Mehr Steuern auf Schweinefleisch, Bananen und - Beaus

Artikel veröffentlicht am 9. Mai 2012
Artikel veröffentlicht am 9. Mai 2012
Ach! François Hollande ist Präsident. Solidarität, Freundschaft, Zusammenleben triumphieren über das Sparprogramm. Von wegen... Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, muss man laut einem japanischen Wirtschaftswissenschaftler die Schönlinge besteuern. Und nur dafür wäre ein Maß männlicher Schönheit in Europa unerlässlich.

Es musste ja passieren, dass in Zeiten des Sparens auch amüsante Ideen aufkommen. Dies ist geschehen, als der japanische Wirtschaftswissenschaftler Takuro Morinaga vorgeschlagen hat, den Steuersatz für besonders attraktive Männer anzuheben und jenen hässlicher Männer zu senken. Kurz gesagt, Morinaga beschwert sich über die Allmacht der attraktiven Junggesellen in Japan, die nicht nur reich sind, sondern zusätzlich auch noch alle Mädels abschleppen.

Dieses Phänomen ist so dominant geworden, dass es dafür mittlerweile sogar ein Wort gibt: „ikemen“ – ein Kofferwort aus „iketaru“ („cool“, „anziehend“ auf Japanisch) und „men“. Soll heißen: die attraktiven, modernen Männer, bei denen alle Mädels Schlange stehen.

Wir werden nun nicht lange über wirtschaftliche Theorien diskutieren – ihr habt es sicher verstanden: Die Idee hat einen dreitägigen Hype auf Twitter verursacht, wird aber sicher nicht EZB-Chef Mario Draghis Plan für die Eurozone revolutionieren. Eine Frage bleibt offen: Was ist das Pendant des „Schönlings“ (des “ikemen“) bei unseren europäischen Nachbarn?

Beginnen wir mit den Deutschen, deren stilistische Metaphern irgendwie weit von traditionellen Schönheitsidealen entfernt scheinen: „geile Sau“, „heißer Feger“ oder auch „Sahneschnitte“. Nun gut...

Aber das ist noch nicht alles. In Polen hat man auch sehr gut durchdachte Ausdrücke für schöne Männer. Jenseits der Weichsel bevorzugt man sich im Wortfeld „Essen“ zu bewegen. Wenn Mädchen sich zieren, benutzen sie das Wort „ciacha“ („Cookie“), diejenigen, die sich nicht zieren, nennen ihren Prinzen „banany“ („Bananen“). Dies wirft sicherlich Fragen über die Absichten polnischer Frauen auf, allerdings hat dieser Ausdruck auch eine Geschichte. Die Banane war in Polen kein leicht zu bekommendes Lebensmittel. Daher musste man als echter Badboy von Zeit zu Zeit schon zwielichtigen Geschäfte tätigen, um an Bananen zu kommen. Aus diesem Grund steht die Banane für den Typen, der über die Runden kommt und gleichzeitig 'zum Anbeißen' ist.

Auch wenn die Italiener und Spanier bei der Namensgebung ihrer Schönlinge nicht sehr einfallsreich sind („tios buenos“ - geile Onkel und „figo“ - geile Feige), zeigt dies nur, dass unser japanischer Wirtschaftswissenschaftler mit seinem Vorschlag gar nicht so falsch liegt. Denn wenn wir nun anfangen würden Schweinefleisch und Bananen zu besteuern, würde ganz schön viel Geld zusammenkommen, oder?

Illustration: ©Henning Studte