Lost in translation: Tschechien versus Tschetschenien?

Artikel veröffentlicht am 30. April 2013
Artikel veröffentlicht am 30. April 2013
Unser Kontinent ist nicht nur reich an Kulturen, Sprachen, Identitäten und Traditionen, sondern auch an Potential für Verwirrungen. Zu viele Länder mit ähnlichen Namen? Verwechlungsgefahr ick hör dir trapsen.

Vor kurzem sah sich Petr Gandalovič, der tschechische Botschafter in den USA, zu einer Klarstellung gezwungen: Nein, Tschechien sei kein Teil der russischen Föderation, hieß es in seiner Erklärung. Bei der Jagd auf die tschetschenischen Attentäter auf den Boston-Marathon war, insbesondere auf Facebook und Twitter, einiges durcheinander geraten. So manche Amerikaner warnten auf den sozialen Netzwerken vor Reisen nach Prag. Auch Sarah Palin, ultrakonservative Politikerin, die sich in der Tea Party-Bewegung engagiert, sorgte mit einem Interview für Schlagzeilen, in dem sie Tschetschenien und Tschechien verwechselte und erklärte, Prag solle bombardiert werden. Auch wenn sich das Interview bald als ein Witz der Satireseite „The Daily Currant“ herausstellte – dieser Faux Pas wäre Palin, die ihre Russlandkenntnisse durchaus mit der Erklärung rechtfertigt, sie könne Russland von Alaska aus ja schließlich sehen, durchaus zuzutrauen gewesen.

Wie auch immer, die Tschechen haben jedenfalls die Nase voll davon, ständig verwechselt zu werden. Deswegen stellen sie jetzt klar, dass sie weder Tschetschenien, noch die Tschechoslowakei sind – ja, liebe Freunde, wenn ihr das immer noch dachtet, wäre es angebracht, euer verstaubtes geografisches Wissen auf den neusten Stand zu bringen, die Mauer ist gefallen! Tschechien ist unabhängig, hat heute mehr zu sagen als sein slowakischer Bruder und liegt im Herzen Europas. Außerdem ist sein Fußballteam beeindruckend – erinnert ihr euch an Pavel Nedved oder Petr Cech? Genau, das waren Tschechen! Also, keine Verwechslungen, bitte!

Die Tschechen haben es satt, ständig verwechselt zu werden

Europa ist ein kleiner Kontinent mit einer Unmenge an kleinen Staaten, die nicht nur Katalanen wie Pep Guardiola gefallen. Geografische Verwechslungen stehen da auch auf der europäischen Tagesordnung – und das scheint nicht nur für Sarah Palin oder die Stammkundschaft einschlägiger Kneipen normal zu sein. Wer die spanische Sportzeitung Marca aufschlägt, erfährt, dass Real Madrid jetzt einen slowenischen Spieler unter Vertrag genommen hat… oder war er doch slowakisch? Oder estländisch? Findet es heraus!

Wir geben anderen Ländern gerne Namen, auch mit Buchstaben, die in anderen Sprachen nicht existieren. Das spanischeñ“ beispielsweise bereitet dem ABC eines anderen Landes Kopfzerbrechen – keine Frage, die Europäer fühlen sich verloren. Und wenn neue Staaten entstehen, geht der Albtraum für den Durchschnittsbürger weiter. Einigen Spaniern läuft immer noch das Wasser im Munde zusammen, wenn sie Mazedonien hören (Verwechslungsgefahr im Spanischen! Macedonia = Mazedonien, aber auch Obstsalat).

Einigen Spaniern läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn sie Mazedonien hören

Aber glaubt nicht, dass das Durcheinander damit schon vorbei wäre! Die Deutschen beschweren sich, dass sie mit den Niederländern verwechselt werden: „deutsch“ und „dutch“ (englisch für „niederländisch“) klingt für manche Ohren fast gleich. Genauso gab es schon Verwechslungen zwischen der Schweiz und Schweden, die in einigen Sprachen zum Verhören ähnlich klingen – kann schon mal passieren, oder? Kleiner Hinweis: Während die einen Handys, Billigmöbel und Kuchen mit zweifelhaftem Inhalt herstellen, beherbergen die anderen Bankkonten von französischen Haushaltsministern oder deutschen Fußballmanagern.

Denkt also bitte daran, immer einen kleinen Sprachführer auf Reisen mit zu nehmen. Denn selbst wenn wir alle sehr europäisch sind – mit seinem Nachbarn verwechselt werden möchte dann doch niemand.

Karikatur ©Henning Studte