Megabus: Low Cost durch Europa

Artikel veröffentlicht am 17. August 2015
Artikel veröffentlicht am 17. August 2015

Seit Juni gibt es das „Ryanair“ der Busse auch in Italien. Wir haben die Strecke Mailand-Turin ausprobiert: 12 Euro hin und zurück und so ist es gelaufen.

Bisher dachte man bei Low Cost immer ans Fliegen, ab jetzt kann auch günstig auf der Straße reisen. Dank einem großen blauen Doppeldeckerbus, mit dem man die größten italienischen Städte ab 1 Euro erreichen kann. Megabus, vielleicht habt ihr schon davon gehört, wird auch als „Ryanair der Busse“ bezeichnet und bietet seine Low Cost-Reisen seit dem 24. Juni auch in Italien an. Die Dienstleistungen des britischen Unternehmens Stagecoach group kennt man in Europa schon aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Luxemburg, Holland und Spanien.

Wir von der Redaktion Cafébabel Milano sind neugierig geworden und wollten es einmal ausprobieren. Hier erzählen wir euch von unserer Reise.

Reisen für 12 Euro

Die Gelegenheit bot sich beim Treffen mit der Cafébabel-Redaktion aus Turin (Spoiler: wir arbeiten an Neuigkeiten). Zwei Redaktionen, die gleichzeitig entstanden sind, ein gemeinsames Projekt und ein schon lange geplantes Treffen. Also die beste Gelegenheit die Strecke Mailand-Turin zu testen. Wir buchen die Fahrkarten einige Tage vorher und, wie schon erwartet, sind die Tickets für einen Euro schon ausverkauft. Macht nichts, wir bezahlen 12 Euro für Hin- und Rückfahrt, immerhin die Hälfte der günstigsten Zugverbindung. Abfahrt um 9 Uhr 30, Ankunft um 11 Uhr 30. Zwei Stunden, um vom Busbahnhof Lampugnano im Nord-Osten Mailands (mit der U-Bahn erreichbar) zum zentralen Corso Vittorio Emanuele II, nicht weit von den Turiner Bahnhöfen, zu kommen.

Schaffen wir es?“, „Werden wir pünktlich ankommen?“, aber vor allem „Werden wir ankommen?“. Das sind die Fragen, die wir uns stellen, während wir am Busbahnhof  etwas ängstlich (was wir aber gut verstecken) auf das blaue Ungetüm warten.

Der Busfahrer heißt Salvatore, er empfängt alle mit einem freundlichen Lächeln und beginnt mit dem „Boarding“. Wie vorherzusehen war, ist er nicht nur der Fahrer, sondern für alles zuständig: Er kontrolliert die Reservierungen (sehr oberflächlich, zugegebenermaßen), lädt das Gepäck ein und plaudert ein bisschen mit den Reisenden (die sich jedoch nicht trauen, die Fragen zu stellen, die wir alle im Kopf haben). Es ist 9 Uhr 30 und bald geht es los, aber einer unserer Redakteure ist noch nicht da (ihr fragt euch jetzt sicherlich, warum wir euch das erzählen). Wir sagen es Salvatore, der uns höflich bittet, trotzdem Platz zu nehmen: „Wo ist das Problem? Wir warten auf ihn! Wir warten also, aber nach fünf Minuten immer noch keine Spur von unserem Redakteur (den wir namentlich nicht nennen). Salvatore, immer noch höflich, fragt nach, aber wir können und möchten ihn nicht länger warten lassen. (Unser Redakteur hat es nicht mehr nach Turin geschafft, aber wir haben ihm verziehen und er ist immer noch einer von uns.)

 

Die Hinfahrt, eine perfekte Fahrt

Los geht’s. Die Klimaanlage ist richtig eingestellt und die 87 Plätze sind fast vollständig besetzt, von den unterschiedlichsten Fahrgästen: junge (wie wir), weniger junge, sogar einige Ausländer, die das Ganze wohl schon aus ihrem Heimatland kennen. Wir fahren auf die Autobahn, entlang des riesigen Expo-Geländes und als echte Geeks testen wir natürlich das Wifi: Es funktioniert nicht. Ein Minuspunkt, aber kein Drama. Positiv fällt uns hingegen die Toilette auf: klein, aber sauber und ordentlich. Es gab auch Steckdosen, aber das haben wir natürlich erst herausgefunden, nachdem wir diesen Artikel geschrieben haben.

Pünktlich kommen wir in Turin an, sogar etwas früher. Eine perfekte Fahrt. Wir brauchen fast doppelt so lange, um zum Treffpunkt zu kommen, aber das ist unsere Schuld.

 (An dieser Stelle ersparen wir euch drei Stunden interessanter Diskussionen).

Die Rückfahrt. Wieder mit Salvatore

Die Rückfahrt ist für 16 Uhr vorgesehen und als wir am Bussteig ankommen, etwa 15 Minuten vor Abfahrt, ist der Megabus schon da und ein Großteil der Fahrgäste ist bereits eingestiegen. Und, Überraschung, auch „unser“ Salvatore sitzt wieder am Steuer. Wir nutzen die Gelegenheit, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Er ist gesprächig und erzählt uns ein bisschen von dem Unternehmen.

23 Busse fahren in Italien, die alle für 24 Stunden im Einsatz sind und bei jedem Halt den Fahrer wechseln. Unser Bus ist um 9 Uhr 30 in Mailand losgefahren, hat zweimal die Strecke nach Turin zurückgelegt und nach der Ankunft in Mailand wird es einen Fahrerwechsel geben. Danach geht es über Bologna, Florenz und Rom bis nach Neapel (Megabus fährt auch Venedig, Verona, Padua, Siena, Genua, La Spezia und Pisa an). Salvatore ist während seiner Laufbahn als Busfahrer schon „6 Millionen Kilometer in ganz Europa gefahren“ und begeistert von der neuen Arbeit. Er gibt zu, dass es nicht mehr lange dauert bis zur Rente, aber wenn er dann das „Steuer an den Nagel hängen wird“, wird ihm diese Arbeit fehlen. Selbstverständlich macht er auch ein bisschen Werbung für das Unternehmen: Seit kurzem ist die Strecke bis nach London aktiv (über Turin, Lyon, Paris und Lille). In den ersten Tagen war der Preis bei einem Euro festgesetzt, jetzt kostet die Fahrt 46 Euro (bei einer Fahrt, die den ganzen Tag dauert, lohnt sich das vielleicht im Moment nicht).

Los geht’s. Wie schon bei der Hinfahrt geht alles glatt und wir kommen wieder etwas früher an. Wahrscheinlich waren nicht alle von Ankunft von Megabus in Italien begeistert, die Konkurrenz zum Beispiel. Aber wir haben eine positive Erfahrung gemacht. Eine Dienstleistung für alle, nicht nur für junge Leute, die potenziell ganz Europa verbindet. Was sollen wir sagen? Uns von Cafébabel gefällt allein schon die Idee von einem Europa, das näher rückt.