Meet My Hood: Montmartre, Paris

Artikel veröffentlicht am 3. Oktober 2017
Artikel veröffentlicht am 3. Oktober 2017

Das Viertel Montmartre bemüht sich sehr zu beweisen, dass es mehr als nur ein Sammelbecken für Touristen ist. Trotz der zunehmenden Gentrifizierung und Millionen von Besuchern scheinen die Einheimischen ganz glücklich mit ihrem Viertel. Ihr Geheimnis? Ein bisschen Geschichte, ein Hauch Provinz mitten in Paris und ein paar kleine Geheimnisse abseits von Amélie Poulain.

Es ist nicht einfach in Paris einen Ort zu finden, wo sich noch mehr Touristen tummeln als im Sacré Coeur-Viertel Montmartre. Selbst der Eiffelturm scheint an einem sonnigen Sommertag im Vergleich zum Place du Tertre, dem ’Platz des Erdhügels‘, verlassen. Die internationalen Menschentrauben, denen man an den Ausgängen der Metrostationen Blanche und Abbesses begegnet, schlagen die meisten Pariser wortwörtlich in die Flucht. Was erklärt, wieso die große Mehrheit der Bewohner anderer Viertel sich nur selten oder nie in Montmartre blicken lässt. Jene jedoch, die in dieser Ecke wohnen oder arbeiten, teilen diesen Eindruck nicht: Laut ihnen kann man mit den Besuchermassen leben, wenn man die Atmosphäre des Viertels genügend liebt und weiß, welche Orte zu meiden sind.

Das 18. Arrondissement, in dem Montmartre liegt, gehört zum Norden von Paris. Es ist Teil des Stadtkerns und hebt sich doch von diesem ab. „Hier findet man so viel mehr Stille als im Rest der Stadt. Montmartre hat sich ein Stück provinzielle Atmosphäre bewahrt“, erklärt Matthieu, Reiseführer in den letzten Pariser Weinbaugebieten. In alten Zeiten gab es mehr Weinfelder am Montmartre. Sie bedeckten den Hügel, als das Viertel noch nicht so stark bebaut war. Genauso bekannt war das Dorf für seine Minen. Der geförderte Gipsstein ist vor allem geschätzt für die Herstellung des ‘Plâtre de Paris’, einer Sorte Stuckgips. Der wurde genutzt, um die Bauwerke der Hauptstadt zu schmücken, woher auch die folgende bekannte Redensart stammt: „Es ist mehr Montmartre in Paris, als Paris in Montmartre“.

Im 19. Jahrhundert ist das Viertel zu einer Hochburg für Künstler geworden. Über Jahrzehnte kamen, lebten und wirkten dort bekannte Persönlichkeiten wie Vincent van Gogh und Pablo Picasso. Montmartre hat es verstanden, seine künstlerische Seite beizubehalten - trotz der Invasion durch die Touristenmassen. Zusätzlich zu seinen zahlreichen Galerien ist es möglich, allerorts das Werk von Straßenkünstlern zu bewundern. Im Gedenken an Gregos, einen Bildhauer, der aus Mauern hervorstehende Gesichter erschuf, oder Shatters, der aus gebrochenem Glas Mosaike zusammensetzt, haben viele Künstler ihre ersten Schritte in Montmartre gemacht, bevor sie loszogen, um andere Viertel zu erkunden. Street Art-Liebhaber können hier Arbeiten bekannter Künstler wie Invader oder LeCyClop finden.

Den Abenteuerlustigen, die die vielen Stufen zu Sacré-Cœur hinaufsteigen, wird schwindelig werden angesichts der schieren Masse an Touristen, die sich dort tummeln. Auf dem ‘Place du Tertre’ ist es unmöglich, einzelne Menschen in der Masse zu unterscheiden. Einige weniger überladene Eckchen sind von Malern besetzt, die Portraits, Landschaftsbilder und Karikaturen anbieten. Für Michel, seit 35 Jahren einer dieser Künstler, sind die Maler auf diesem Platz einzigartig, nicht nur wegen ihres Stils. „Es sind mehr als 40 Nationalitäten aus der ganzen Welt hier. Das ist es, was unseren Reichtum ausmacht“, erklärt er. Wie viele der Menschen, die am Montmartre arbeiten, denkt er, dass die Touristen Geld einbringen. Das Gedränge überrascht und stört ihn nicht: „Viele Menschen kommen her, einfach weil es hier schön ist.“

Dennoch erstreckt sich die Flut der Reisenden nur auf bestimmte Straßen. Es reicht ein paar Schritte in eine Seitengasse zu gehen, um eine friedliche Atmosphäre zu entdecken, die es sonst nur selten in Paris gibt. Zumindest, wenn man nicht gerade über ein mit PIN-Code gesichertes Tor stolpert. Mit der zunehmenden Entwicklung des Tourismus und der Gentrifizierung sind Stück für Stück immer mehr Straßen und Alleen privatisiert worden. Nun hat die Mehrheit der Öffentlichkeit keinen Zutritt zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem ‘Moulin de la Galette‘. Auf der einen Seite leistet dieses Phänomen seinen Beitrag zum charmanten und mysterischen Charakter des Viertels, auf der anderen Seite wirft es Probleme bezüglich der Verantwortung für öffentlichen Raum auf.

Wir treffen Julie in einem Tattoo-Salon, dessen Eingang zwischen einem Restaurant und einer Bäckerei versteckt ist. Während wir eine Passage entlang laufen, erklärt sie uns, dass es sich dabei um eine alte Allee handelt und dass der Salon selbst Teil der zahlreichen geheimen Orte am Montmartre ist. „Es gibt hier zwei oder drei Eigenarten zu sehen. Der Inhaber des Salons kümmert sich um ein Pétanque-Spielfeld, das sich in Montmartre versteckt. Ja, sie haben richtig gehört, es gibt ein verstecktes Pétanque-Feld, das den Ortsansässigen vorbehalten ist“, sagt sie lachend.

Die Nachbarn

Die Preise

Die Köpfe

Die Orte

Chez QHUIT (Geschäft für Straßenkleidung), 40 rue Duratin

Le Petit Moulin (Bar/Restaurant), 17 rue Tholozé

Boulangerie Alexine (Bäckerei) 40 rue Lepic

Chez Toinette (Restaurant), 20 rue Germain Pilon

Sur la route de Plouesacat (Crèperie), 4 rue Lamarck

Marlusse et Lapin (Bar), 14 rue Germain Pilon

Le Pinceau Cabriole (Restaurationsatelier), 16 rue de Chappe

Vignes du Clos Montmartre (Weinberg), rue des Saules

Les Petits Mitrons (Bäckerei), 26 rue Lepic

La Cave de Gaston Leroux (Keller), 106 rue Lepic

De l’art. Ou du cochon (Tattostudio), die Adresse ist ein Geheimnis

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Dieser Artikel ist Teil der cafébabel-Serie Meet My Hood zu euren Vierteln in europäischen Metropolen. Hier mitmachen, wenn ihr eure Hood vorstellen wollt.