Maelbeek, einen Monat nach den Brüsseler Anschlägen

Artikel veröffentlicht am 26. April 2016
Artikel veröffentlicht am 26. April 2016

Seit den Anschlägen in Brüssel ist wenig mehr als ein Monat vergangen. Diesen Montag kurz vor sechs Uhr morgens wurde die Metrostation Maelbeek, einer der Schauplätze der Attentate, wiedereröffnet. Andrang gab es keinen.

Die erste U-Bahn an diesem Morgen fuhr kurz nach 5:30 Uhr von der Station Maelbeek, mitten im europäischen Viertel in Brüssel, ab. 16 Menschen wurden bei der Explosion in der Metro getötet, ungefähr hundert verletzt. Mehr als dreißig Tage später wird die Station der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Aber um sechs Uhr morgens waren auf den Bahnsteigen viel mehr Journalisten als Fahrgäste zu sehen: Fernsehkameras durften die Inbetriebnahme filmen, ein Sprecher der STIB (Société des Transports Intercommunaux de Bruxelles, Verkehrsbetrieb Brüssel) war anwesend. Die belgischen, französischen, englischen und spanischen Medien waren gekommen, um das Ereignis zu verfolgen.

Auch der öffentliche Verkehr in der belgischen Hauptstadt wurde wieder voll aufgenommen. Die Metro, die nach den Attentaten zunächst nicht mehr fuhr, hält seit Montag wieder den gewohnten Fahrplan ein.

«We are strong, we are united, we are Belgium»

Trotzdem ist es nicht leicht, die Anschläge des 22. März zu vergessen, wenn man die Metro in Maelbeek nimmt. Die Polizei- und Militärpräsenz ist unübersehbar, vor allem am Tag der Wiedereröffnung. Vor der Station sind immer noch Blumen zu sehen, die nach den Attentaten niedergelegt wurden.

In der Station wurde eine Tafel angebracht, auf der viele ihre Solidaritätsbekundungen für die Opfer und die belgische Gesellschaft hinterlassen. Hier kann man lesen „Kümmert euch um das Leben, das euch umgibt“, „We are strong, we are united, we are Belgium“, „Je suis Bruxelles“. Ein Hilfsdienst für die Opfer schreibt: „Das Herz der Menschlichkeit schlägt hier“. Die Tafel wurde gut sichtbar positioniert, damit alle sie sehen können. „Ich habe alles gelesen, habe alles gesehen und am meisten getroffen hat mich die Botschaft „Die Liebe siegt“. Das glaube ich auch“ sagt Tomaso, ein Praktikant, der in diesem Viertel arbeitet.

Obwohl der Verkehr gegen 8 Uhr dichter wird, scheint es, als gäbe es weniger Gedränge als sonst. Die Wiedereröffnung wurde nicht viel beworben, vielleicht auch aus Sicherheitsgründen. Tomaso vertraut uns an: „Ich bin ein bisschen überrascht, ich hatte vergessen, dass sie die Metrostation wieder geöffnet haben.“ Andererseits ist auch die Besorgnis weiterhin ein stetiger Begleiter. „Ich glaube, dass viele an der Station Arts-Loi aussteigen (der nächsten Station auf der gleichen Linie wie Maelbeek, A.d.R.). Ich habe auch gezögert, in Maelbeek auszusteigen, weil es schon ein mulmiges gefühl ist, das alles wiederzusehen“, sagt uns Céline am Ausgang der Metro.

Es gibt aber auch Neugierige, die extra für diesen Tag gekommen sind. So zum Beispiel die angehende Hebamme Solène: „Ich bin gekommen, um zu gedenken. Ich habe eine Blume niedergelegt und ein paar Worte in Solidarität mit den Familien, den Opfern, den Überlebenden geschrieben. Ich glaube, dass viele Menschen wie ich einzig gekommen sind, um den Menschen Aufmerksamkeit zu schenken.“

„Man darf nicht darüber nachdenken, das Leben geht weiter“

Die Stimmung unter den Pendlern war bewegt, aber gleichzeitig pragmatisch. Pietro, ein pensionierter Übersetzer für die Europäische Kommission, denkt „an alles, was passiert ist, an die Blumen, die hier gelassen wurden, was ich schon gesehen habe. Ich hoffe, dass das nicht wieder passiert“, sagt er. „Es läuft einem kalt den Rücken herunter und da ist immer noch dieses Gefühl der Traurigkeit. Deshalb habe ich heute einen Schritt zugelegt, um diesen Ort so schnell wie möglich hinter mir zu lassen“, fügt Vanessa, Beamte in der EU-Kommission, hinzu.

Auf der anderen Seite blickt man aber auch nach vorn. Der Großteil der Menschen, die aus der Metro aussteigen, sieht nicht besonders berührt oder überrascht aus. Jeder eilt an seinen Arbeitsplatz. Und die wenigen Menschen, die ihre Meinung äußern, geben sich pragmatisch, so wie Patrick: „Es ist ein bisschen komisch, aber man darf nicht darüber nachdenken, das Leben geht weiter.“

Nach den Ereignissen der letzten Wochen hebt die Wiedereröffnung der Station sich kaum vom Hintergrundrauschen des Alltags ab. Auch wenn die Attentate noch für einige Zeit in Maelbeek präsent bleiben, werden sie den Alltag der Brüsseler wahrscheinlich nicht beeinflussen. Für die Fahrgäste in Maelbeek ist die Polizeipräsenz nicht sehr überraschend, sondern ein normaler Bestandteil des europäischen Viertels. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Leben in Brüssel also in den nächsten Wochen wieder in geregelten Bahnen laufen.

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Ich bin ein Brüsseler: Dieser Artikel wurde von unserem Lokalteam cafébabel Brüssel veröffentlicht.