Mehr Dünger für Europas Ökobauern

Artikel veröffentlicht am 11. April 2005
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Artikel veröffentlicht am 11. April 2005

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Die Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft sind integraler Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklung. Doch scheint die Durchsetzung dieser Prinzipien einigen EU-Staaten leichter zu fallen als anderen.

Die ökologische Landwirtschaft, die auf die Verwendung von Pestiziden und Kunstdünger vollkommen verzichtet, stellt eine interessante Alternative für die gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen dar, mit denen sich die Landwirtschaften der einzelnen europäischen Länder augenblicklich konfrontiert sehen. Eine Vielzahl von alarmierenden Meldungen sind nicht mehr zu überhören: Verschmutzung des Grundwassers (und damit unserer Trinkwasserversorgung, Verarmung der Böden, die die Nachhaltigkeit der produktiven Nutzung gefährdet, Emission von Treibhausgasen durch Verbrennung und Viehzucht, krebserregende Rückstände von Pestiziden in unseren Lebensmitteln...

Es ist an der Zeit, die industrielle Landwirtschaft zu hinterfragen, um unsere Produktionsmöglichkeiten zu erhalten und die nachhaltige, vor allem die ökologische Landwirtschaft zu fördern. Doch auf europäischer Ebene ist diese immer noch nicht mehr als ein zartes Pflänzchen, um das sich keiner so richtig zu kümmern scheint. Es stellt sich daher die Frage ob das jüngste Programm der Union genügend Dünger enthält um dem ökologischem Landbau zu einem gesunden Wachstum zu verhelfen.

Zwischenbilanz

Lediglich auf 3,5% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in der EU wird Landwirtschaft nach ökologischen Kriterien betrieben. Das ist wenig im Vergleich mit Australien und Neuseeland. Diese Länder können allein die Hälfte aller weltweit ökologisch bewirtschafteten Flächen vorweisen. Aber auch innerhalb der Union gibt es große Unterschiede. Österreich, Dänemark und Italien müssen sich ob ihrer Bemühungen nicht verstecken. Innerhalb dieser Länder gibt es Regionen, deren Flächen zu 50% ökologisch bewirtschaftet werden. Die Mehrheit der Mitgliedstaaten kann von diesen Ländern lernen. Allen voran Frankreich, das auf dem 13. Platz steht, aber auch Irland, das als Vorletzter nur noch vor Griechenland steht.

Die europäische Politik greift nicht

Wenn auch der europäische Aktionsplan vom Juni 2003 die Defizite benannt und substantielle Antworten und Vorschläge ausgearbeitet hat, bleiben die Instrumente zur Verwirklichung einer Öko-Wende sehr schwach.

Dennoch scheinen innerhalb dieses Programms neue Prioritäten ins Spiel gebracht zu werden. Die Union sieht die Subventionierung von nationalen Programmen zur Unterstützung der Nachfrage nach Bioprodukten vor. Es werden große Werbekampagnen wie der „Bio-Frühling“ („Printemps Bio“ in Frankreich durchgeführt, die die Konsumentengruppe vergrößern sollen. Eine Harmonisierung der Standards ist in Planung, um Verzerrungen zwischen den unterschiedlichen Öko-Vorschriften zu erreichen. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Harmonisierung an der oberen Latte orientieren, denn einige Länder zeigen sich bei der Frage nach den Vorschriften für ökologischen Landbau sehr viel laxer als andere. Doch dieser Typ Landwirtschaft muss der Verpflichtung nachkommen, eine wirkliche Alternative zu bieten. Durch die eine Minderung von Ökostandards würde diese Verpflichtung in großem Maße Schaden nehmen.

Die finanziellen Instrumente zur Unterstützung der ökologischen Landwirtschaft bleiben aber relativ unklar und schaffen nur wenig Anreize. Die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), gedacht als der Motor einer Landwirtschaft, die respektvoll mit der Umwelt umgeht, hat Schwierigkeiten, eine breite Akzeptanz zu finden und trifft oft auf Unverständnis. Die neuen finanziellen Mittel sind zwar für Umweltschutzmaßnahmen gedacht, allerdings ohne dabei wirklich speziell für den ökologischen Landbau ausgewiesen zu sein. Es sind kaum andere Geldquellen vorgesehen. So existiert zwar zum Beispiel das Programm Leader+ für den Zeitraum 2000-2006, welches auf eine ausgeglichenere ländliche Entwicklung abzielt und neue sozio-ökologische Dimensionen mit einbezieht. In der Praxis allerdings gibt es nur sehr wenige Projekte, die dem ökologischen Landbau gewidmet sind. Somit hängt die Hinwendung zur ökologischen Produktion immer noch vom Willen zum Wechsel eines jeden einzelnen Landes ab.

Von den Musterschülern lernen

Man könnte sich dennoch von bestimmten gelungenen Programmen inspirieren lassen oder zumindest versuchen, gewisse Initiativen, die auf ihrem Gebiet Erfolg gehabt haben, zu kopieren. Beispielsweise wäre die italienische Initiative, alle Speisen in Schulkantinen und Kantinen anderer öffentlicher Einrichtungen auf 100% Öko umzustellen, auch in anderen Ländern problemlos umsetzbar. Diese Entscheidung hat zur Vervielfachung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Italien geführt.

Ein weiteres Beispiel der möglichen Wende ist das der deutschen Babynahrung, die heute zu 100% aus ökologischem Anbau stammt. Das hat den Anreiz geschaffen, eine komplette Branche neu zu organisieren. Außerdem widerlegt dieses Beispiel die Argumentation, man könne eine 100% Bioprodukt aufgrund von Schwierigkeiten bei der kontinuierlichen Versorgung und Lieferung nicht vermarkten. Der deutsche Plan ist bemerkenswert. Bedeutende Mittel wurden freigegeben (70 Millionen €), um eine Aufklärungskampagne zu entwickeln, welche die gesamten Medien mobilisiert und weitere Forschung anregt. Aufgrund der Ergebnisse dieser Initiativen verbessert sich auch die Gesamtsituation in Europa. Dänemark, Deutschland und die Niederlande sind auf dem besten Weg, ihre selbstgesteckten Ziele von 7%, 20% und 10% der ökologischen Anbaufläche bis zum Jahr 2010 zu erreichen. Kein schlechtes Ergebnis....

Eine Zauberformel gibt es nicht. Allerdings kann ein gezieltes, ambitioniert umgesetztes nationales Programm, welches nicht zögert, bestehende Vorurteile gegenüber der ökologischen Landwirtschaft zu widerlegen zu bemerkenswerten Fortschritten führen.