Map of the week: Wo Homosexuelle in Europa Blut spenden dürfen

Artikel veröffentlicht am 15. September 2016
Artikel veröffentlicht am 15. September 2016

Nach der Schießerei in einem Schwulenclub in Orlando riefen die Lokalpolitiker zur Blutspende auf, um den Verwundeten zu helfen. In den USA dürfen aber Männer, die mit anderen Männern eine sexuelle Beziehung eingegangen sind, ein Jahr danach kein Blut spenden. Wie sieht die Situation in Europa aus?

Fragen bezüglich der sexuellen Orientierung und dem Recht Homosexueller, Blut zu spenden, werden auf unserem Europäischen Hinterhof durch Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention geregelt. Dieser Artikel verbietet die Diskriminierung und regelt die individuellen Freiheiten, räumt den Mitgliedstaaten des Europarates (Achtung: nicht der Europäischen Union!) zugleich einen gewissen Interpretationsspielraum ein.

2015 beschloss der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg, dass der Ausschluss Homosexueller von der Blutspende in gewissen Fällen gerechtfertigt sein kann. Er wies zugleich darauf hin, dass genau bewertet werden müsse, ob von ihnen ein Infektionsrisiko ausgehe und ob die Empfänger solcher Blutspenden anderweitig geschützt werden können.

Das Urteil folgte der Anklage von Geoffrey Leger, eines Franzosen der im französischen Blutspendezentrum in Metz kein Blut spenden, nachdem er angegeben hatte, eine sexuelle Beziehung mit einem anderen Mann eingegangen zu sein. Das Französische Recht schließt eine Blutspende in solchen Fällen aus. In Frankreich wurde dieses Gesetz im Jahr 2015 gekippt – Homosexuelle dürfen Blut spenden, unter der Bedingung, dass seit ihrer sexuellen Beziehung mit einem Mann ein Jahr vergangen ist.

Fraglich nur, wie ermittelt werden soll, wann eine solche Person tatsächlich zum letzten Mal Sex hatte.

Quelle: International Journal of Infectious Diseases, SaBTO: “Donor Selection Criteria Review