Nachhaltige Entwicklung: wenn die Union schöne Worte schwingt

Artikel veröffentlicht am 22. Oktober 2004
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Artikel veröffentlicht am 22. Oktober 2004

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… und nicht in die Hufen kommt. Schon mal von „entwicklungspoltischer Bildung“ gehört? Hier ein konkreter Vorschlag.

Die Globalisierung hat letzten Endes dazu geführt, auch die gegenseitige Annäherung verschiedener Kulturen und Welten, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch nie in Kontakt getreten waren, zu „globalisieren“. Dies zeigt die europäische Außenpolitik, die vor allem in der postkolonialen Zeit versucht hat, sich auf die Unterstützung der ärmsten Länder zu konzentrieren, um deren Entwicklung zu sichern. Investitionsströme, Know-how und Entwicklungshilfe sind das Allheilmittelmittel gegen jenes ungute Gefühl geworden, das sich seit dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt hat: Ein Unwohlsein, das durch das neue Bewusstsein hervorgerufen wurde, das Übel an der Wurzel packen zu müssen, um die Ausbreitung des Phänomens auf dem eigenen Territorium zu verhindern.

Die Nachhaltigkeit der Multinationalen

Aber die Globalisierung wird auch oft unkontrolliert in eine Richtung getrieben, die wenig Rücksicht auf Themen wie die Umwelt und die Menschenrechte nimmt, mitgerissen von der drängenden Notwendigkeit, neue Märkte zu erobern und die Arbeit immer billiger zu machen. Es genügt, an die problematischen Fälle zahlreicher Global Player zu denken, darunter jener des schweizerischen Unternehmens Nestlé, das 2002 von der äthiopischen Regierung, die sich gerade in Zeiten einer schweren Hungersnot und in den Folgen eines langen Konfliktes befand, 6 Millionen Dollar Schadensersatzleistungen für die angemaßte Verstaatlichung der Industrie verlangt hat. Und nicht nur das. Nestlé ist auch eines der Unternehmen, die in England die zulässigen Grenzen für schädliche Emissionen am meisten überschritten haben, nicht zu vergessen auch der Skandal um ausbeuterische Kaffeeproduktion, die in erster Linie in Lateinamerika verheerenden Schaden anrichtet. Nestlé ist eines der vielen Unternehmen im World Business Council for Sustainable Development, der mit geringem Erfolg versucht, die „Kollateralschäden“ einer ungebremsten Entwicklung zu lindern.

Vom gleichen Schlag sind auch die Gruppen Industrieller im European Round Table of Industrialists, der in der Welthandelsorganisation auf eine ungezügelte Liberalisierung der Märkte der Entwicklungsländer drängt. Eine der wenigen Ausnahmen – dies sei hervorgehoben – ist die italienische Lebensmittelgenossenschaft Coop, die sich einen äußerst strengen Verhaltenskodex auferlegt hat.

Ziel: eine Gesellschaft wie bei uns

Aber die Musterschüler machen sich rar. Es wird also dringend Zeit, Bildungsprogramme zu entwickeln, die die europäische Zivilgesellschaft im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung sensibilisieren. Nachhaltigkeit muss auch und vor allem innerhalb unserer europäischen Grenzen entstehen, durch die Erforschung und Entwicklung alternativer Energien, die Forderung nach Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsstandards durch Handelspartne und ebenso bei der Herstellung von Exportprodukten in Europa. Das entspricht dem, was das Kyoto-Protokoll vorsieht: Jede Aktion auf nationalem Niveau, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, kommt nicht umhin, die Unternehmenswelt signifikant mit einzubeziehen. In Italien zum Bespiel haben die Emissionen des Industrie- und Energiesektors einen Anteil von 52 % an den Gesamtemissionen.

Das Konzept der entwicklungspolitischen Bildung geht auf zwei lateinamerikanische Erziehungswissenschaftler und Soziologen, Paulo Freire und Ivan Illich, zurück, die Anfang der siebziger Jahre die Befreiung des Invididuums zum Erziehungsziel erklären. Entwicklungspolitische Bildung (oder „global learning“) gründet nicht nur auf der Respektierung und Wertschätzung der Unterschiede zwischen den Menschen und auf dem Bewusstsein der wachsenden, globalen Interdependenz zwischen Nationen und Völkern, sondern auch auf der Förderung der Menschenrechte und auf der friedlichen Konfliktlösung. Dialog ist das primäre Instrument dieser pädagogischen Struktur. Programme der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit werden immer zahlreicher.

NGOs, Weltbank & Co.

Selbst die Weltbank macht mit. Doch auch die immer professionelleren Nichtregierungsorganisationen bündeln ihr Wissen. Sie haben das Netzwerk Concord Europe ins Leben gerufen – mit dem wichtigen Ansatz, sich nach der EU-Erweiterung der Europäischen Union auf 25 Staaten nicht nur der Nord-Süd Beziehung, sondern auch dem Ost-West-Verhältnis zu widmen, die das innere Gleichgewicht in Europa selbst weit stärker tangiert. Die Europäische Kommission versucht, in die entwicklungspolitische Bildung auch innerhalb der Union mit Hilfe von Programmen zu investieren, die sich nicht auf den begrenzten Expertenkreis des Sektors beschränkten.

Aber das reicht nicht. Wir können uns nicht erlauben, dass eine wenig oder gar nicht nachhaltige Entwicklungspolitik unserer Gegenwart schadet, aber vor allem unserer Zukunft und jener, die nach uns kommen werden. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sich die Zivilgesellschaft der Schäden bewusst wird, die sie im Umwelt- und humanitären Bereich anrichtet, und aus der entwicklungspolitischen Bildung einen neuen Trend machen, der in der Lage ist, den Europäern zu zeigen, dass sich das sich die neue EU zum Wortführer einer nachhaltigen Politik machen muss, einer Politik zum Schutz einer immer gefährdeteren Welt. Diese Welt ist auch Europa, vergessen wir das nicht.