Megaupload gegen SOPA/PIPA: Die Rache der Hacktivisten

Artikel veröffentlicht am 3. Februar 2012
Artikel veröffentlicht am 3. Februar 2012
Was ist wichtiger: Freies Internet oder Urheberrechte? Die zwei US-Gesetze SOPA und PIPA wollen das Netz zensieren und so die Piraterie stoppen. Die Justiz macht ernst: Die Plattform Megaupload wurde geschlossen, der Betreiber festgenommen. Wir erklären den Kampf ums Netz.

Die Zensur-Welle wurde zunächst in den USA losgetreten. Ende 2011 diskutierte die Politik zwei neue Gesetzesentwürfe: SOPA (‘stop online piracy act’), ein Vorstoß des US-Kongresses und PIPA, (‘protect intellectual property act’), das den Senat beschäftigte. Beide Initiativen sollten der Piraterie im Web ein Ende setzen. Doch die Abstimmung über SOPA und PIPA wurde zunächst verschoben – weil die Netzgemeinde sich wehrte. Weltweit wurde gegen das Gesetz demonstriert, bekannte Websites wie Wikipedia und Wordpress schlossen für 24 Stunden. Aber warum?

Worum geht's?

Die Abstimmung über SOPA und PIPA war gerade verschoben worden – da schloss das US- Justizministerium am 19.Januar die Filesharing-Plattform Megaupload. Aus der Welt sind die Gesetze also noch nicht. Laut Kongress und Senat sollen sie Raubkopierer im Internet stoppen und verhindern, dass Daten über bestimmte Websites ausgetauscht werden. Hinter dem Vorstoß steckt eine Lobby: Der Unterhaltungsindustrie, also Firmen wie die Warner Music Group und Sony, entgehen durch die Online-Tauschbörsen jeden Jahr Gewinne in Milliardenhöhe. Unser Medienkonsum hat sich durch das Internet verändert. Doch die Firmen haben es nicht geschafft, sich der neuen Situation anzupassen. SOPA und PIPA sind ihre letzte Hoffnung: Man brauche sie, um geistiges Eigentum und die eigenen Produkte zu schützen – so die Branche. Doch für viele Internetnutzer markieren die Gesetze nichts anderes, als den Beginn der Internetzensur. Ins Leben gerufen wurde SOPA von dem texanischen Kongressabgeordneten Lamar Smith. Er zielt darauf ab, den Content möglichst vieler Internetseiten zu überwachen. Stellt ein Nutzer urheberrechtlich geschütztes Material auf eine Website, dann gilt das als Piraterie. Da viele Nutzer anonym agieren, war es bisher nicht möglich, sie zu belangen. SOPA soll das ändern: In Zukunft sollen nicht mehr die User, sondern der Betreiber einer Homepage für den Verstoß verantwortlich sein. Ihnen drohen Strafen, im äußersten Fall könnte die Seiten sogar geschlossen werden. Jede Homepage müsste ihr Material deshalb vorab auf Rechtsbrüche untersuchen und filtern. Ein erster Schritt in Richtung Zensur – findet die Netzgemeinde. 

Wen trifft’s?

Für die Behörden ist Megaupload, eine Firma mit Sitz in Hongkong, eine kriminelle Vereinigung, die Raubkopierern weltweit eine Plattform für illegalen Datenaustausch bietet. Darum wurden die Domain und 18 weitere Webseiten, die zu Megaupload gehören, geschlossen. Der deutsch-finnische Firmengründer Kim Schmitz alias Kim Dotcom, wurde in Neuseeland verhaftet. Ihm werden Urheberrechtsverletzungen, versuchte Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Seine Firma soll so einen Schaden von mehr als 500 Millionen Euro verursacht haben. Neben Schmitz wurden sechs weitere Verdächtige festgenommen.

Wer wehrt sich?

Ganz ungescholten kam das US-Ministerium aber nicht davon. Das Hackerkollektiv Anonymous, das gegen die Ungerechtigkeit dieser Welt protestiert, indem es unter anderem Homepages verschiedener Unernehmen lahmlegt, brachte nach der Festnahme eine Website der US-Regierung zum Absturz. Außerdem hackten sie die Internetauftritte mehrerer Plattenfirmen, und veröffentlichten dort Links, über die man zu einer anderen Download-Plattform gelangen konnte. Die Rache der „Hacktivisten“ ist noch nicht vorbei. Sie kündigten weitere Attacken an.

Was folgt?

Nach dem Ende von Megaupload werden weitere Tauschbörsen schließen müssen. Denn viele Plattformen hatten ihr Material von Kim Dotcoms Seite bezogen. Die Betreiber ziehen schon jetzt Konsequenzen: Die Gründer der spanischen streaming-Seiten PeliculasYonkis (‘American films’) and seriesyonkis (‘American series’) kündigten in einer spanischen Zeitung den Verkauf ihrer Webseiten an.

Oftmals werden Regierungen von der Unterhaltungsindustrie unter Druck gesetzt. Produktionsfirmen und Plattenkonzerne kümmern sich selten um die Freiheit im Web, sondern wollen ihre Produkte schützen. Sie werden nicht aufgeben. In Europa sind die Konzerne zwar weniger mächtig als in den USA. Aber die Reaktion der EU-Kommission lässt darauf schließen, dass bald auch hierzulande das Internet starker kontrolliert werden könnte. Keine leichte Aufgabe: Wiegt die Meinungsfreiheit mehr als das Urheberrecht des Autors? Diese und ähnlichen Fragen werden sich die Juristen stellen müssen. Und vielleicht wird das Web bald nicht mehr sein, was es einmal war: frei!

Fotos: Homepage (cc)rbbaid/flickr; Schild (cc)DonkeyHotey/flickr