Merkel kulinarisch und Kochlektion von Chirac

Artikel veröffentlicht am 11. September 2009
Artikel veröffentlicht am 11. September 2009
Hat Angela Merkel das Rezept für die Bundestagswahlen am 27. September? Grünkohl & gesalzene Melonen… europäischen Politikern unter den Topfdeckel geschaut.

©Illustration: Enzo/cuisinepolitique/wordpress.comAngela Merkel kocht gern. 2001 wurde sie von traditionsbewussten Oldenburgern gar zur Grünkohl-Königin gewählt und bezeichnet Grünkohl mit Mettwurst dann auch als ihre Leibspeise: „Er ist robust und scheut den Frost nicht. Es ist ein Gewächs, das etwas wegstecken kann und immer schmackhafter wird.“ Auch andere deutsche Politiker bevorzugen Hausmannskost: Fast schon legendär ist der Pfälzer Saumagen von Helmut Kohl, und Helmut Schmidt nannte einmal Erbsensuppe seine Leibspeise. Karl Marx hingegen gab einst im Poesiealbum seiner Tochter auf die Frage nach seiner Lieblingsspeise Fisch an.

Kulinarische Eigenschaften haben möglicherweise auch Auswirkungen auf diplomatische Beziehungen. So soll Chirac einmal über die Briten zu Wladimir Putin gesagt haben: „Wie kann man einem Volk trauen, das so schlecht kocht?“ Von ihm selbst wird kolportiert, dass er täglich drei Baguettestangen vertilgt haben soll, sechsmal so viel wie der durchschnittliche Franzose.

Indes ist sich Tony Blair nicht so sicher über seine kulinarischen Vorlieben. Während er in einem Interview angab, Spaghetti Bolognese zu bevorzugen (und hierin eine italophile Parallele zu Barack Obama aufweist, der gern Pizza isst), bekannte er an anderer Stelle, mit seiner Familie regelmäßig beim Fish & Chips-Laden um die Ecke vorbeizuschauen. Hierin zeigt er sich sogar traditionalistischer als Prinz Charles, dessen Gaumenfreude ein einfaches Rührei ist. Fast schon britisch-skurril mutet dagegen die Angewohnheit des spanischen Ministerpräsidenten an: Zapatero isst gern mal gesalzene Melonen. Diese Eigenart hat er von seinem Großvater übernommen, in dessen Heimatdorf sich die Armen keinen Schinken leisten konnten. Daher aßen sie ihre Melonen mit Salz.

Irena Košiková weiß einiges über die Essgewohnheiten von Václav Havel zu berichten, denn sie arbeitete früher als seine Köchin. Havel liebt Pressburger Mohnhörnchen über alles, sagt sie. Linsen, Kutteln und Hörnchennudeln habe er hingegen gar nicht gemocht, denn die habe es während seiner Gefängniszeit immer gegeben. Für den finnischen Premierminister Matti Vanhanen hat Essen noch eine andere Bedeutung. Er brach das Herz seiner Ex-Freundin Susan Kuronen, indem er ihr mitteilte, dass ihr Kuss besser schmecke als eine Ofenkartoffel. Und die ist immerhin sein Leibgericht.

Rezept:

©u n a m i/flickrWer gerade keinen Currywurststand in der Nähe hat (so wie den vorm Brandenburger Tor, zu dem sich Gerhard Schröder angeblich manchmal aus dem Bundestag flüchtete), kann sich auch selbst eine Currywurst zubereiten. Dazu aus 300 ml Tomatenketchup, 150 ml Gemüsebrühe und jeder Menge Currypulver eine warme Soße zubereiten, über die fertig gebratenen Bratwürste gießen und Röstzwiebeln und Currypulver darüber streuen. Guten Appetit!