Mann der Woche: Gordon Brown und die Finanzkrise

Artikel veröffentlicht am 14. Oktober 2008
Artikel veröffentlicht am 14. Oktober 2008
Mit seinem wirtschaftlichen Rettungspaket scheint der britische Premier unerwartet wie Phoenix aus der politischen Asche aufzuerstehen.

Seit dem 13.Oktober erklimmen die Börsen der Welt den Mount Everest. Das Vertrauen ist auf die Märkte zurückgekehrt und die Analysten sehen Licht am Ende des Krisentunnels. All dies dank eines historischen Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der Eurozone am Sonntag, dem 12. Oktober in Paris. Was machten die Teilnehmer? Sie kupferten von Gordon Brown ab.

"Manchmal braucht es eine Krise, damit die Leute das Offensichtliche akzeptieren."

„Manchmal braucht es eine Krise, damit die Leute das Offensichtliche akzeptieren, das man schon vor Jahren hätte machen müssen und das sich nun nicht mehr hinausschieben lässt“, sagte Brown beim Internationalen Währungsfonds. Was hat er getan? Er hat den Banken, die Liquiditätsprobleme hatten, eine Finanzspritze aus öffentlichen Geldern verpasst und als Gegenleistung diese Banken zum Handeln aufgefordert. Das heißt, dass Banken oder Teile der Institute verstaatlicht werden sollen. Die europäischen Führungsspitzen haben angekündigt, sie seien dazu bereit, in ihren Ländern das Gleiche zu tun.

Es ist lobenswert, dass diese Rückkehr zum Keynesianismus oder zur reinen wirtschaftlichen Sozialdemokratie in einem Land des Thatcher-Neoliberalismus ihren Anfang nimmt. Doch der englische Vorreiter lässt Europa, das nur zu handeln versteht, wenn London es zuerst vormacht, ziemlich blass erscheinen.

Brown schlägt vor, ein neues Bretton-Woods-System zu kreieren, um die Stabilität des globalisierten Kapitalismus zu garantieren. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals bläst Sarkozy ins gleiche Horn: Der französische Präsident spricht davon, den Kapitalismus „umzustrukturieren“, indem man ihn in der Industrie konzentriert.

Auf nationaler Ebene lässt Brown den konservativen Oppositionschef David Cameron außen vor. Auf europäischer Ebene werden wir möglicherweise politische Leader wie Zapatero, Sócrates, Brown und andere immer häufiger vereint und vor der Möglichkeit stehen sehen, das Fundament ihrer politischen Ideologie wieder neu zur Geltung bringen zu können.