Moskau erschüttert: Terror am Drehkreuz Domodedowo

Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2011
Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2011
Bei einem Bombenattentat auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo wurden am Montag mindestens 35 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. Ermittler gehen von einem kaukasischen Selbstmordattentäter aus. Das wäre einmal mehr ein Beleg für Russlands Unfähigkeit, die Konflikte im Nordkaukasus zu entschärfen, schreibt die Presse.

Polityka Online: Russland anfällig für Angriffe von Terroristen; Polen

Das Attentat auf dem Moskauer Flughafen zeigt, wie erfolglos die russische Regierung bei der Bekämpfung islamistischer Terroristen ist, kritisiert die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins Polityka: "Der Anschlag in Moskau hat zum einen daran erinnert, wie anfällig Russland für Angriffe von Terroristen ist, zum anderen, dass es versäumt hat, die Lage im Nordkaukasus in den Griff zu bekommen. Die russischen Spurensucher zeigen in den Nord-Kaukasus - ohne eindeutige Beweise zur Herkunft des Selbstmord-Attentäters, der sich am Montagnachmittag in die Luft gesprengt hat. Ihrer Meinung nach muss man die Auftraggeber und Organisatoren der Explosion dort suchen. In den vergangenen Jahren haben Islamisten aus den nordkaukasischen Republiken - vor allem Dagestan, Inguschetien und Tschetschenien - hinter fast allen Terror-Attacken in Russland gestanden." (Artikel vom 25.01.2011)

ABC: Dinge im Brandherd Kaukasus haben sich nicht in Richtung Frieden bewegt; Spanien

Bei der Reaktion auf den Anschlag in Moskau muss die russische Regierung sehr genau auf die Mittel achten, um den Konflikt im Kaukasus nicht weiter anzuheizen, mahnt die konservative Tageszeitung ABC: "Das gestrige Attentat ist für Moskau das schwerste dieses Jahrzehnts, was bedeutet, dass sich die Dinge im Brandherd Kaukasus nicht in Richtung Frieden bewegt haben, auch wenn er aus den Nachrichten verschwunden ist. Dieses niederträchtige und nicht zu rechtfertigende Verbrechen hat Russland schockiert und es ist verständlich, dass sich die Politiker dazu gezwungen fühlen, so schnell wie möglich zu reagieren. Aber es wäre schlecht, wenn sie gegen die Terroristen Methoden anwenden, die unangemessen sind und nicht die grundlegenden Prinzipien der Recht- und Verhältnismäßigkeit respektieren. Eben weil diese Prinzipien bislang nicht immer eingehalten wurden, ist der Kaukasus noch immer ein Pulverfass." (Artikel vom 25.01.2011)

Berliner Zeitung: Doku Umarow hatte gedroht, den Terror ins Herz Russlands zu tragen; Deutschland

Der Anschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo kann schlimmere Folgen haben als die drei anderen, die Russland jüngst erschütterten, vermutet die linksliberale Berliner Zeitung: "Nicht, weil er hinterhältiger war als die vorangegangenen. Auch nicht deshalb, weil er mehr Menschenleben kostete als die Anschläge auf einen Hochgeschwindigkeitszug [...] 2009 oder auf die Moskauer Metrostationen im März 2010. Sondern weil es ein Angriff auf den größten und modernsten, den internationalen Flughafen der russischen Hauptstadt war. Seit Jahren fürchtet die russische Führung den Terror genau dort, am Drehkreuz Domodedowo. Der islamistische Terroristenführer Doku Umarow hat lange schon damit gedroht, er werde den Terror ins Herz Russlands tragen. Sollte sich erweisen, dass die Täter tatsächlich aus dem Nordkaukasus kamen, wäre ihm das gelungen."

(Artikel vom 25.01.2011)

Sme: Kopf in den Sand stecken hilft sicher nicht; Slowakei

Bei dem Bombenattentat in Moskau ist auch die in der Slowakei beliebte Schauspielerin Zuzana Fialová verletzt worden. Dadurch wird der Terror für die Slowaken erstmals greifbar, bemerkt die liberale Tageszeitung Sme: "Noch nie war der Terrorismus dem durchschnittlichen Slowaken so nah. Der hat zwar bisher viele solche Bilder im Fernsehen gesehen, aber alles wirkte weit weg und es handelte sich um völlig unbekannte Opfer. Jetzt hat der Terrorismus zum ersten Mal eine populäre Persönlichkeit getroffen, die fast jeder bei uns kennt. [...] So traurig das ist - vermutlich brauchte die Slowakei das, um die Dummheit der Behauptung zu begreifen, dass uns der Terrorismus nicht beträfe. Zuzana Fialová und ihre Kollegen waren völlig unschuldig. Aber gerade darum geht es bei solchen Anschlägen. Man wird zufällig zum Opfer. Wir alle sind gefährdet. Und deshalb geht der Terror auch uns alle an. Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft da ganz sicher nicht."

(Artikel vom 25.01.2011)

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