„MetOp bringt die europäische Klimaforschung voran“

Artikel veröffentlicht am 17. Oktober 2006
Artikel veröffentlicht am 17. Oktober 2006

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In Kürze geht der erste europäische Wetter-Satellit MetOp im kasachischen Baikonur an den Start. Jeder Europäer ist mit 60 Cent dabei.

Marc Cohen ist zufrieden. Er ist Leiter des Programms MetOp bei Eumetsat, der europäischen Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten. Nun freut er sich, dass der Satellit bald über den Wolken schwebt. Wenn alles gut geht, ermöglicht MetOp von nun an eine bessere Wettervorhersage und eine zuverlässigere Beobachtung des Klimas.

Herr Cohen, um was handelt es sich bei MetOp und was macht die Besonderheit dieses Projekts aus?

Die Meteorologen hoffen, mit MetOp innerhalb von nur drei Jahren die Gültigkeit der Wettervorhersage um einen halben Tag auszudehnen. In den vergangenen 15 Jahren ist den Wetterforschern eine Steigerung um nur einen Tag gelungen. Heute kann man das Wetter bis auf fünf Tage vorhersagen. Das neue System soll nicht nur schneller sein, sondern auch wesentlich genauere Vorhersagen ermöglichen.

In Kürze wird der Satellit MetOp die Erde in einer Entfernung von etwa 840 Kilometer umkreisen. Zwei Nachfolgemodelle werden ihn auf seiner polaren Umlaufbahn begleiten. Bisher bezogen die Wetterforscher ihre Informationen von so genannten geostationären Satelliten, wie beispielsweise Meteosat. Dieser Satellit schwebt in einem Abstand von 36 000 Kilometer über dem Äquator und beobachtet von seinem Fixpunkt aus das Wetter rund um den Nullmeridian.

MetOp dagegen ist zweiundvierzig Mal näher an der Erde und beweglich: Er folgt der Umlaufbahn. Der neue Satellit wird nicht nur detaillierte Bilder von der Erdatmosphäre senden, sondern auch über jeden Punkt auf der Erdoberfläche Daten sammeln.

MetOp braucht braucht hundert Minuten, um die Erde einmal zu umkreisen; vierzehn Mal am Tag soll er die Pole überqueren. Sein Motor wird bei diesem Tempo fünf Jahre halten. Die zwölf Instrumente an Bord des Satteliten nehmen Bilder der Temperatur- und Feuchtigkeitsprofile in der Erdatmosphäre auf.

Durch das in Frankreich entwickelte Infrarot-Spektrometer IASI können die aufgenommenen Daten mit einer extrem hohen Auflösung wiedergegeben werden. Gleichzeitig misst MetOp weltweit die Temperatur der Erdoberfläche und der Ozeane, die Ozonkonzentration und die Windenwicklung über den Weltmeeren.

Wieviel hat der Bau des Satelliten gekostet und wer wird davon profitieren

Die Gesamtkosten für das Programm liegen bei 2,4 Milliarden Euro. Davon übernimmt Eumesat 1,8 Milliarden Euro. Das wird umgerechnet jeden EU-Bürger jedes Jahr 60 Cent kosten. Das Geld fließt vor allem in den Bau der insgesamt drei Satelliten, von denen jeder fast 4, 5 Tonnen wiegt.

Auch die Infrastruktur auf dem Erdboden muss instand gehalten werden und die Satelliten müssen 14 Jahre lang befördert werden. Das alles hat seinen Preis. Auf die wichtigen Informationen, die der bisher größte Wetter-Satellit Europas in Echtzeit senden wird, warten nicht nur die Meteorologen. Weltweit erhoffen sich Wissenschaftler eine zuverlässigere Klimabeobachtung und neue Erkenntnisse über den Klimawandel.

MetOp wurde gemeinsam mit den USA gebaut. Kann Europa seine Weltraumforschung nicht allein betreiben?

Zwischen Europa und den Vereinigten Staaten besteht schon seit den achtziger Jahren eine enge Zusammenarbeit bei der Sammlung von Wetterdaten. Auch MetOp steht in dieser Tradition. Die zwölf Instrumente, mit denen die Satelliten ausgestattet sind, sind gemeinsam von der französischen Raumfahrtagentur CNES und der Wetter- und Ozeanbehörde der Vereinigten Staaten NOAA entwickelt worden.

Trotzdem bringt MetOp die europäische Klimaforschung voran. Die Testläufe, die am Boden durchgeführt wurden, bescheinigen den MetOP-Satelliten eine höhere Leistung als aktuelle und geplante amerikanische Wettersatelliten. Durch das Radargerät ASCAT kann MetOp Winde auf der Meeresoberfläche genauer messen, als es bisher möglich war.

