Meet My Hood: Nantes Zentrum

Artikel veröffentlicht am 7. November 2017
Artikel veröffentlicht am 7. November 2017

Nantes war im Jahr 2013 die Grüne Hauptstadt Europas. Und: Die „Stadt der Herzöge“ zieht immer mehr Studenten an. Dafür gibt es vor allem drei Gründe: Jugendkultur, Grünflächen und Lebensqualität. Tauchgang in eine Stadt, die auch immer mehr Parisern als Zufluchtsort dient.

Nantes steht ganz oben im Ranking der Studentenstädte. Kommt überraschend? Nicht wirklich. Von den 290.130 Einwohnern sind mehr als zehn Prozent Studenten. Und der 20-jährige Josh ist einer von ihnen. Im Rahmen des Erasmus-Programms wählte der junge Engländer die Hauptstadt des Départments Loire-Atlantique. Wie er lachend erklärt, habe er sich ganz einfach beim Durchklicken der Bilder „via Google Images“ von der Stadt überzeugen lassen. Von nun an steht Josh jeden Morgen auf und nimmt die Straßenbahn in Richtung Tertre Campus, zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Der junge Mann absolviert das dritte Jahr seines Französisch- und Philosophiestudiums, das er vor zwei Jahren an der Universität von Edinburgh begonnen hat. Aber Nantes zieht nicht nur ausländische Studenten an. Laut einer Umfrage der Job-Webseite Cadre emploi belegt Nantes den dritten Platz (hinter Bordeaux und Lyon) in einer Rangliste von Städten, in denen Pariser Führungskräfte bereit wären, sich niederzulassen, selbst wenn dadurch ihr Gehalt sinkt.

Neben der wirtschaftlichen Dynamik der Stadt gibt es auch eine Art neuen 'Hype' um Nantes in den letzten Jahren. Außerdem wurde eine grüne Linie durch das Stadtzentrum gezogen, die Touristen an den schönsten Bauwerken entlang führen soll. Auf diese Weise entdeckte Josh einen seiner Lieblingsplätze, das Schloss des Herzogs der Bretagne, ausgezeichnet als patrimoine historique - historisches Kulturerbe Frankreichs. „Ich mag besonders den Jardin des Plantes, das Café Cinema und irische Pubs wie John McByrn“, merkt der Londoner an. Das Zentrum von Nantes ist bis heute stark vom angelsächsischen Einfluss geprägt. Als letzte Bastion des Sklavenhandels in Frankreich (praktiziert bis zum Abschaffungserlass 1831, Anm.d.Red.), errichtete die Stadt im März 2012 ein Mahnmal für die Abschaffung der Sklaverei. Es ist das Zeugnis einer aufgearbeiteten Vergangenheit. „Aber dennoch ohne offizielle Entschuldigung“, kommentiert Josh.

Früher garantierten die Loire und der große Seehafen die Entwicklung der Stadt, doch seitdem haben sich die Dinge geändert. 25.000 neue Einwohner sind allein in den letzten zehn Jahren nach Nantes gezogen. „Die Stadt wird sich weiter verändern und immer großstädtischer werden“, meint ihr ehemaliger Bürgermeister Jean-Marc Ayrault. Gleichzeitig ist es seine Stadt, die heute landesweit am meisten in die Entwicklung ihrer Pflanzenbestände investiert. Nach Angaben des Observatoire des villes vertes (Beobachtungsstelle der Grünen Städte) gibt Nantes durchschnittlich 135 Euro jährlich pro Einwohner für die Instandhaltung und Gestaltung der städtischen Grünflächen aus. Es ist das Dreifache des nationalen Durchschnitts, der liegt bei 46,50 Euro. Eine sehr „umweltfreundliche“ Stadt laut Josh, der den Einfluss von Bäumen und Pflanzen auf das Gemüt der Menschen in Nantes schätzt. „Auch unterbewusst“, erklärt er.

Unter der Bezeichnung „Petite-Amazonie“ (kleines Amazonasbecken) investierte die Stadt der Herzöge im Jahr 2016 mehr als 17 Millionen Euro in die Schaffung neuer Atmungsräume und wurde damit gleichzeitig zum einzigen Naturgebiet Europas inmitten einer Innenstadt.

Die Nachbarn

Die Preise 

Die Köpfe

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Die Orte 

Café du Cinéma, 8 Rue des Carmélites

O Bocal, Boutique , 3 rue de l'hôtel de Ville

Totum, Biokantine, 11 Quai Turenne 

Play it green, Kleiderboutique, 23 rue des Moulins

Lieu Unique, Künstleratelier, Quai Ferdinand Favre Quai Ferdinand-Favre

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Dieser Artikel ist Teil der cafébabel-Serie Meet My Hood zu euren Vierteln in europäischen Metropolen. Hier mitmachen, wenn ihr eure Hood vorstellen wollt.