Map of the week: Vereintes Europa, zutiefst separatistisch

Artikel veröffentlicht am 11. Oktober 2016
Artikel veröffentlicht am 11. Oktober 2016

Verschiedene Völker, verschiedene Nationen, eine europäische Union. Zu schade, dass es trotz des Traums von einem vereinten Europa nicht gerade wenige Unabhängigkeitsbewegungen gibt, die mehr oder wenig stark nationalistisch motiviert sind und nach mehr Freiheit und teils sogar nach totaler Abspaltung von ihrem Staatsterritoriums streben.

Lang lebe das vereinte Europa (so es der Brexit erlaubt), aber zwischen so vielen separatistisch und nationalistisch motivierten Unabhängigkeitsbewegungen gibt es wenig Grund zur Freude.

Der EU-Austritt des Vereinten Königreichs hat zweifellos die schon bestehenden schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen angefeuert, aber diese sind bei weitem nicht die einzigen mit Abspaltungs-Gedanken im Reich ihrer Majestät: Auch in Wales und Nordirland herrschen mehr oder weniger deutliche Sezessionstendenzen vor. Vergessen wir dabei nicht die abgemilderten Varianten, die sich über die ganze Insel verteilt finden, sowie den Unabhängigkeitsruf der eigenen Hauptstadt London, welcher am Folgetag der Abstimmung, die den EU-Austritt des Königreichs zur Folge hatte, mit einer Petition initiiert wurde.

Ein ähnliches Panorama lässt sich in Spanien beobachten: Aufrufe zur Abspaltung kommen aus Katalonien, Andalusien, von den Balearen und Kanaren, ganz abgesehen von den radikalen Forderungen des Baskenlandes, die vor nicht allzu langer Zeit in terroristischen Akten der Organisation ETA Ausdruck fanden.

Der baskische Nationalismus betrifft auch Frankreich, das sich gleichermaßen mit den Autonomie-Forderungen Okzitaniens, der Normandie und der Bretagne, sowie dem Unabhängigkeitsstreben des Elsass und Korsikas konfrontiert sieht.

In Mitteleuropa sind zwei Bewegungen zu erwähnen: Einerseits die bayrische Partei in Deutschland, welche die Unabhängigkeit Bayerns innerhalb der EU anstrebt und andererseits der historische ethno-kulturelle Konflikt zwischen der Wallonie und Flandern in Belgien, der bis heute durch die totale Trennung der beiden Regionen in allen Belangen – sogar der Sprache – gelöst wird.

Auch in Italien fehlt es nicht an Unabhängigkeits-Strömungen oder Autonomieforderungen. Es findet sich von allem etwas: Angefangen bei den Unabhängigkeits-Bestrebungen Venetiens über die padanischen Forderungen der Lega Nord, die in den 90ern stark für Sezessionismus eintrat, weiter über den Widervereinigungswunsch der Südtiroler_innen mit Österreich bis hin zum vorherrschenden Nationalismus in Sizilien und Sardinien.

Blickt man Richtung Osten, sieht man deutlich die separatistischen Tendenzen der Regionen Donezk und Lugansk in der Ost-Ukraine, sowie die immer noch prekäre Lage im früheren Jugoslawien, welche sich in der aktuellen Situation des Kosovo widerspiegelt: Das Band zu Serbien nicht anerkennend, sieht es sich als unabhängige Entität, wird aber nicht universell anerkannt.

Hier findest du diese Karte in Original-Auflösung. Darin werden separatistische und autonomistische Bewegungen angezeigt, sowie jene Bewegungen, die Anerkennung als offizielle staatliche Minderheit fordern.

-- Dieser Artikel ist Teil der Serie "Maps of the week".