Maxime Verner: der Mut, jung zu sein

Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2012
Artikel veröffentlicht am 11. Juli 2012
Ein aus Lyon stammender 22-Jähriger wäre fast der jüngste Präsidentschaftskandidat in der französischen Geschichte geworden. In seinem Lebenslauf kann er einen Hochschulabschluss in Kommunikation, einen Verein mit Mitgliedern im ganzen Land und einen Gesetzesentwurf vorweisen, der tatsächlich angenommen wurde.

Merkt euch diesen Namen: Maxime Verner, denn ihr werdet in ein paar Jahren noch von ihm hören. Er war noch keine zwanzig Jahre alt, als er bereits eine Änderung des Gesetzes zur Wählbarkeit von Präsident, Abgeordneten und Senatoren in Frankreich erreicht hatte. Um ein Haar wurde er 2012 nicht der jüngste Präsidentschaftskandidat in der französischen Geschichte. Er hat für den Verlag Max Milo ein Buch mit dem Titel Jeunes de tous les âges, unissons-nous! ("Junge Menschen jeden Alters, vereinen wir uns!") geschrieben, das 89 Vorschläge zugunsten der Jugend für das Jahr 2012 enthält ("aber dieses Programm wird seine Gültigkeit in den kommenden Jahren behalten", sagt er selbstsicher voraus.) Wenn man ihn fragt, was Jugend für ihn bedeutet, wo ihre zeitlichen, physischen und intellektuellen Grenzen liegen, antwortet er, frei nach Albert Camus: "Jugend ist die vollkommene Großzügigkeit gegenüber der Zukunft."

Maxime gehört zu den Menschen, die wie aufgezogen reden, ohne dass es wirkt, als hätten sie vor dem Spiegel geübt. Wir treffen ihn an einem der ersten warmen Sommernachmittage an einem Tisch der Bar MV im Pariser Viertel Montparnasse. Aus der Nähe können wir die Pickel in seinem Gesicht zählen. Maxime ist erst 22 Jahre alt und fast mit seinem Master in Kommunikation fertig. "Meine Familie stammt aus bescheidenen Verhältnissen, ich bin am Rand von Lyon aufgewachsen. Mich haben nicht namhafte Schulen geprägt, sondern Erfahrungen im Vereinsleben."

Nach Erlangen der Hochschulreife, mit 18 Jahren, kam er nach Paris, besuchte Veranstaltungen an der Universität Saint-Denis und gründete den Verein "Kandidat mit 18 Jahren" (Candidat à 18 ans). Zuvor lag das Mindestalter für eine Wahl zum Abgeordneten bei 23 Jahren, bei Senatoren waren es 30 Jahre. Verner wurde von Jean-Christophe Lagarde (Nouveau Centre), Valérie Rosso-Debord (UMP), Gaëtan Gorce und dem aktuellen französischen Präsidenten François Hollande (PS) unterstützt, die auf seinen Ideen basierende Gesetzesentwürfe einbrachten.

Am 5. April 2011 wurde im Parlament über das Gesetz zur Wählbarkeit abgestimmt: Das Alter für Kandidaten bei Legislativ-, Europa- und Präsidentschaftswahlen wurde auf 18 Jahre gesenkt, Senatoren müssen mindestens 24 Jahre alt sein. Was bedeutet das konkret? "Vier Millionen mehr potentielle Kandidaten", erklärt Maxime, der überzeugt ist, dass jungen Menschen die Politik so nähergebracht werden kann.

Zugegeben: Vor unserem Interview neigten wir zu der Meinung, dieser "große Erfolg" sei nichts als eine populistische Taktik der damaligen Regierung, die eine spontane Initiative geschickt ausnutzte, um das Verdienst um eine historische Änderung für sich zu beanspruchen.

