Montenegro will Mitglied im Club werden

Artikel veröffentlicht am 29. Mai 2006
Artikel veröffentlicht am 29. Mai 2006

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Am 21. Mai 2006 stimmten die Montenegriner für ihre Unabhängigkeit. Damit sind die letzten Spuren des ehemaligen Jugoslawiens verschwunden.

„Heute Nacht wurde mit dem Mehrheitsentscheid der Bürger von Montenegro die Unabhängigkeit des Landes erneuert“, verkündete der jubelnde Premierminister Milo Djukanovic in der Nacht des 21. Mai. Trotz der Sorge vor einer Blockade hat der letzte Rest des früheren Jugoslawiens aufgehört, zu existieren.

Willkommen zur Party

„Ich gratuliere den montenegrinischen Bürgern zu ihrem Staat“, fuhr der Premierminister Montenegros, Milo Djukanovic, in seiner Rede vor den jubelnden Befürwortern der Unabhängigkeit fort.

„Unser neues montenegrinische Haus wird groß sein und jedermann gefallen“, erklärte Djukanovic und fügte hinzu, er gratuliere auch „Serbien zu seiner Unabhängigkeit.“ Diplomaten in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica gehen davon aus, dass die Unabhängigkeit Montenegros ein Schock für Vojislav Kostunica’s Regierung in Belgrad ist. Denn diese hoffte, dass die Union zwischen Serbien und Montenegro weiter bestehen würde.

Tausende Menschen klatschten dem jubelnden Djukanovic und seinen Leuten Beifall und stimmten die Hymne Montenegros an „Oh, welch schöne Blütezeit bricht an, unsere Mutter Montenegro.“ Chaotische Szenen spielten sich nur eine Stunde nach Schließung der Wahllokale ab. Die ersten inoffiziellen Hochrechnungen bestätigten, dass die Mehrheit der rund 480 000 montenegrinischen Wahlberechtigten für die Unabhängigkeit gestimmt hatten. Junge Menschen saßen auf den Dächern ihrer Autos, schwenkten Fahnen und skandierten in einem Gewitter aus Feuerwerkskörpern und Pistolenschüssen „Viva Montenegro“.

Währenddessen beschuldigte die montenegrinische Opposition die Regierung das Resultat zu vorwegzunehmen, indem sie mit den Feierlichkeiten begann, bevor die offiziellen Ergebnisse verkündet waren. Der Oppositionsführer Predrag Bulatovic bezeichnete die Feuerwerke als „Kampfansange“ und mahnte seine Anhänger zur Ruhe. Dadurch legte er die tiefe Kluft zwischen den politischen Blöcken – den Befürwortern der Union und denen der Unabhängigkeit – offen.

„Ich fordere die Regierung auf, ihre Leute von der Straße nach Hause zu schicken“, sagte Bulatovic Sonntagnacht. Seine Gruppe würde ebenfalls versuchen, ihre Anhänger von den Straßen fernzuhalten.

Das letzte Stadium

Montenegros Unabhängigkeit markiert das letzte Stadium des Zerfalls der ehemaligen Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien, das unter Blutvergießen Anfang der Neunziger auseinanderbrach. Dieses Jahr wird auch eine Entscheidung über den endgültigen Status des Kosovo fallen müssen – das momentan noch unter internationalem Protektorat steht. Die Mehrheit der albanischen Bevölkerung strebt dort ebenso die Unabhängigkeit von Serbien an.

Am Wahlsonntag verlief die Abstimmung in Cetinje, der alten montenegrinischen Hauptstadt, demokratisch und friedlich. Die Atmosphäre in der Stadt war optimistisch und gleichzeitig eigensinnig. Einige der Schaufenster der Stadt spiegelten die allgemeine Stimmung in der Stadt wider und zeigen Schilder mit der Aufschrift: „der Jüngste Tag.“

„Die Unabhängigkeit bedeutet, dass wir Europa unsere Türen öffnen können,“ sagte Milica, eine Anhängerin der Unabhängigkeit aus Cetinje. Sie erklärte, dass der neue montenegrinische Staat natürlich enge Verbindungen mit Serbien haben sollte. „Dennoch, in Zukunft soll die Beziehung zu Serbien nicht über den Beziehungen mit anderen Ländern auf dem Balkan stehen.“

Die Wahlstation Nummer 23 befand sich in einem der Schachclubs in Cetinje. Dort trafen wir Prinz Nicola Petrovic Njegos, ein Nachkomme der Petrovic-Dynastie, die 1918 entthront wurde. Er hofft, dass der Name seiner Familie und die damit verbundene Geschichte endgültig ins rechte Licht gerückt werden.

„Djukanovic sagte, es sei eine Verpflichtung des neuen montenegrinischen Staates, den Namen der Dynastie zu rehabilitieren,“ sagte er. Nicola Petrovic lebt als Architekt in Paris und hat, so erklärte er, keine politischen Ambitionen. Aber „wenn die Montenegriner morgen entschließen würden, zur Monarchie zurückzukehren, würde ich nicht Nein sagen.“ Er fügte hinzu, er hoffte, dass eine Einigung mit der Regierung bezüglich der Güter der Familie möglich wäre.

Später spazierte er zum Palast seines Großvaters in Cetinje, das heute ein Museum ist und begrüßte die Gruppe französischer Touristen mit den Worten „Wilkommen in meinem Haus.“

Nicht alle sind einer Meinung

Im Kloster von Cetinje, dem offiziellen Sitz der Serbisch-Orthodoxen Kirche seit dem Verlust der Unabhängigkeit Montenegros 1918 an Serbien, wurde am Sonntag die Messe gelesen.

Unter den Messebesuchern war Bigovic Vesko, ein Privatunternehmer, der gegen die Abspaltung von Serbien war. Er sagte, dass viele Anhänger einer Union, die im öffentlichen Dienst und in privaten Unternehmen von Befürwortern der Unabhängigkeit arbeiteten, „für die Unabhängigkeit stimmen mussten, wenn sie nicht ihre Arbeitsplätze verlieren wollten.“ Er fügte hinzu, dass für die Bewahrung der Union mit Serbien zu stimmen „ganz natürlich war“ und „das Interesse von allen orthodoxen Serben“ darstellte.

Die Anhänger der Unabhängigkeit glauben, dass nun, da die Frage der Staatsform gelöst ist, Montenegro eine größere Chance haben wird, in die EU aufgenommen zu werden und die drängenden Probleme des Landes zu bewältigen. „Diese Regierung hat fünf Jahre damit verbracht von der ungelösten Staatsfrage zu profitieren. Nun fängt die richtige Herausforderung erst an“, meinte Balsa Brkovic, einer der bekanntesten Schriftsteller Montenegros. Wie auch immer, es gibt jetzt kein Zurück mehr.