Mike Sponza und der europäische Weg zum Blues

Artikel veröffentlicht am 14. Januar 2009
Artikel veröffentlicht am 14. Januar 2009
Der italienische Blues-Musiker Mike Sponza ist Gründer eines anfangs mitteleuropäischen und mittlerweile gesamteuropäischen Blues-Musik-Projekts. Er macht deutlich, dass der Blues nicht nur ein amerikanisches Genre ist, und dass er einen Beitrag zur Integration leisten kann. Interview.

Der aus Triest stammende Musiker Mike Sponza arbeitet seit fünfzehn Jahren mit Künstlern aus ganz Europa zusammen. In diesem Rahmen hat er das „Kakanic Blues“-Projekt gegründet. Der Begriff „kakanisch“ ist einem Roman des österreichischen Schriftstellers Robert Musil entlehnt. Er bezieht sich definitionsgemäß auf alles, was mit Mitteleuropa zu tun hat. Bisher hat Sponza drei Alben veröffentlicht (das vierte soll 2009 folgen).

Sein aktuelles Album, das im Januar 2008 unter dem Titel Kakanic Blues 2.0 erschien, entstand in Zusammenarbeit mit Carl Verheyen (Kalifornien), Vincent Williams (USA), Ian Siegal (England), Bosko Petrovic (Kroatien), Dieter Themel (Österreich), Matyas Pribojski (Ungarn), Primoz Grasic (Slowenien), Vladan Stanosevic (Serbien), Sandor Toth (Ungarn), Janez Boncina „Benc“(Slowenien), Vincent Williams (USA), Mario Mavrin (Kroatien), Michele Bonivento, Moreno Buttinar, Paolo und Stefano Muscovi (Italien).

Wie entstand die Idee, eine mitteleuropäische Bluesband zu gründen?

„Ich lebe in Triest, einer italienischen Stadt, ganz in der Nähe des Balkans und Österreichs. Ich bin es daher gewohnt, in der Tschechischen Republik, Polen, der Slowakei usw. zu arbeiten und dort Konzerte zu geben. Als 2004 neue Staaten in die Europäische Union aufgenommen wurden, war es für mich also ganz natürlich, ein Projekt mit mitteleuropäischen Künstlern auszuarbeiten. Die neuen Begegnungsmöglichkeiten von Blues-Musikern sind sehr befruchtend, auch weil der Blues, anders als man meint, sich wie ein roter Faden durch die Kultur der europäischen Staaten zieht, vergleichbar mit der klassischen Musik und dem Jazz.“

©mikesponza.com

Welche Schwierigkeiten und logistischen Probleme gibt es, wenn so viele Musiker unterschiedlicher Nationalität zusammenkommen?

„Vor allem die Realisierung einer gesamteuropäischen CD ist eine organisatorische Herausforderung. Wir haben eine innovative Technik entwickelt, die man vielleicht als „Song Crossing” bezeichnen könnte: Mein Trio in Triest erstellt dabei zunächst eine erste Fassung, die verwendet wird, um in anderen Städten weitere Aufnahmen zu machen. Haben wir keine Möglichkeit, uns zu treffen, versenden wir das Material per Internet. Beispielsweise verschickt ein Gitarrist aus Kopenhagen ein Stück an einen Musiker in Budapest, der es stilistisch überarbeitet und neu interpretiert. Dieser schickt es dann etwa an einen Musiker in Spanien usw.”

Könnte man sagen, dass gerade ein neues Genre europäischer Musik entsteht?

„Ja, so ist es. Im Blues gibt es viele Stile: einen eher am Rock, einen eher am Rhythm & Blues, einen eher am Blues der fünfziger Jahre orientierten Stil. Der Ursprung des Blues‘ liegt gewiss in den Vereinigten Staaten, wir können aber heute über die englischen und amerikanischen Modelle hinausgehen. Die Tatsache, dass wir einer „anderen” geografischen und kulturellen Region angehören, wird in unserer Blues-Musik deutlich - wir verbergen unsere Herkunft nicht. Wir möchten dem Beispiel kroatischer oder ungarischer Musiker folgen, die damals einen eigenen Zugang zum Blues gefunden haben, weil sie keine Möglichkeit hatten, Blues zu hören. Denn der Blues ist ein Stil, der nicht durch den eisernen Vorhang dringen konnte. So entstand eine authentische Musik ohne importierte Klischees. Die einzigen Westeuropäer, die etwas Ähnliches vollbracht haben, sind die Franzosen, die von ihrer Kultur her dazu neigen, kulturelle Einflüsse von außen zu filtern. Die französische Blues-Szene ist unglaublich.