"Es ist eine Laune des Schicksals, dass die erste Abgeordnete, die von diesem Gesetz profitierte, Marion Maréchal-Le Pen gewesen ist", sagt Maxime dagegen. Marion, die genau wie er 1989 geboren wurde, ist die Nichte von Marine Le Pen und die jüngste Abgeordnete in der französischen Geschichte: Sie wurde am 17. Juni 2012 im dritten Wahlkreis von Vaucluse in die Nationalversammlung gewählt. Eine Wahl, die bis vor ein paar Jahren ohne das von Maxime vorgeschlagene Gesetz nicht möglich gewesen wäre. "Ich möchte sie zu einer Debatte herausfordern", sagt er. "Ich möchte, dass sie öffentlich zugibt, dass die Jugend für sie nur ein Ressentiment ist, eine Art, 'gegen alles und jeden' zu sein." Nichts ist falscher, sagt unser junger Mann: "Wenn es so ist, sind wir alle geliefert. Wir haben die Pflicht, an eine bessere Zukunft zu denken."

Neuer Stern am Himmel oder erfahrener Politiker?

In anderthalb Stunden Gespräch hören wir von Maxime Verner nicht einen wirklich "inkorrekten" Satz. Seine politische Position? "Ich bin fortschrittlich". Was hat ihn daran gehindert, die 500 Unterschriften zu bekommen, die nötig sind, um bei den französischen Präsidentschaftswahlen zu kandidieren? "Die Bürgermeister waren von unserem Projekt begeistert, aber es hat uns an Mitteln gefehlt, die Kampagne basierte nur auf Solidarität und freiwilliger Unterstützung durch die jungen Leute um mich herum".

Seine Mutter stammt aus Armenien. Wie denkt er über das Gesetz, das es verbietet, den Genozid zu leugnen? "Es ist nutzlos, man muss den Sachverhalt einfach im Schulunterricht korrekt darstellen". Haben die Indignados ihren Kampf verloren? "Nein, denn sie sind auf die Straße gegangen und haben lautstark mehr Transparenz gefordert. Es war eine 'Post-it-Mobilisierung', die aus dem Internet kam und nur von kurzer Dauer sein konnte. Aber die Gründe für den Protest bestehen nach wie vor." Wird er 2017 wieder kandidieren? "Vorher stehen noch so viele andere Dinge an. Im September werde ich ein Mediations-Unternehmen gründen; es soll Organisationen, die junge Menschen einstellen, dabei helfen, besser mit ihnen zu kommunizieren. Es wird Hesychia heißen."

Gegen unsere Fragen, die auf ihn einprasseln, verteidigt er sich oder weicht dem Schlag mit der Geschwindigkeit eines Boxers aus. "Die Jugend wird die große Massenmobilisierung des 21. Jahrhunderts sein", hat er in seinem Buch geschrieben. Aber Maxime Verner hat nicht die riesigen Massen vor Augen, die die Puerta del Sol in Madrid oder den Tahrir-Platz in Kairo besetzt haben. Der junge Mann ist gebildet - er hat für ein Semester in Galatasaray (Istanbul) studiert ("ich bin der erste in meiner Familie, der in die Türkei zurückgekehrt ist") und hält sich von simplem Populismus fern.

Im Internet und in sozialen Netzwerken ist er präsent, jedoch ohne zu übertreiben. Die Artikel auf seiner offiziellen Seite aktualisiert er wöchentlich, manchmal auch monatlich: "Wir setzen ganz auf interne Kommunikation. Der Verein, den ich gegründet habe und dessen Vorsitzender ich bin, Jeunes de France, hat fast tausend Mitglieder, sowohl im französischen Mutterland als auch in den Überseegebieten." Ihre Arbeit besteht hauptsächlich darin, jungen Menschen, die sich sozial engagieren wollen dabei zu helfen, die ersten Schwierigkeiten zu überwinden und ihre Begeisterung nicht zu verlieren.

"Wir müssen die Idee verbreiten, dass man Glück nur gemeinsam erreichen kann und dass Erfolg etwas Gemeinsames ist, nicht nur etwas Persönliches." Wenn man ihn so reden sieht, lächelnd und motiviert, möchte man ihm fast glauben.

Fotos Maxime Verner: ©Jacopo Franchi; Videos: (cc)maximeverner/YouTube und (cc)BuzeeNews/YouTube