Movember: Schnauzer bei Cafebabel

Artikel veröffentlicht am 29. November 2013
Artikel veröffentlicht am 29. November 2013

Cafebabel hat an der globalen Movember-Kampagne teilgenommen. Für einen Monat haben sich alle Redakteure einen Schnurrbart wachsen lassen. Ihre Persönlichkeit hat sich dadurch verändert, manche sollen sogar hinter der Oberlippenbehaarung verschwunden sein. Vorsicht : Der folgende Artikel könnte verstörende  Bilder enthalten.

Wenn Ted Bundy noch am Leben wäre und man ihn neben Joel auf ein Sofa setzen und mich anschließend fragen würde, wer von den beiden ein Serienmörder ist – ich würde sagen: Joel. Ian Brady hätte keine Chance. Es ist schon interessant, wie so ein kleiner Streifen über Männermündern dem Gesicht einen ganz anderen Ausdruck verleiht. Noch nie war der Wahnsinn in Joels Augen so offensichtlich wie mit Schnauzer. Und erst sein höhnisches Grinsen. 

Armer Martinez, habt ihr das gehört? Ja, schrecklich, er war so ein netter Typ. Aber jetzt ist diese Geschichte mit der Psychiatrie passiert, armer Junge. Okay, klar muss man zugeben, dass das nicht nur seine Schuld war, da sind ein paar Sachen passiert, die wirklich nicht seine Schuld waren: Zuerst musste er bei diesem bescheuerten Movember-Trend mitmachen, und dann nach zwei Wochen sah er… naja, sehr gefährlich aus. Vielleicht war das der Grund, weshalb ihn Riccis Onkel, der gerade geschäftlich zu Besuch in Paris war, angesprochen hat: „Süßer, ich brauche deine Hilfe, ich will den Schnellimbiss „Fatal Chinois“ überfallen. Hilf mir, sonst sorge ich dafür, dass du dort Hausverbot bekommst.“ Die Gedanken wirbelten in Martinez Kopf umher: “ Nie wieder chinesisches Essen?! Nein, das geht nicht, ich muss da also mitmachen!” Naja und dann stellte sich heraus, dass Riccis Onkel eine Null war im Geschäfteausrauben und als die Polizei kam sagte Martinez: „Nein, das geht doch nicht, nie mehr chinesisches Essen?! NEEIN!“ Er wurde weggebracht, in eine nette kleine Einrichtung. Aber nun ja, er sieht so aus, als ginge es ihm dort ganz gut.

Ihn aus seinem natürlichen Umfeld – ein modriges Pariser Taxi aus den Sechzigern – herauszureißen, wäre ein großer Fehler. Der Schnauzer hat Matthieus Charakter nach und nach vollständig verändert – vom gutgelaunten, guterzogenen jungen Franzosen bis zum rauen Holzfäller. Anstatt wie zuvor begeistert Chopin zu hören, ist er jetzt im Internet unterwegs – auf der Suche nach nackten Frauen und der effiktivsten Art, Holz zu hacken. Auch hat er angefangen, Tabak zu kauen und ihn auf öffentlichen Plätzen wieder auszuspucken. Ich habe Angst vor dem, was morgen vielleicht passiert. Ich will den alten Matthieu zurück. 

Um ehrlich zu sein: diese Zeit ist jetzt vorbei. Diese Zeit, in der Ricci noch ein dominanter Typ mit viel Charisma war. Diese Zeit: 2007, ja, erinnert ihr euch? Diese Zeit, in der Starbucks und Oversize-Basketballshirts à la mode waren, diese Zeit, in der Ricci den Beruf des so genannten “Schulsprechers” ergriff, diese schrecklich schöne Zeit, als die Mädchen auf dem Schulhof hinter ihm herjagten, sorry, aber diese Zeit ist spätestens seit dem Moment zu Ende, als er heimlich damit anfing, hinter der Turnhalle zu rauchen und zu trinken. Schaut euch nur die Konsequenzen dieses anfänglichen Spaßes an: verheiratet (in Italien war er mit 25 dafür fast zu alt), aufgedunsenes Gesicht (sexy?! Erinnerst du dich an die betrunkenen Nachmittage hinter der Turnhalle?) und ein Wannabe-Fashionvictim: Macht bei der Movembermode mit. Der beliebsteste auf dem Schulhof? RIP.

Ah, dieses schreckliche Leuten der Hoffnungslosigkeit in den Augen des jugendlichen Hipsters Adrien, als er mit zwei Fingern die zwei Enden seines wunderbaren Schnauzers zwirbelt. Diesen Schnauzer, den er über Monate herangezogen und lieben gelernt hat. Männlich fühlt er sich, wirken tut er jedoch eher wie ein Alkoholiker nach einer Woche Entzug: schwächlich. Letztendlich bleibt der Schnauzer für die unschuldige Jugend etwa so etwas wie Red Bull für Wodka: eine sehr kurzlebige Illusion. 

Manu war einer der krassesten Typen aus der Redaktion, borntobewild, einfach anders eben. Seine (eigentlich omnipräsente) Gesichtsbehaarung passte proportional zu seinem Rock’n’Roll, ebenso seine Latzhose, die er stets mit Stolz trug. Nicht selten gab es die Gelegenheit, den Flachmann mit Whiskey herauszuholen – aus seinen hochgezogenen Socken, hinter denen man ein starkes, männliches Bein vermutete. Auch ergab es sich einmal, um vier Uhr morgens politisch nicht ganz korrekt herumzugrölen. Was für eine Erinnerung an diesen Typen aus Madrid, der mittags seine fettige Chorizo in einem pappigen Monoprixbrot aß. Jetzt ist Manu ein kleiner Pariser Schnauzer mit Streifenshirt à la Jean-Paul Gauthier geworden, ein Baby-Manu, ganz weich und schnuckelig, der versucht, wie ein Rockstar auszusehen und dabei ungelenk wirkt. Ja, heute hat er mittags sogar eine frische Pilzsuppe, Bio!, gegessen. Ich sag euch, alles hat sich mit diesem Schnurrbart verändert.

Vermisstenanzeige. Aussehen : Mann europäischen Aussehens, 1 Meter 80, schlanke Erscheinung, glatte Haare, kurz, blond; braune Augen, zur Zeit des Verschwindens 32 Jahre alt. Auffälliges Merkmal: großer, schwarzer Schnauzer im Stil von „Burt Reynolds“, aber falsch gefärbt. Sachverhalt: Seit dem 1. November 2013, Anfang der Movemberbewegung, hat Herr Heully, Direktor von cafébabel in Paris, kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Er verschwand langsam hinter einem großen Schnurrbart. Zuerst wurde er bei Jacky Association in der Rue René Boulanger gesehen, wo er Wegwerfrasierer stehlen wollte, mit einem Schakalgrinsen auf den Lippen und aufgestelltem Kragen. Jacky hat unverzüglich Anzeige erstattet, gegen den “dunklen Schnauzer“. Alexandre wurde zuletzt in der Sauna eines Swingerclubs in der Nähe der Peripherie gesichtet. Es wird für plausibel gehalten, dass er sich am Steuer eines Kleintransporters in Richtung Pariser Stadtrand bewegt.

Schaut bei der Movember Kampagne vorbei! Oder macht bei Cafébabel mit!

Und die Porträts wurden von wem geschaffen? Von den MO SISTAS der Redaktion.

MO SISTAS