Mehr Frauen, weniger Krise!

Artikel veröffentlicht am 29. Februar 2012
Artikel veröffentlicht am 29. Februar 2012
Von Clémentine Délisse Übersetzt von Maike Wohlfarth „Frauen in der Wissenschaft schaffen Innovation und Effizienz.“ Eine Idee, die nur von Feministen vertreten wird? Nein, eine wissenschaftliche Tatsache die auf handfesten Beweisen und fundierter Geschlechterforschung beruht.
Außerdem ist die effizienteste Methode, um die Aufmerksamkeit auf die Gleichberechtigung der Geschlechter in den europäischen Institutionen zu lenken, in diesem Zusammenhang von Profit zu reden! Gut gemacht! „Innovation, Effizienz, Produktivität“ waren die Schlagworte auf dem Europäischen Gender-Gipfel vorigen November in Brüssel.

Die Kommission stellt sich die Frage, wie die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden kann? Engagierte Wissenschaftler verweisen daraufhin auf die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in der Forschung. Sie versuchten aufzuzeigen, das die Gleichstellung der Geschlechter und die Diversität die Schlüsselelemente für Qualität in der Wissenschaft seien.

Sicher gibt es Gleichstellungsgesetze und Quotenregelungen in einigen Verwaltungsräten oder für Wahllisten. Aber in der Realität ist es schwierig diese Direktiven umzusetzen. Die Mentalität der Menschen ändert sich nur langsam. Und so sind Frauen, obwohl sie meistens besser ausgebildet sind und höhere Abschlüsse haben als Männer und obwohl sie die Hälfte der aktiven Bevölkerung darstellen, häufiger von Arbeitslosigkeit, Zeitarbeitsverträgen und niedrigen Löhnen betroffen.

Frauen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit

Es ist nun an der Zeit, dass Europa die Früchte seiner Anstrengungen erntet, indem es die Einbindung der Frauen in den Bereich Forschung und Entwicklung erhöht und ihnen eine wichtigere Rolle zuteil kommen lässt. Die hohe Anzahl der Frauen an den Hochschulen ist ein Vorteil. Wir müssen dieses menschliche Kapital nutzen, um Begabungen, Expertise und Kreativität zu fördern – das ist die Zukunft der Innovation. Der vor Kurzem vom Weltwirtschaftsforum veröffentlichte Gleichstellungsbericht zeigt beispielsweise, dass eine Verringerung der Kluft zwischen den Geschlechtern direkt mit einer Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit einhergeht. Lasst es euch gesagt sein.

In den letzten Jahren konnte eine leichte Verbesserung verzeichnet werden. Doch auch wenn ein Anstieg der Anzahl der Frauen in normalen Jobs zu verzeichnen ist, stagniert der Frauenanteil bei den Spitzenposten. Außerdem gibt es die Tendenz sich mit einem Anteil von einem Drittel zufriedenzugeben, obwohl es doch um Parität, also gleiche Stimmenanteile, geht. Fazit: Es bleibt noch viel zu tun.

Dieser Gipfel bot die Chance, führende Persönlichkeiten aus Forschung und Politik im Bereich Wissenschaft zusammenzuführen. Das Ziel war es zu diskutieren und zu verstehen, welchen Einfluss diese Fragen in der Forschung und Entwicklung auf europäischer Ebene haben können. Mehr als 400 Teilnehmer (Vereine, wissenschaftliche und politische Gruppierungen) haben während verschiedener Sitzungen ihre Standpunkte über miteinander in Verbindung stehende Themen deutlich gemacht. Es ging um die Rolle der Frau in den Bereichen Wissenschaft und Führung, das Humankapital, den intellektuellen Vorteil, die Effizienz gemischter Arbeitsgruppen etc.

Norwegische Erfahrungen

Hervorzuheben ist die Teilnahme einer norwegischen Delegation, die angereist war, um ihre Erfahrungen in diesem Bereich zu teilen, schließlich nimmt das Land eine gewisse Vorreiterrolle ein. Denn tatsächlich lebt es sich als Frau im Norden am besten. Für Henriette Westhrin, norwegische Ministerin für Gleichberechtigung und soziale Integration, war es essentiell für die Entwicklung des Landes eine Politik einzuführen, die kohärent ist und auf die Gleichstellung der Geschlechter in Norwegen abzielt. Alle Ebenen der Gesellschaft werden von einer Gesetzgebung bestimmt, die die Gleichberechtigung berücksichtigt. Das Land hat es sich zur Tradition gemacht dieses Gleichgewicht vor allem durch Aktionen und Quoten zu erreichen. Derzeit rangiert es unter den ersten drei Ländern in denen die Parität zwischen Männern und Frauen am besten gewahrt wird. Eine der Aktionen, um die Ausgeglichenheit zwischen den Geschlechtern zu fördern, wurde 2007 gestartet. Es handelt sich um einen Preis für die Gleichberechtigung. Mit 250.000 Euro dotiert, würdigt er die Qualität der Anstrengungen, die in diesem Bereich in Gruppen oder Gemeinschaften unternommen wurden. So haben sich viele Universitäten beteiligt und die Gleichstellung in ihren Lehrkörpern wurde zum Wettbewerb. Außerdem wurden Mädchen erfolgreich zu Studiengänge in den Bereichen Wissenschaft oder Informatik.ermutigt. Durch diese Maßnahmen, die mit Ausdauer umgesetzt werden, können sich die Männer in Norwegen mit dieser Durchmischung auf dem Arbeitsmarkt anscheinend viel besser arrangieren als ihre europäischen Kollegen.

Frauen geben den Ton an: ein „schockierende“ Ausnahme

Es ist schade, dass es auf dem europäischen Gender-Gipfel im Allgemeinen den Eindruck erweckte, dass die Frauen nur mit Frauen sprachen. Abgesehen von den Norwegern vielleicht, wurden die viel zu spärlich vertretenen Männer wohl etwas aus der Bahn geworfen. Dieses Treffen von Professorinnen, Forschungsdirektorinnen in Nanotechnologie, renommierten Physikerinnen und Frauen mit anderen angesehenen Posten, das es vorher in der Art noch nicht gegeben hatte, verlieh für einen Moment den Eindruck, dass sich die Situation umgekehrt habe. Doch natürlich handelte es sich nur um ein Gipfeltreffen.

Dass dieser Kontrast so schockierend ist, zeigt, dass das Thema ernst ist.