Modemeteorologen: Nachhaltiger Spleen?

Artikel veröffentlicht am 27. Oktober 2009
Artikel veröffentlicht am 27. Oktober 2009
Im Jahr 2030 werden wir vielleicht Kleidung tragen, die sich der Umgebungstemperatur anpasst, Erkältungen vorbeugt und unsere Haut respektiert. Die grüne Revolution in der Modewelt ist bereits in vollem Gange.

„Die Modeschöpfer sind Meteorologen, die vorhersagen, was die Leute zukünftig brauchen werden. Sie schlagen ihnen Kleidung vor, die sie schützen oder einfach glücklich machen soll. Das ist es, was die Modewelt so faszinierend macht“, schreibt Terry Jones, Kreativdirektor und Chefredakteur des Magazins i-D im Vorwort des Buches Fashion Now.

In den wichtigsten europäischen Hauptstädten ist der Herbst die Zeit der Fashion Weeks, der Modewochen. Die großen Modeschöpfer diktieren dort die neuen Trends für die kommende Saison weltweit. Und mit der Dringlichkeit des Themas Klimawandel gewinnt das Wort 'Saison' auch in der Modewelt eine neue Bedeutung. Die Umweltzerstörung und immer milder werdende Winter sind bekannte Phänomene, die man täglich wahrnehmen kann und die nun auch auf den Laufstegen ihren Niederschlag finden.

©continentalclothing.fr/

Nachhaltiger Spleen?

"Klimaveränderungen sind spürbar, aber das Verschwinden der Jahreszeiten steht nicht unmittelbar bevor."

Marie Schlumberger ist die Gründerin der französischen Marke Un été en automne, 'ein Sommer im Herbst'. Sie ist bei Sonia Rykiel und Yves Saint Laurent in die Lehre gegangen. Ihrer Meinung nach „sind die Klimaveränderungen nach und nach spürbar, aber das Verschwinden der Jahreszeiten steht nicht unmittelbar bevor“. Ihr Haus verschreibt sich trotzdem der Bioethik, einer immer gängigeren Einstellung in der Modebranche. Marie ist es wichtig, mit einem indischen Unternehmen zusammenzuarbeiten, das Biobaumwolle produziert und die Menschenrechte sowie gleiche Löhne für Männer und Frauen respektiert. Im Oktober war ihre Marke bei der 'Ethical Fashion Show' in Paris vertreten.

Weltweit sprießen ihre Hersteller von ethisch korrekten Ökoklamotten wie Pilze aus dem Boden. Manchmal sind es neue Designer. Einige Marken sind in diesem Bereich schon lange tätig. So zum Beispiel Continental Clothing, ein britisches Unternehmen, das sich seit 1994 seiner Umweltverantwortung stellt. Die Marke bietet Kleidung an, die „positiv für die Erde“ sei, und versieht alle auf ihrer Website verfügbaren Fotos mit Logos wie dem der „Environmental justice foundation“. Auch Europa zieht nach: Ihr wollt die Natur in Irland, Frankreich oder Polen schützen? Dann sind die Marken Edun, gegründet von Ali Hewson und Bono, Jeans Nu und The Earth Collection das Richtige.

Aber Vorsicht bei der Ethno-Mode, diesem Phänomen, das Martine Moriconi und Catherine George-Hoyau, Autorinnen des Wörterbuchs der zeitgenössischen Mode (Verlag Minerva-1998) mit ironischen Worten beschreiben: „Drei Modeschöpfer verbringen ihre Ferien im Senegal, in Japan oder Nepal…“ Und schon haben sie neue Inspirationen vom Ende der Welt, die sie in Europa umsetzen.

Nanotechnologie

http://www.human.cornell.edu/bio.cfm?netid=jh433„Diese Tendenz wird von Dauer sein, wenn die Verbraucher gelernt haben, die wirklich grünen und verantwortungsbewussten Produkte von den anderen Produkten zu unterscheiden“, schätzt Juan Hinestroza, Dozent und Assistent der Abteilung „Fiber Science and Apparel Design“ der Cornell-Universität in den Vereinigten Staaten. Hinestroza stellt sich die Zukunft der Modeindustrie mit vielen innovativen Ideen vor, wie beispielsweise Kleidung, die Erkältungen vorbeugt und dank einer Kombination der Baumwollfasern mit Nanopartikeln in der Luft befindliche, schädliche Gase eliminiert. „Neue Technologien ermöglichen es, elektronische Stoffe oder sensible Kleidung herzustellen. Die Nanotechnologien bieten eine große Funktionalität für eine minimale Menge an ökologischen Materialien“, fährt er fort. Diese Nanotechnologien sollen es in Zukunft sogar möglich machen, Kleidung zu färben, ohne Farbe zu verwenden.