Mit PORA auf zum nächsten Umstutz!

Artikel veröffentlicht am 29. März 2005
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Artikel veröffentlicht am 29. März 2005

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PORA hat in der Ukraine eine Revolution entfacht, gewaltfrei und für Demokratie und Freiheit. Nun ist die Bewegung dabei, ihr Methodenset zu exportieren.

Mit langen Haaren und gelbem T-Shirt sieht Wladimir Kaskiv nicht gerade wie ein Revolutionär aus. Dennoch ist es er, der mit etwa 15 anderen die Organisation PORA leitet. Wie viele andere Mitglieder kämpfte er bereits 1991 für die Unabhängigkeit der Ukraine von der sowjetischen Unterdrückung. Als einzigen Einfluss nennt Vladimir das Buch von Gene Sharp mit dem Titel „Von der Diktatur zur Demokratie“, welches zum Handbuch der friedlichen Revolutionsaktivisten von PORA in der Ukraine, OTPOR in Serbien oder KMARA in Georgien geworden ist. „Unsere Ideologie vereint gerade diejenigen liberalen Werte, die während der letzten ukrainischen Präsidentschaftskampagne bedroht wurden: Meinungsfreiheit, Menschenrechte aber auch die Unabhängigkeit des Landes gegenüber jeglicher Einmischung des Auslandes. Wir sind auch Patrioten. Freizügigkeit und Freihandel sind die zweite Stufe unseres Kampfes und entstammen ebenfalls jenen liberalen Werten“, erklärt er.

Transnationale Methoden

Die Methoden der Bewegungen wurden erprobt und im Laufe der Revolutionen verbessert, sagt Kaskiv: „Wir haben eine SMS-Datenbank unserer Mitglieder angelegt, um ein Maximum an Druck an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit ausüben zu können. Und wir nutzen das Internet um unsere Ideen zu verbreiten und dafür zu werben. Ohne diese Technologien“ versichert er, „hätten wir das niemals schaffen können“. Doch nicht nur in der Ukraine halfen moderne Kommunikationsmethoden beim Umsturz. Anastasia Bezverkha, die für den Webauftritt von PORA verantwortlich ist, traf letztes Frühjahr Pavol Demes in Bratislava, einen der Gründer der OTPOR-Bewegung in Serbien, um von ihm zu erfahren, wie Kommunikationsinstrumente den Sturz von Milosovic unterstützten.

Demes, im Moment beim „German Marshall Fund of the United States“ (GMF) Leiter des Büros in Bratislava, hat keine Revoluzzer-Biographie. Eheamals außenpolitischer Berater des slowakischen Präsidenten Mic. Davor war er Aktivist der „Sanften Revolution“ (Wende?) in der Tschechoslowakei. Als ehemaliger außenpolitischer Berater des Präsidenten Michal Kovac verlässt er die Regierung und beteiligt sich 1998 am friedlichen Sturz des damaligen Premierministers, dem Populisten Vladimir Meciar. Er gründet die Bewegung OTPOR in Belgrad, und setzt sich seitdem für die Stärkung der Demokratie in Zentral- und Osteuropa ein. Als er im April 2004 in die Ukraine nach Uzhgorod zu einem Kolloquium über die transatlantischen Beziehungen und die Länder im Osten eingeladen war, kam er erstmals mit PORA in Kontakt. Während eines Sommercamps in der Krim trainiert er schließlich Mitglieder der Bewegung in gewaltfreiem Aktivismus. „Wir kooperieren ausschließlich mit offenen, transparenten Bewegungen, die den demokratischen Prozess im Einklang mit der Verfassung ihres Landes respektieren“, verdeutlicht er.

Er analysiert das Erfolgsrezept von PORA und der das anderen gewaltfreien Bewegungen: „Die Kommunikation ist unerlässlich, wie für politische Parteien, die auch ihre Farben und Logos finden müssen, um ihre Ideen zu transportieren. Die Nichtregierungsorganisationen müssen mit allen Medien arbeiten, die in der Lage sind, ihre Botschaften zu transportieren. Das Internet ist essentiell, weil es alle erreichen kann. Handy und besonders SMS sind fundamentale Werkzeuge, um Kontakt zu jungen Menschen herzustellen, die in diesem Bereich besser ausgestattet sind. Denn die Jugend spielt eine wesentliche Rolle. Der städtische Aktivismus ist darüber hinaus auch eine Frage der Disziplin und der Organisation. Letztendlich muss die Bewegung partiotisch sein, damit die Prozesse gewaltfrei bleiben und genügend Kraft entwickeln können“. Doch einige sprechen von Propaganda und Meinungsmanipulation im Hinblick auf die Kommunnikationsmethoden von PORA. Den Vorwurf weißt Pavol Demes zurück: „Das, was sich heute abspielt, kann in jeder post-kommunistischen Gesellschaft passieren. Die Menschen empfinden Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Und es sind immer die jungen Menschen der Zivilgesellschaft, die eine große Rolle spielen. Das ist nichts, was implantiert ist und das kann auch nicht von außen importiert werden.“

Meister der Freiheit

Im Februar, am Vortag seines Treffens mit Putin zeichnete George W. Buch Pavol Demes und andere prominente Osteuropäer in Bratislava als „Champion of Freedom“ aus. Am nächsten Tag traf Bush mit Putin zusammen. Für Pavol Demes veranschaulicht das die Doppeldeutigkeit dieser Revolutionen. Mit Sicherheit sei eine unbezwingbare und ansteckende Bewegung geboren worden. „Wir haben einen neuen Typ von politischem Aktivismus und eine neue Generation von Aktivisten geschaffen. Einige wollen wirklich ihr Engagement fortsetzen, Einfluss haben und folglich mehr Demokratie verankern“, versichert Anastasia, während sie weiter an ihrer Website arbeitet, immer ein Auge auf den Bildschirm gerichtet. Aber warum sollte man sich weiter mit diesen „Neuerscheinungen“ beschäftigen? Die Mehrheit dieser Bewegungen hat bisher nach den Wählen, die sie erkämpft hatten, kein klares politisches Projekt verfolgt. Sie lösten sich auf ,sobald die Revolution beendet war. Aber PORA denkt über ein anderes Modell nach, welches sich nach außen richtet und an der Verbreitung des revolutionären Know-hows orientiert... Auf zum neuen Umstutz?