Martín Mazza: „Ich möchte wenigstens die Möglichkeit haben, zu heiraten.“

Artikel veröffentlicht am 27. Februar 2013
Artikel veröffentlicht am 27. Februar 2013
Andere europäische Länder haben die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe gerade erst beschlossen (Frankreich) oder diskutieren noch darüber (Großbritannien). Der 34-jährige spanische Verleger, Unternehmer und Pornodarsteller Martín Mazza ist sich jedoch sicher: die Einführung der Homo-Ehe hat in Spanien zu mehr Toleranz in der Gesellschaft geführt.
Der zweite Teil unserer Serie „LGBT-Porträts“.

„In Spanien hat sich viel geändert. Heute sind wir sogar eines der Länder mit den meisten Rechten für Homosexuelle. Bei uns wird diese Szene im Vergleich mit anderen europäischen Ländern am besten akzeptiert“, sagt Martín Mazza (sein Künstlername). In Spanien wurde die Homo-Ehe 2005 von der sozialistischen Regierung unter Jose Rodriguez Zapatero eingeführt. Seitdem dürfen Homosexuelle hier offiziell heiraten und Kinder adoptieren. Für Martín ist die Gleichstellung der Homo-Ehe eine Bestätigung, die auch die Wahrnehmung seiner Familie und Freunde gegenüber der LGTB-Community verändert hat. „Die  gleichgeschlechtliche Ehe ist mehr als ein Recht, das speziell Homosexuelle einfordern sollten. Die Ehe für alle ist ein Menschenrecht!“, betont Mazza.

„Die Ehe für alle ist ein Menschenrecht!“

Der ehemalige Verleger des Schwulenmagazins Oh my God! hat eine eigene Produktionsfirma für Gay-Pornos. Nach Los Angeles, San Francisco, Sidney, New York und London, wo er selbst als Darsteller arbeitete, lebt er momentan in Madrid. In seinen Augen gehören wir trotz unserer verschiedenen Geschmäcker und Lebensentwürfe alle zu einer Gesellschaft, in der für alle die gleichen Regeln gelten sollten. „Ich verstehe nicht, wie man bei einem Stierkampf applaudieren kann oder warum ich genauso Steuern zahlen soll wie die anderen – wenn ich doch nicht heiraten darf, obwohl ich verliebt bin oder eine Familie gründen möchte“, bekräftigt Mazza. Für ihn ist es ein Rückschritt, dass die Partido Popular [die konservative Regierungspartei Spaniens, A.d.R.] eine Klage auf Verfassungswidrigkeit gegen das Gesetz einreichen wird, das die Homo-Ehe gleichstellt. „Meine Steuern nenne ich Steuern, meine Hypothek nenne ich Hypothek und meine Heirat möchte ich auch Heirat nennen können!“

Mazza wusste schon immer, dass er homosexuell sei, sagt er. Mit 15 Jahren wandte er sich komplett Jungs zu, und mit 17 hatte er schließlich sein Coming-Out. Obwohl seine Familie das Outing gut aufnahm, beschloss er mit 18 Jahren nach London zu gehen. „Ich wollte mich nicht mehr verbiegen und einfach mein Leben leben. Nicht nur, um einen Partner zu haben. Ich wollte mich auch von den Vorstellungen, die meine Familie von mir hatte, distanzieren“, erklärt Martín, der als Einzelkind aufwuchs. Heute erinnert er sich, wie „unglaublich“ es ihm damals vorkam, einen Jungen auf offener Straße zu küssen. Es tat ihm gut, solche Dinge auszuprobieren: „Ich hatte soviel Energie“, fügt er hinzu.

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Während seiner Schulzeit und seines Studiums besuchte Martín Einrichtungen der katholischen Organisation Opus Dei, in der Mazzas Familie Mitglied ist. Dort habe er nie Probleme wegen seiner sexuellen Orientierung bekommen, erklärt er, ganz im Gegenteil: „Die Erziehung und Disziplin, die ich dort mitbekommen habe, helfen mir heute sehr.“ Obwohl Martín sich selbst als Atheist bezeichnet, glaubt er, dass „alle Menschen an etwas glauben müssen und diesem einen Namen geben wollen. Das gehört zur persönlichen Selbstbestimmung des Menschen und kann einem viel Mut und Durchhaltevermögen geben.“ Vor einigen Jahren arbeitete er sogar für ein Unternehmen der Opus Dei - das hat nichts mit „den unternehmerischen, entwicklerischen und fachlichen Fähigkeiten zu tun“, bekräftigt Mazza - und hatte dabei keine Probleme, mit seiner sexuellen Orientierung offen umzugehen. In seinen Augen ist das für homosexuelle Menschen entscheidend. Obwohl er immer von Mitgliedern der Opus Dei umgeben war, wurde er wegen seiner Homosexualität nie abgelehnt oder angegriffen. „Ich denke, Homophobie liegt in der Erziehung und der Kultur der Menschen begründet“, betont er. Auch in seinem Freundeskreis schlug ihm keine Ablehnung entgegen. Das liege laut Mazza daran, dass sich Spanien zu einem offenen und toleranten Land entwickelt hat, denn mit der Demokratisierung habe es sich auch für die Gay-Szene geöffnet.

Momentan ist Martín Single. Seine bisherigen Erfahrungen machen es ihm nicht leicht, sich zu verlieben. Zudem sei es für Schwule schwerer, einen Partner zu finden als für Heterosexuelle, glaubt Martín. „Eine feste Beziehung ist für mich keine Errungenschaft oder ein Lebensziel an sich, es ist vielmehr eine Möglichkeit, sein Leben zu gestalten.“ Was für Martín Mazza zählt, ist Gleichberechtigung. „Ich möchte die gleichen Rechte genießen wie alle anderen auch. Auch wenn ich vielleicht nicht heiraten werde, möchte ich wenigstens die Möglichkeit dazu haben.“

Lest hier Teil 1 unserer Serie "LGBT-Porträts".

Illustrationen: Teaser ©Adrien le Coärer; im Text: ©Martín Mazza; Vídeo: ©knorpel26/YouTube.