Musketiere erobern den Kontinent

Artikel veröffentlicht am 14. September 2007
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Artikel veröffentlicht am 14. September 2007

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Den Franzosen sagt man nach, sie stünden der Globalisierung besonders feindlich gegenüber. Nichtsdestotrotz sind sie - da zahlreich in den Führungsrängen internationaler Organisationen vertreten - deren einflussreichste Manager.

Im September wird Frankreich den Vorsitz des UN-Sicherheitsrates übernehmen. Der ehemalige Finanzminister Dominique Strauss-Kahn ist für den Vorsitz des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgesehen. Seit der Jahrtausendwende erobert Frankreich hemmungslos die Führungsränge internationaler Organisationen. Panorama.

Jean Claude Trichet und die EZB: im Kreuzfeuer der Kritik

Jean Claude Trichet ist seit November 2003 Vorsitzender der Europäischen Zentralbank.

1978 wird er im Élysée-Palast, unter Präsident Valérie Giscard d'Estaing, erst technischer Berater, anschließend Vorsitzender des Finanzkabinetts von Édouard Balladur.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die 1998 mit dem Ziel gegründet wurde, das hohe Beschäftigungsniveau zu bewahren und die Inflation in der Eurozone auf einem Niveau von ca. 2 Prozent zu stabilisieren, ist die Bank der Europäischen Union.

Globalisierungsgegner und einige Wirtschaftsexperten werfen der Institution vor, sie würde die Inflation bekämpfen, ohne dabei auf das Wirtschaftswachstum oder die Arbeitslosenquoten der Mitgliedsstaaten Rücksicht zu nehmen. Sie regen damit an, die EZB dem Europaparlament und dem Rat der Europäischen Union zu unterstellen. Im Moment ist es aber gerade diese Unabhängigkeit der Zentralbank, die die Regierungen daran hindert, nur um die Gunst der Wähler willen bestimmte währungspolitische Maßnahmen auszuüben.

Pascal Lamy und die WTO: talentiert, aber umstritten

Seit 2005 ist Pascal Lamy der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO. Zu Beginn seiner Karriere arbeitet er zunächst für die allgemeine Finanzaufsichtsbehörde, bevor er dann in den damaligen Ministerkabinetten tätig wird. Anschließend leitet er das Kabinett des Kommissionspräsidenten Delors, während er dem hochverschuldeten Crédit Lyonnais wieder zu alter Stärke verhilft. Fünf Jahre lang ist er zudem als EU-Kommissar für Außenhandel tätig.

An die Spitze der WTO berufen, zieht sich Lamy den Zorn Jacques Chiracs zu, indem er ohne Hemmungen die Politik der Regierung Raffarin und deren Unvermögen, den Stabilitätspakt einzuhalten, kritisiert.

Die 1995 gegründete WTO ist der Nachfolger des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Mit ihren 150 Mitgliedsstaaten hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, den globalen Handel von seinen Schranken zu befreien. Jedoch kritisieren einige unter anderem die kürzlich von Lamy veranlasste Liberalisierung des Agrarhandels - welche den Stimmen zufolge - die Unsicherheit in der Nahrungsmittelversorgung noch erhöhen und katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt haben werde.

Jean Lemierre und die EBWE: das Ergebnis muss stimmen

Jean Lemierre war erst Generaldirektor der Steuerverwaltung, dann der französischen Staatskasse (1995-2000), schließlich war er Vorsitzender des Europäischen Wirtschafts- und Finanzausschusses. Vor kurzem war Lemierre auch noch als Kandidat für den Vorsitz des IWF (Internationaler Währungsfonds) im Gespräch, aber Frankreich und die EU haben es vorgezogen, die Kandidatur von Dominique Strauss-Kahn zu unterstützen.

Während seiner zwei Mandate an der Spitze der EBWE hat es Jean Lemierre acht Ländern, die der EU 2004 beigetreten sind, ermöglicht, ihren Rückstand auf die anderen Mitgliedsstaaten ein wenig aufzuholen. Bis 2010 wird sich die EBWE aus diesen acht Ländern zurückziehen können, um sich dann auf die 19 anderen Länder ihres Einzugsbereichs und vor allem auf Russland zu konzentrieren.

Die EBWE wurde 1991 gegründet, um den Ländern Mittel- und Osteuropas den Übergang in die Marktwirtschaft zu erleichtern. Dabei hält sie an der Förderung einer Entwicklung fest, die hinsichtlich der Umwelt gesund und stabil sein soll. Sie führt Aufgaben des öffentlichen Dienstes mit privatrechtlichen Interventionsmethoden durch.

Louis Gallois und die EADS: ungewöhnlich, aber geschätzt

Seit Juli 2007 ist Louis Gallois Vorstandsvorsitzdender der EADS, was zugleich das Ende der deutsch-französischen Doppelspitze mit Thomas Enders bedeutet. Zuvor hatte er in verschiedenen Ministerien gearbeitet. Auch war er zehn Jahre lang der Präsident der SNCF (staatliche französische Eisenbahngesellschaft), bevor er 2006 Co-Präsident der EADS und Vorstandsvorsitzender von Airbus wird. Als er die SNCF verlässt, loben selbst die Gewerkschaften, wie sonst selten, die Qualitäten dieses ungewöhnlichen Arbeitgebers.

Die EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) ist eine in der zivilen und militärischen Raumfahrt spezialisierte Gruppe, die im Jahre 2000, nach Zusammenschluss eines deutschen, spanischen und eines französischen Unternehmens gegründet wurde.

In der Hierarchie der Raumfahrtunternehmen streiten sich die EADS und Boeing um den ersten Rang. 2007 wird er wegen der Verspätungen beim Bau des Flugzeugs A380 im Vorjahr an Boeing gehen. Diese Verspätungen haben aber auch einige rechtliche Fragen nach sich gezogen, denn einige Manager der Airbus- und EADS-Unternehmensleitung haben ihre EADS-Anteile verkauft, noch ehe die Probleme bei der Auslieferung des A380 öffentlich bekannt wurden.

Intext-Fotos: Strauss-Kahn (Le Jhe/flickr); Trichet (Europäische Kommission); Lamy (PE Weck/flickr); Lemierre (Europäische Kommission); Gallois (EADS)