Monopoly über den Wolken!

Artikel veröffentlicht am 23. April 2008
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Artikel veröffentlicht am 23. April 2008
Ab und zu habe ich den Eindruck, dass Europa dabei ist, eine Art riesiges Monopoly-Spiel zu werden. Alle wollen alles aufkaufen. Man könnte sagen, dass die Unternehmer nicht allzu gut den Sinn der europäischen Integration verstanden haben. Und, Leute, der "gemeinsame Binnenmarkt", das soll nicht heißen, dass man überall europäisches Monopol erschaffen soll, also, beruhigt Euch!

Nun, das letzte genaue Beispiel ist der missglückte Übernahmeversuch von Alitalia durch Air France-KLM. Wir erinnern uns, dass 2004 die damaligen Anbieter im Bereich Luftfahrt aus Frankreich und den Niederlanden fusionierten. Also ist nun Italien an der Reihe. Erdrückt vom Gewicht seiner Betriebskosten und dabei, zahlungsunfähig zu werden, hätte Alitalia durchaus Bedarf nach einem Aufkäufer. Die Gelegenheit, sich noch etwas zu vergrößern, war somit gut.

Zum Nachteil von Air France-KLM, aber besonders von Alitalia, ist dieser Plan besonders aufgrund des Vetos der Gewerkschaften ins Wasser gefallen, die nach italienischem Recht ihre Zustimmung für jeden Besitzerwechsel von Alitalia geben müssen, was ein halbstaatlicher Marktteilnehmer bleibt. Die Forderungen der Gewerkschaften, insbesondere was das Arbeitsverhältnis angeht, waren für den Käufer, der letzten Endes den Rücktritt von seinem Angebot bekannt gab, inakzeptabel. Die Frage ist trotzdem noch lange nicht geklärt, da eine hundertprozentig italienische Lösung beim Abfangen von Alitalia kaum erwägenswert erscheint.

Aber die große Frage, die euch Allen zusetzt - da bin ich sicher - ist: warum ein solcher Appetit? Warum ein defizitäres Unternehmen aufkaufen, was nahezu bankrott ist? Aber ja, weil, um sich ein älteres italienisches, nicht mehr ganz so wackeres Unternehmen aufzuhalsen, zudem mit Gewerkschaften ringsherum, da muss man guten Willens sein! Es ist ganz hübsch, sich zu sagen: "ich will der Größte werden" - aber gut, da gibt es Imperien, die wegen weniger als das zusammen brachen...

Das Ding an dieser Stelle ist, dass man vom Lufttransport spricht. Und der Lufttransport läuft ähnlich wie Strom, Schiene und Telefon - er funktioniert als Netzwerk. Und falls du auf einmal keinen Zugang mehr zum Netz hast, bist du tot. Stell dir Air France mit dem Ausspruch vor: hm hm, aber nein, ich kann dich nicht nach Neapel bringen, da es einfach keine Verbindung mehr zwischen Rom und Neapel gibt... Kompliziert, nicht?

Nun aber, wenn man ein Flugunternehmen kauft, kauft man eine sehr wertvolle Sache, was sich "slots" nennt, also Marktlücken für Landung und Abflug. Und wenn ein Unternehmen auf einem Flughafen gut etabliert ist und sein Netzwerk über ein nationales Territorium organisiert hat, alles voll von "slots", regelmäßigen Flügen und das und das, so nennt man das einen "hub". Der "hub" von Alitalia ist der Flughafen Rom Fumicinio. Und wenn du Rom Fiumicino hast, kannst du ganz in Ruhe den Verkehr zu allen italienischen Flughäfen regeln.

Also, ich mach die Rechnung: Air France + KLM + Alitalia = Roissy Charles de Gaulle + Amsterdam + Rom Fumicinio. Dabei kommt ein gutes Stück europäischen Gebietes heraus. So kann man die Verbindungen organisieren, indem man auf die drei Unternehmen setzt - keine Probleme mehr! Sagte ich euch nicht, dass das an Monopoly erinnert? Ihr erinnert euch, dass es bei Monopoly da immer jemanden gab, der alle Bahnhöfe gekauft und dadurch mühelos viel Kohle auch ohne Kauf von Hotels bekommen hatte. Und hier ist es genauso (nur mit Flugzeugen)!

Am Ende, falls Air France-KLM das Risiko eingehen möchte, Alitalia aufzukaufen, geht es auch darum, dass der Zugang zum Netz gut und gern auch Thema einer allgemeinen Beunruhigung ist. Der beste Beweis ist, dass Air France die Angelegenheit nicht fallen lässt und nun Ausschau hält nach ... Iberia, dem spanischen Anbieter! Nun, anstatt europäische Monopolstellungen sich entwickeln zu lassen, mit all dem Missbrauch, wozu diese verleiten, wäre es womöglich an der Zeit, sich noch einmal das System bekannter "slots" in Bezug auf die Vergabe anzuschauen, die formell immer noch den Staaten gehören. Vielleicht würde die Einführung von transparenteren Zugangsprozeduren eine beruhigende Wirkung haben auf das Feuer gewisser...

Alexis Brunelle

Traduction: Mattias Jacob Becker