Moldawien in Bildern: Neue Protestwelle in den Straßen von Chișinău

Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2016
Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2016

Seit November 2014 durchlebt Moldawien die größte Reihe von Protesten seit den 90ern. Anhaltende Demonstrationen in der früheren Sowjetunion vereinen prorussische und proeuropäische Oppositionsparteien gegen die derzeit regierenden oligarchischen Machthaber. Die letzte Protestwelle gegen Pavel Filips neue Regierung ist die dritte in weniger als einem Jahr.

Erneut sind in Moldawien Demonstranten auf die Straßen gegangen. Auf dem Hauptplatz der Landeshaupstadt Chișinău versammelten sie sich, trotz eisiger Temperaturen unter -10°C, um zu hören, wie die Oppositionsführer eine neue Deadline für die frisch gewählte Regierung von Pavel Filip aussprachen. Rücktritte und Neuwahlen lauten ihre Forderungen. Ein Ultimatum war bereits für den 28. Januar angesetzt, wurde dann aber doch nicht berücksichtigt. Es scheint, als würden die moldawischen Demonstranten sich auf eine neue Runde vorbereiten.

Am 24. Januar gingen geschätzte 20.000 Moldawier auf die Straßen. Nach einem Marsch durch das Viertel Buiucani blockierte die Menge eine der wichtigsten Straßen in die Stadt Chișinău. Die Autoritäten erwägen rechtliche Konsequenzen, da die Organisatoren des Protests keine Genehmigung für den Umzug oder die Verkehrsbehinderung erhalten hatten.

Der Verkehr kam für lange Zeit zum Stillstand, als die Menschenmenge vom Hauptplatz durch Teile von Buiucani und Sculeanca und wieder zurück lief. Den Menschen, die von ihren Fenstern aus zusahen, riefen sie zu „Bleibt nicht zuhause!“

Im Januar vereinigten die Organisatoren zweier Zeltstädte ihre Kräfte. Für den großen Protest am 24. Januar wurden eine große Bühne und ein Bildschirm von dem Camp in der Nähe des Parlaments zu dem auf dem Piata Marii Adunari Nationale Platz bewegt.

Die Anführer beider Protestbewegungen wurden zu Beginn des Tages auf der Hauptbühne erwartet. Sowohl Andrei Năstase, Führer der Bürgerplattform Demnitate și Adevăr („Würde und Gerechtigkeit“, rechte Mitte und proeuropäisch), als auch Igor Dodon, Führer der sozialistischen Partei (PSRM, prorussisch), sowie Renato Usatîi, Führer der Partidul Nostru („Unsere Partei“, links und prorussisch) fanden sich auf der Bühne zusammen – eine noch nie da gewesene Koalition.

Nachdem einige Demonstranten den Hintereingang des Parlamentsgebäudes angriffen, wurden Feuer entzündet, um die vor der „Victory“-Zeltstadt versammelte Menge zu wärmen. Sozialisten und Mitglieder der Partidul Nostru haben den harten Winter in beheizten Zelten und Hütten aus Styropor verbracht.

Die Zahl der Zelte hat sich seit dem großen Protest am 6. September 2015 ständig vergrößert. Die Menschen wachen auf dem Platz auf und versammeln sich für Gespräche und Frühstück. Viele Spenden - von Lebensmitteln bis zu Geldspenden - wurden von überall aus dem Land und auch aus dem Ausland geschickt.