Meet My Hood: Józsefváros, Budapest

Artikel veröffentlicht am 7. März 2016
Artikel veröffentlicht am 7. März 2016

Als Kind wurde einem immer verboten „dorthin“ zu gehen. Budapests achter Bezirk hatte einen gefährlichen Ruf, ein Ort voller komischer Leute und 'Verbrecher'. Natürlich zog er gerade deshalb junge Ungarn an, die jede Gelegenheit nutzten, diesen wunderschönen alten Stadtteil zu erkunden.

Józsefváros - im Deutschen auch Josefstadt - ist zweigeteilt, eine echte Trennung zwischen reich und arm. Die eine Seite hat mehr Gangsta-Flair: viele komische Pubs, dunkle kleine Plätze und kauzige Personen, die eine Gegend interessant machen. Die andere ist schicker, mit teuren Bars, schönen alten Palästen, Museen, Universitäten und Bibliotheken.

Der Unterschied zwischen den beiden Teilen ist heute nicht mehr so auffällig, aber das Viertel bleibt eine der buntesten Gegenden in Budapest. In Józsefváros konnte man die berühmtesten Künstlercafés des 19. und 20. Jahrhunderts finden. Es war der Stadtteil, in dem die Flammen der wichtigsten Revolutionen Ungarns zuerst loderten aber auch der Distrikt mit der höchsten Kriminalitätsrate der letzten 50 Jahre.

Wenn man anfängt, Józsefváros als die Summe seiner beiden Teile zu sehen, wird das große Ganze etwas offensichtlicher. Die traditionell ärmere Gegend wird gerade ziemlich intensiv saniert, trotzdem ist das Viertel bis heute noch authentisch. Es gibt nur eine winzige moderne Ecke, wo man ein Shoppingcenter und eine Fußgängerzone voller ausgefallener Bars und Konditoreien hochgezogen hat. Hinter der Gentrification gibt es aber immer noch Hinweise auf die alte Zweiteilung. Der Hauptplatz der Gegend (János Pál pápa tér, benannt nach Papst Johannes Paul II) ist einer der wichtigsten Flüchtlichgssammelpunkte, vor allem auch wegen seiner Nähe zum Bahnhof.

In einem relativ kleinen Teil des Viertels befinden sich außerdem fünf Fakultäten. Dadurch bietet Józsefváros auch den meisten Studenten Budapests eine Heimat. Man kann dort authentische Pubs besuchen, in hippen Bars und Cafés etwas trinken oder in den neusten Restaurants zu Studentenpreisen essen.

Preise

Weil der „Palastdistrikt“ sich im Stadtzentrum befindet, ist er nicht gerade der preiswerteste Bezirk von Budapest. Er umfasst einen riesigen Teil in der Mitte der Stadt und wird immer beliebter als Studentenviertel. Allerdings halten die Vorurteile der älteren Generation weiter an, viele haben Angst, allein durch die Straßen des 8. Bezirks zu gehen.

Gesichter

Adressen

Gólya: Gólya war seit 1906 ein berühmter Pub, bevor er geschlossen und von Studenten wiedereröffnet wurde. Ihr Plan war, eine Gemeinschaft von Einheimischen zu gründen, die kulturelle Veranstaltungen, Konzerte und andere interessante Kunstprojekte organisieren. Es ist eine tolle Mischung aus Pub und Gemeindezentrum. Sein Erfolg sprach sich rum und jetzt weiß man nie so recht, was einen dort erwartet: einen Schablonierworkshop, eine Gruppe Brettspiel-Geeks oder ein NGO-Treffen.

Fecske: Dieser coole kleine Laden am Kálvin Platz, eingequetscht zwischen einer Uni und der größten öffentlichen Bücherei der Gegend, ist niemals leer. Mit seinen speziellen Studentenpreisen ist er eine willkommene Hipsteroase.

Sirius Teaház: Hierher kommt man, wenn man das etwas andere Erlebnis sucht. Es ist der beste Ort für eine ruhige Unterhaltung mit einem Freund. Fast 15 Jahre alt und mit über 80 Teesorten bietet das Teehaus eine Tasse für jede Gelegenheit. Die wahre Seltenheit ist aber hinter Tischen und Stühlen versteckt, wo es einen Raum mit Teppichen und kleinen Nischen gibt - perfekt, wenn man nicht gestört werden möchte.

Müszi: Művelődési szint (auf Deutsch Kunstebene) ist so viel mehr als eine Bar. Es bietet Platz für NGO-Büros und andere Organisationen, hat einen Kinoraum und extra-Platz für Präsentationen und Ausstellungen. Außerdem ist es einer der heimeligsten Orte in der Stadt: man kann seine Hunde mitbringen und den ganzen Tag lümmelnd auf einem der Sofas verbringen.

Auróra: Einer unserer neuesten Lieblingsplätze im 8. Bezirk zieht sowohl Einheimische als auch NGO-Arbeiter an. Man kann alle möglichen Leute hier treffen. Die Räumlichkeiten sind nicht nur auf die Jugend ausgerichtet, sondern bieten auch Programme für Familien und die ältere Generation an.

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Dieser Artikel ist Teil des neuen cafébabel-Projekts Meet My Hood, das euch mit in die Kieze der europäischen Metropolen nimmt.