhältlich.