Meet My Hood: Amsterdam-Noord

Artikel veröffentlicht am 9. Januar 2018
Artikel veröffentlicht am 9. Januar 2018

Alle reden darüber, wie Amsterdam-Noord mal war und wie es sich verändert hat – ob zum Guten oder zum Schlechten. Einst ein Viertel der Seeleute, Händler und Handwerker, ist es heute Rückzugsort für die, die dem Innenstadt-Wahnsinn entkommen wollen. Wird das Viertel seine Wurzeln bewahren können, jetzt, wo überall coole Kneipen aufmachen und Studenten auf der Suche nach einer billigen Bude kommen?

„Hast du schon mal Kühe gesehen, die im Frühling endlich auf die Weide rausdürfen? Wie sie wild herumhüpfen?“ Genau so fühlt sich die 25-jährige Studentin Floor jedes Mal, wenn sie die Fähre vom Stadtzentrum verlässt und mit dem Rad nach Amsterdam-Noord fährt. Das Viertel ist eher ein eigenes Dorf und liegt nördlich des IJ, dem Fluss, der das Zentrum Amsterdams vom nördlichen Teil der Stadt trennt. Scherzhaft wird es ‚Noord gestoord‘ genannt, was ungefähr so viel wie ‚der irre Norden‘ bedeutet. Das Viertel, das früher als Amsterdams kleine, unscheinbare Schwester galt, entwickelt sich immer mehr zu einer Ruheoase, verglichen mit der überlaufenen Innenstadt.

It Der Weg nach Amsterdam-Noord ist einfach: Es gibt drei Fähren, die Fußgänger und Fahrradfahrer über den IJ bringen. Bei Ankunft stechen einem gleich der starke Kontrast zwischen Vorstadthäuschen und Industrie ins Auge. Auch wenn noch der Geist des alten Viertels mit seinen Nachkriegshäusern und eng gebauten Fabriken zu spüren ist, befinden sich das Alte und der Einfluss des Neuen im ständigen Wettstreit. Alle reden darüber, wie Amsterdam-Noord mal war und wie es sich verändert hat – ob zum Guten oder zum Schlechten. Die lebendige lokale Kultur und Vielfalt des Viertels drohen durch die neuen Entwicklungen überrollt zu werden. Die Wurzeln von Amsterdam-Noord sind in Gefahr.

Im 17. Jahrhundert lebten Seeleute, Händler und Handwerker im nördlichen Teil der niederländischen Hauptstadt. Kein Wunder, denn das Viertel lag nahe der Amsterdamer Häfen und des Flusses IJ. Als allerdings anfangs des 20. Jahrhunderts zu viele Menschen in der Stadt lebten, baute Floor Wibaut die Vogelbuurt in Amstdam-Noord für Menschen, die bezahlbaren Wohnraum brauchten. Im Laufe der Zeit verließen viele große Industrieunternehmen das Viertel und der industriell geprägte Teil von Noord – bekannt als NDSM Werft – wurde zur trostlosen Ödnis aus verlassenen Gebäuden und brach liegenden Grundstücken. 

Heute hat sich NDSM komplett verändert. Die Werft beherbergt die IJ-Hallen, in denen jeden Monat Europas größter Flohmarkt stattfindet. Außerdem gibt es dort einige der besten Musikfestivals der Stadt und man findet jede Menge angesagte Kneipen und Cafés, wie das PLLEK und das Noorderlicht Café. Besucher sollten sich den faszinierenden Kontrast zwischen dem langen Schatten von Amsterdams industrieller Vergangenheit – mit den Überresten der NDSM Werft – und der neuen, pulsierenden Szene nicht entgehen lassen.

Ein paar Schätze aus der Vergangenheit von Amsterdam-Noord sind erhalten geblieben. Café Sluisje ist ein perfektes Beispiel. Eine historische „braune Kneipe“ an der Kanalschleuse des pittoresken Nieuwendammerdijk. Vor ein paar Jahren ging die Kneipe pleite, wurde aber von einer Kooperative aus Anwohnern wiederbelebt. Auch wenn die Besitzer sich nicht vor der Kamera äußern wollen, haben sie viel über die Veränderungen in Amsterdam-Noord zu berichten. Wie viele andere Bewohner der Nordstadt können auch sie sich nicht entscheiden, ob die Veränderungen gut oder schlecht sind.

Der 45-jährige Matías aus Argentinien lebt seit fünf Jahren im Viertel. Er arbeitet in einem Empanada-Restaurant in der Nähe des authentischen Pekmarkt – einem Markt, der an drei Tagen in der Woche geöffnet ist. Wie die Besitzer des Café Sluisje glaubt er, dass die Veränderungen in Amsterdam-Noord auch die Bewohner auf unterschiedliche Weise beeinflusst haben. Während die einen von den neu Zugezogenen profitieren, leiden andere unter dem Druck der Gentrifizierung. Es kann gut sein, dass diejenigen, die in Amsterdam-Noord aufgewachsen sind, das Viertel in zehn Jahren nicht mehr wiedererkennen werden.

Die Nachbarn

Die Preise

Was man in Amsterdam-Noord nicht verpassen sollte:

Café 't Sluisje (Nieuwendammerdijk 297): Vereint Neues und Altes.

La Cocina Empanadas (Van der Pekstraat 93): Frische und leckere Empanadas mit einer Chimichurri-Sauce zum Niederknien.

Café de Ceuvel (Korte Papaverweg 4): Nachhaltiger und einzigartiger städtischer Kreativraum + Kneipe + Restaurant + Arbeitsplatz.

Oedipus Brauerei (Gedempt Hamerkanaal 85): Craft Beer Bar mit psychedelischer Atmosphäre.

EYE Film Instituut Nederland (IJpromenade 1): Museum, Restaurant und Kino in einem; beeindruckende moderne Architektur und Ausstellungen.

Pekmarkt (Van der Pekstraat): Mittwoch, Freitag und Samstag bis fünf Uhr nachmittags geöffnet. Frische niederländische Produkte mit einem lokalen Publikum.

Het Twiske: Ruhige Natur und Frischluft-Oase ... Bestens für eine Auszeit vom hektischen Stadtleben geeignet.

Skatecafe (Gedempt Hamerknaal 42): Kneipe, in der es tatsächlich eine Skate-Rampe im Innenraum gibt. Optimal für durchzechte Nächte, in denen man sich unbedingt auf einem Skateboard zum Deppen machen will. Moderate Preise. 

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Dieser Artikel ist Teil der cafébabel-Serie Meet My Hood zu euren Vierteln in europäischen Metropolen. Hier mitmachen, wenn ihr eure Hood vorstellen wollt!