Mein unermüdlicher Kampf gegen Facebook

Artikel veröffentlicht am 23. März 2018
Artikel veröffentlicht am 23. März 2018

Cafébabel verändert sich - auch 2018. Wir erklären in einer kurzen Reihe, wonach euer Lieblingsmagazin bald aussehen wird. Neue Linie, neue Rubriken, neue Städte. Nichts weiter als das.

Habt ihr schon mal den Kampf gegen einen Algorithmus aufgenommen? Das ist fast ein bisschen wie Schattenboxen oder buchstäblich ein Schlag ins Wasser. Um es popkulturell zu untermalen: stellt euch die Szene mit Edward Norton in Fight Club vor - Achtung Spoiler - wo er denkt, dass er gegen Brad Pitt kämpft, während er sich aber eigentlich nur selbst ein paar Kinnhaken verpasst. 

Die Strategie unabhängiger Medien in sozialen Netzwerken zu denken, ist kein Zuckerschlecken. Das Ganze schmeckt in letzter Zeit sogar ziemlich sauer. Vor Kurzem hat Facebook (mal wieder) seinen Algorithmus geändert, um Beiträgen von 'Menschen, die einem nahestehen' im Newsfeed zu bevorzugen: Freunde, Familie... Das Ergebnis: Medien, so wie zum Beispiel auch Cafébabel, verschwinden zunehmend aus dem Nachrichtenfeed unserer Leser. Der Haken bei der Sache: Die Klickzahlen unserer Artikel hängen manchmal bis zu 60 Prozent am Facebook-Tropf. Zeit zu reagieren, sagten wir uns.

Uns geht es heute vor allem darum, unsere Verteilerkanäle zu erweitern: Cafébabel hat einen Newsletter, der alle 14 Tage erscheint und eine (etwas intimere) Network-Gruppe auf Facebook, die nun weiter ausgebaut werden soll. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass unabhängige Medien zunehmend dem Wohlwollen der Giganten sozialer Netzwerke unterliegen. Manchmal grenzt das schon fast an Sucht. Ständig (und wir sind da sicher nicht die Einzigen) muss man scheinbar seine Inhalte den Launen eines Betreibers eines Social Media-Kanals anpassen. Manchmal geht es um Formate: Fotos im Square-Format oder Videos, die für Mobiltelefone optimiert sind.

Manchmal geht es um Inhalte: Es war zunehmend notwendig, Inhalte 'ansprechend', 'unterhaltsam' und besonders 'lol' zu produzieren. Im Jahr 2017 gingen wir sogar so weit, einen Video-Editor einzustellen, um dort auch ein bisschen mitzumischen. Wir mussten eine Menge neuer Dinge dazulernen, unsere Formate in Videos übersetzen und uns auf Kosten erheblicher redaktioneller und finanzieller Anstrengungen neu erfinden.

Wir haben letztes Jahr einfach wahnsinnig viel Zeit damit verbracht, über unsere Facebook-Strategie nachzusinnen. Und heute? Scheinen all diese Bemühungen nach einem einfachen Wechsel des Algorithmus, veranlasst von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, plötzlich sinnlos.

Zu Beginn des Jahres hatte ich immer noch das Gefühl, gegen Windmühlen anzukämpfen. Aber nach kurzer Überlegung haben wir das Ganze eigentlich recht gut verdaut. Im Jahr 2018 hörte ich endlich damit auf, ausschließlich auf Facebook zu zählen, um Cafébabel bekannter zu machen. Wir werden natürlich auch dort präsent bleiben, aber wir werden uns gleichzeitig mehr Zeit für die Erforschung neuer Seiten, Themen und Methoden nehmen. Um etwas anderes aufzubauen, wie neue Formen der Beteiligung, andere Dienstleistungen, Veranstaltungen oder Partnerschaften.

Der Kreuzzug gegen Algorithmen hat mir ein paar Dinge gezeigt: Im Team wissen wir jetzt besser, was unsere Leser und Mitwirkenden tun und was sie wollen. Facebook oder nicht, die wahre Herausforderung dieses neuen Jahres wird es sein, eine echte Gemeinschaft rund um einen europäischen Journalismus zu bilden, partizipativ und anspruchsvoll. Bist du dabei?