Maria Olteanu: Nase voll von Fracking 

Artikel veröffentlicht am 8. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 8. Dezember 2015

In Rumänien sind mehr und mehr Umweltaktivisten auf dem Vormarsch. Aber nur manche Vorkämpfer schaffen es Kräfte und Energien gegen verwirrende Kampagnen, abwesende Finanzmittel und Wirtschaftslobbies zu konzentrieren. Maria Olteanu, überzeugte und vor allem freiwillige Anti-Fracking-Aktivistin, ist eine von ihnen.

Von Infokampagnen bis zum ersten Anti-Fracking-Festival in Rumänien namens ManiFEST - der Sprung ins kalte Wasser war für Maria Olteanu ein einfacher. Eigentlich Geografin und Deutschlehrerin, definiert sich die 34-Jährige als unabhängige Klimaaktivistin. Gerade hat sie ihre kleine, eigene NGO Asociația TESLA für eine „nachhaltige, lokale und autonome Energiewende“ gegründet.

„Alles was ich mache, ist freiwillig“, erklärt Maria. Seit drei Jahren konzentrieren wir uns fast nur noch auf Aktivismus. Ich bin außerdem Mitglied eines europäischen Anti-Fracking-Netzwerkes, bei dem Strukturen wie zum Beispiel das baskische Frackanpada mitmachen. Das Ganze ist aber eher eine relaxte Zusammenarbeit.“

Was war das nochmal, Fracking?

Was genau ist genau dieses Fracking, gegen das sich Maria Olteanu stark macht? Fracking ist eine umweltgefährdende Technik zur Gewinnung von Schiefergas mit Hilfe der sogenannten „hydraulischen Frakturierung“. Um bisher unangetastete Erdgasvorkommen anzuzapfen, werden Bohrungen am Gestein vorgenommen, in die anschließend per Hochdruck Wasser in Mischung mit Quarzsand und Chemikalien gepresst wird.

Bei der Förderung von Schiefergas werden giftige Gase wie Methan frei, die so Maria „als Treibhausgase gefährlicher sind als Kohlenstoffdioxid und allein 30% der durch Fracking geförderten Gase darstellen“. Maria Olteanu hat sich warm geredet. Und dabei ist sie noch nicht mal bei den Gefahren für das Grundwasser angelangt.

Maria ist ein bisschen Mädchen für alles in ihrer NGO: Mal kümmert sie sich um die Dokumentation oder die Verbreitung von Informationen, mal um die Orga eines Festivals, mal malt sie „Plakate für das nächste Sit-in“. Ihr Ziel vor Augen bleibt dabei immer, Menschen über die Methode des Fracking aufzuklären und der Hinweis auf die „Wichtigkeit neuer Denkansätze in der Energiepolitik“. Und da man zusammen weniger allein ist, arbeitet sie am liebsten im Team mit anderen Aktivisten.

Schwierigkeiten eines ganzen Landes

„Eines der größten Probleme in Rumänien sind die Bohrungen von fruchtbaren Grund und Boden sowie auf dem Grund des Schwarzen Meeres“, wird Maria deutlicher. Hinzu kämen laut der Aktivistin zudem illegales Roden und das Freisetzen von Blausäuresalz (Zyanid) im Zusammenhang mit Gold und Edelsteinabbau.

Maria Olteanu ist manchmal frustriert. Das ist ganz normal. Die Koordinierung Freiwilliger und verschiedener Kampagnen können manchmal anstrengend sein, „mit einer Ausnahme: das FânFest, das in Roșia Montană organisiert wird und wo wir es geschafft haben, eine der größten Blausäureminen des Landes zu blockieren“.

Weitere Erfolgserlebnisse? „Es ist ziemlich schwierig darauf zu antworten, aber die größte Genugtuung ist wohl, dass sich überall im Land eine grüne Bewegung hervortut, auch wenn sie noch etwas zurückhaltend ist“, erklärt Maria. „Das sind alles Gruppen, die von der Pieke auf gelernt haben. Man braucht einen Haufen Kreativität, um die fehlenden Finanzen auszugleichen."

Politische Interessen, Lobbying und der fehlende Informationsfluss sind der perfekte Cocktail, der den Klimaschutz ausbremse, so Maria Olteanu. Und auch auf europäischem Niveau geht alles nur sehr schleppend voran. „In puncto Fracking hat sich die EU für den kleinsten gemeinsamen Nenner im Schutz ihrer Bürger entschieden. Sie hat ein paar Broschüren mit ein paar Empfehlungen herausgegeben – aber das war es dann auch schon.“

Nur Händeschütteln zur COP21

Auch auf die Weltklimakonferenz in Paris ist Maria nicht unbedingt gut zu sprechen. „Das sind diese Events, bei denen Public Relations gepflegt werden. Eine super Möglichkeit für die Regierungsoberhäupter dieser Welt, ein paar Hände zu schütteln und sich dabei fotografieren zu lassen. Dabei machen sie nebenbei noch ein paar schnelle Versprechen, die sie dann sowieso nicht halten.“

Auch der französische Notstand aufgrund der Attentate in Paris vom 13. November, der Aktivisten ein Versammlungsverbot beschert, stimmt Maria nachdenklich. „Das ist ein Riesenschritt in die falsche Richtung für die französische Demokratie.“

Ob die COP21 Resultate bringen wird ? „Es handelt sich um eine große Bewährungsprobe für die Menschheit. Diejenigen, die über die Zukunft unseres Planeten entscheiden, haben allzu oft bewiesen, wie verantwortungslos sie mit einer möglichen Energiewende umgehen.“

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.