Mach mir keine Fisimatenten!

Artikel veröffentlicht am 24. September 2008
Artikel veröffentlicht am 24. September 2008
Charmeoffensive der Franzosen in Deutschland und irische Hafenarbeiter in Spanien: Welche Worte Europäer an Ort und Stelle gelassen haben.

„Um Himmels Willen, ich muss innerhalb von 10 Minuten einen Artikel schreiben! Jurrio, jurrio©Jesus(in etwa: Hurtig, hurtig!), echauffiert sich ein junger Spanier aus Malaga. Seine Vorfahren haben sich das „Hurry up“ der englischen Touristenlegionen abgehört, die die spanische Costa del Sol belagerten. Hafenstädte in Europa waren schon immer hybride Sprachfabriken, wo sich Handelsleute mit den wenigen Sprachbrocken, die sie beherrschten, verständigen mussten.

Und auch das im Süden Spaniens gelegene Cádiz vereinte im 19. Jahrhundert über 138 verschiedene Nationalitäten. Einer der wichtigsten Hafenaufseher war damals ein knurriger Ire, der recht ungeduldig mit seinen Arbeitern war und sie mit einem eifrigen „Look and do it!“ (in etwa: 'Sieh zu, dass Du Deine Arbeit erledigst') ermahnte. Bis heute sagen die Bewohner von Cádiz, denen der irische Akzent höchstwahrscheinlich spanisch vorkam estar al likindoy©Jesus(von Look and do it), wenn in einer Situation gewissenhaft gehandelt werden soll.

Üblicherweise waren es arme, aber sehr schlaue Menschen, die Sprachbarrieren und Gerissenheit so kombinierten, dass am Ende eine Mischform entstand, die alle verstanden. So in etwa muss es sich auch mit den Schuhputzern in Italien zugetragen haben, die in der Nähe der Kneipen lungerten, wo sich die Schiffsmannschaften niederließen. In Neapel - ein weiterer mythischer Hafen Europas - waren sie für ihr berühmtes Sciuscià©Adrianobekannt, ein Wort, das auf das englische „shoe shine“ (glänzende Schuhe) zurückgeht. Der Ausdruck wurde später sogar zum Titel eines Filmes von Regisseur Vittorio de Sica.

Im Deutschen sagen Großmütter ihren Enkelinnen in einigen Regionen auch heute noch mit gehobenem Finger „Mädchen, mach mir keine Fisimatenten©Ole“, wenn sie vor Dummheiten warnen wollen. Denn mit dem Spruch „Visitez ma tente“ (Kommen Sie mein Zelt besuchen) versuchten die französischen Soldaten schon zu Napoleons Zeiten, die jungen Fräuleins in ihre Zelte zu locken.