Mission Impossible - die Renaissance des Polaroid

Artikel veröffentlicht am 16. April 2009
Artikel veröffentlicht am 16. April 2009
Am 8. Februar 2008 kündigte Polaroid an, man werde die Produktion einstellen und sich stattdessen auf digitale Fotografie konzentrieren. Aber André Bosman hat den alten Sofortbild-Film wieder auferstehen lassen - ab 2010 wird er in Holland mit Unterstützung der Initiative The Impossible Project wieder produziert werden.

Die gute alte Sofortbildfotografie, die Polaroid-Kamera, die auf tausenden von farbenfrohen Partys in den wilden 1970ern und 80ern die gute Laune eingefangen hat - wer könnte den Mechanismus vergessen? Scharf stellen, auf den Auslöser drücken… und schon erscheint das Bild auf dem 1947 von dem amerikanischen Erfinder Edwin Herbert Land entwickelten Spezialfilm.

©Nicola Dell'ArcipreteDas war einmal - denn mit dem Aufkommen der Digitalfotografie ist die Polaroid Corporation in die Krise geraten. Am 8. Februar 2008 kündigte das Unternehmen an, die Produktion aller Sofortbildfilme einstellen zu wollen. In Zeiten der Megapixel, in denen die Polaroid Corporation den Glauben an eine rosige Zukunft für analoge Sofortbildfotografie verloren hatte, beschloss man, sich eine neue Nische auf dem Markt für elektronische Massenprodukte zu suchen und ließ die Filmproduktion, für die nicht mehr alle Komponenten verfügbar waren, auslaufen. Heute ist Pogo das neue führende Produkt, ein kleines Gerät, mit dem man digitale Bilder vom Mobiltelefon aus auf selbstklebendes Papier drucken kann.

Noch eine Milliarde Polaroid-Bilder: warum nicht?

Damit könnte der Sofortbildfilm am Ende sein, wäre da nicht André Bosman, der sich dafür entschieden hat, wieder mit der Produktion zu beginnen. Seit 1980 bei Polaroid angestellt, war Bosman viele Jahre lang eine Art Gott der Polaroid-Produktion, der alle Fehler behob und für alle technischen Aspekte der Filmproduktion verantwortlich war, von der Konstruktion des Anlagenbaus bis zu mechanischen, chemischen und elektrischen Aspekten, die Leitung der Qualitätskontrolle inbegriffen.

©the-impossible-project.com

Er stellte elf der entlassenen Polaroid-Mitarbeiter ein, erwarb die alten Produktionsanlagen in Enschede in den Niederlanden, und rief The Impossible Project ins Leben, um so 2010 wieder mit der Produktion von Sofortbildfilmen für die alten Polaroid-Kameras beginnen zu können. Ziel ist es, neue Filme für alte Kameras zu bauen, die Sofortbildfotografie neu zu erfinden, und ein Produkt wieder auf dem Markt zu etablieren, das Jahr für Jahr neue Anhänger findet.

Laut Florian Kaps, ein begeisterter Fan, der online auf Seiten wie polaroid.net gegen die Digitalisierung der Fotografie angeschrieben hat und nun Mitglied im Team von The Impossible Project ist, gibt es „eine neue Gruppe von Polaroid-Enthusiasten, die eine neue Marktnische für unsere Filme werden könnten. Schließlich sind weltweit mehr als eine Milliarde alter Polaroid-Kameras im Umlauf, und bis vor wenigen Jahren haben sich in der Weihnachtszeit allein in Großbritannien noch mehr als 50.000 Exemplare verkauft.“ Es ist noch nicht absehbar, ob technische Pannen bis 2010 ausgeräumt sein werden und ob die Nostalgie groß genug ist, um den Traum der Polaroid-Anhänger von The Inpossible Project am Leben zu halten. Fest steht aber, dass es den Pionieren des Altmodischen wie Bosman und Kaps zu verdanken ist, dass die Worte des Erfinders der Sofortbildfotografie Edwin Land nach wie vor Gültigkeit haben: nimm ein Projekt nicht in Angriff, wenn es nicht offenkundig wichtig und beinahe unmöglich ist.