Der Start war ursprünglich für den 17. Juli vorgesehen. Warum wurde er verschoben?

In drei aufeinander folgenden Tagen musste der Startversuch von MetOp in letzter Minute gestoppt werden. Grund dafür waren technische Probleme an der Trägerrakete Sojus, die MetOp in die Umlaufbahn befördern soll. Der neue Satellit steht mit diesen Missgeschicken jedoch nicht allein da.

Bei so komplexen Starts kommt es häufig zu Verzögerungen, wie beim mehrmals verschobenen Start der Ariane-Rakete. Die Trägerrakete Sojus – die auch schon Yuri Gagarin ins All befördert hat – hatte im Fall Ariane Probleme mit dem Bodensystem. Das analoge Steuersystem war durch ein neues Digitalsystem ersetzt worden, das daraufhin einen Fehlalarm in den Testläufen auslöste.

Galaktisches Geschnatter

Am 28. September wurde in Usingen im Taunus die Bodenstation für den Wettersatelliten Jason-2 eingeweiht.

Nach gemächlicher Fahrt stoppt unser Bus an der Bodenstation Usingen. Soweit der Blick reicht, erstreckt sich flaches Land, das bis ins Unendliche zu reichen scheint. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Kameraleute und Journalisten aus der Region klettern etwas unbeholfen, mit ihrer Ausrüstung beladen, aus dem Bus. Ein Kiespfad führt direkt zur Station des Wettersatelliten Jason-2.

Himmlische Dialoge

Jason-2 trägt den Namen eines Helden aus der griechischen Mythologie. Im Juni 2008 soll er seinen Vorgänger Jason-1 ablösen. Dann wird der jüngere Jason um die Erde kreisen und die Veränderungen des Meeresspiegels messen. Er besitzt ein verbessertes Warnsystem, das Naturkatastrophen wie Flutwellen oder Hurrikans frühzeitig erkennen kann.

Usingen ist eine Kleinstadt im Taunus und liegt etwa 35 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Die Bodenstation von Jason-2 empfängt hier die Daten des Satelliten. Doch warum gerade Usingen? Verwundert schauen wir uns in der Einöde um. Wahrscheinlich deshalb, weil hier weder Hügel noch Kirchturmspitzen den himmlischen Dialog zwischen Jason-2 und seinem irdischen Partner stören.

Optimale Voraussetzungen also für eine Fernbeziehung, die immerhin fünf Jahre lang halten muss. Ein Zeitraum, der für Erdbewohner nach einer Zerreißprobe klingt, für galaktische Standards jedoch nur ein Klacks ist.

Abflussrohre und Erderwärmung

Wir erreichen die Bodenstation. Wissenschaftler aus ganz Europa drängen sich um das kuppelförmige Gebäude. Sie erzählen sich Witze über Höhenmessung und Algorithmen Vertreter der führenden Raumfahrtagenturen sind anwesend: CNES, EOMETSAT, NOAA, NASA, ... wir können uns fast nicht durch das Dickicht der Abkürzungen schlagen.

Der dänische Meteorologe Mikael Rattenborg tritt aus der Menge hervor. Dr. Ulrich Liebenow, technischer Leiter beim Erdfunkstellenbetreiber T-Systems, begleitet ihn. Die Aufmerksamkeit und das Blitzgewitter der Fotografen sind den beiden sichtlich unangenehm. Gemeinsam halten sie den Schlüssel für die Bodenstation in den Händen und winken ihren Kollegen zu.

Im Innern der Bodenstation bewundern wir die kreisende Satellitenschüssel. Geschäftsführer Dr. Florian Setter erklärt, dass der Bau der Station reibungslos verlaufen sei. Nur einen kleinen Bombenalarm habe es gegeben. Nein, so versichert man uns: Internationale Terroristen haben es nicht auf die Raumfahrtswissenschaft abgesehen. Der Sicherheitsdienst hatte lediglich ein altes Abflussrohr für einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gehalten.

Jason-2 arbeitet wesentlich präziser als sein Vorgänger. Mit seinen Daten können die Wissenschaftler beobachten, wie sich die Erdtemperatur, das Klima und der Meeresspiegel verändern. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist der Meeresspiegel um 35 Millimeter angestiegen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, und so landen wir nach unserem Ausflug in galaktische Weiten schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Autorin: Clea Caulcutt - Übersetzung: Tina Hebes