Meet my Hood: Aubervilliers

Artikel veröffentlicht am 25. September 2015
Artikel veröffentlicht am 25. September 2015

Die Herzlichkeit der Hauptstadt steht im Kontrast zu dem, was auf der anderen Seite der Stadtautobahn zu finden ist. Aubervilliers, ein Banlieue im Nordosten von Paris, dient sicherlich nicht als Kulisse für „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder „Paris je t’aime“. Die Filme, die hier gedreht werden, sind nicht für die große Öffentlichkeit gedacht.

Viele meiner Freunde waren geschockt, als sie erfahren haben, dass ich nach Aubervilliers ziehe. „Das liegt doch im Banlieue!“, haben sie mich gewarnt und hartnäckig versucht davon zu überzeugen, dass das Risiko erschossen oder vergewaltigt zu werden um 300 Prozent ansteigt, sobald ich den „Boulevard Périphérique“ überquere. Ich habe aufgehört, die Mythen über den Nordosten von Paris zu zählen. Selbst die Presse verbreitet solche Horrorgeschichten und trägt zur Verbreitung neuer Stadtlegenden bei. Ist ein angenehmes und sicheres Leben nur im Pariser Stadtkern möglich?

Aubervilliers ist ein typisch französisches Industrie- und Arbeiterviertel. Man erreicht es über die Metrolinien 7 und 12, oder mit dem RER B (etwa 15 Minuten Fahrt vom Ostbahnhof aus). Laut Daten aus dem Jahr 2012 leben in Aubervilliers 77 032 Menschen, 40,2 Prozent von ihnen sind nicht französischen Ursprungs – es sind etwa 4 058 Europäer, 1 379 Personen aus anderen Ländern Europas, 10 976 aus den Maghrebstaaten und 6 140 aus anderen afrikanischen Ländern.

Begegnung mit den Königen und Königinnen von Aubervilliers

Wir haben eine handvoll zufällig ausgewählter Bewohner von Aubervilliers gefragt, was sie an ihrem Viertel mögen und was sie gerne ändern würden, wenn sie könnten.

Die Preise

Welche Gerüchte gibt es über Aubervilliers? Eines besagt, dass hier keine Franzosen wohnen, und es kommt nah an die Wahrheit ran. Es ist schwer zu sagen, in welchem Sinne es negativ ist, doch der positive Aspekt ist klar: Es gibt eine große kulturelle Vielfalt. Es gibt noch viele andere Geschichten, die in der Statistik der Kriminalfälle auftauchen würden. Viele Pariser und vor allem die, die noch nie einen Fuß in die Banlieues gesetzt haben, sind sich sicher, dass im Nordosten der Hauptstadt der Drogenhandel und die Kriminalität florieren. 

Fast jede Woche berichtet die Lokalpresse über Leichen, die im Canal de l’Ourcq gefunden wurden oder über bewaffnete Motorradfahrer, die sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei leisten. Und dennoch habe ich keine persönliche Geschichte dieser Art zu erzählen, allerdings hat man mich mehrmals am Supermarkt gefragt, ob ich billige Drogen kaufen wolle. Aber niemals auf eine grobe oder unverfrorene Weise.

Die Stadt der Geisterfrauen

Das soll nicht heißen, dass Aubervilliers keine Überraschungen zu bieten hat. In der Abenddämmerung verschwingen Frauen und Kinder plötzlich von den Straßen während die Männer in den düsteren Bars, Straßen oder Parks reden und Karten spielen. Während das neuralgische Zentrum des Nachtlebens – die Avenue Jean Jaurès – vor Leben und Farben nur so strotzt, verlieren sich die nervösen Außenbereiche in den kleinen Alleen der Wohnviertel, die in einem schläfrigen Nebel liegen.

Die Leute

An den Markttagen – Samstag und Sonntag – sind die Straßen voll von bunten Ständen, an denen Textilien, indische oder afrikanische Kleider und Lebensmittel aus aller Welt verkauft werden.

Karl Marx würde sich hier wohlfühlen, da man hier wenig reiche Menschen findet. Und wenn es sie gibt, versuchen sie sich in die Bevölkerung zu integrieren. Sie verhalten sich diskret, wenn sie ihr Haus verlassen. Ihnen wird im Übrigen geraten, am Wochenende zuhause zu bleiben.

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Orte, die man gesehen haben sollte :    

Parc de la Courneuve - (Parc Georges-Valbon)

Der Parc de la Courneuve ist der größte in der Pariser Region (415 Hektar). Er liegt im ehemaligen Flussbett der Marne und vereint von Mensch und Natur gestaltete Räume. Meiner Meinung nach, sind die größten Attraktionen des Viertels die kegelförmigen Felsen, die ein einmaliges Panorama bieten.

Metrolinie 7 bis 'La Courneuve 8 mai 1945', danach die Tram T6 bis 'La Courneuve'

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Theater Equestre Zingaro

Das mehr als 25 Jahre alte Theater bietet einzigartige Aufführungen von taltentierten Schauspielern und Pferden. Die Premiere der allerletzten Show „On Achève Bien Les Anges“ findet am 22. Oktober statt.

Metrostation 'Fort d’Aubervilliers'