London taumelt

Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2005
Artikel veröffentlicht am 8. Juli 2005

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In weniger als einer Woche gingen die Briten durch die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle: Solidarität bei Live8, Freude über die Olympiaentscheidung für London and Trauer angesichts des Terroranschlags.

Am Donnerstag, den 7. Juli wurde London Zeuge der schlimmsten Grausamkeit auf britischem Boden seit dem Lockerbie-Anschlag 1998, bei dem 270 Menschen ums leben kamen. Dass London Ziel eines terroristischen Anschlags werden würde, war in vieler Hinsicht unvermeidbar. Großbritannien, und besonders London, haben eine lange Geschichte terroristischer Angriffe, vor allem durch die IRA in den 80er und 90er Jahren. Aber was die jüngsten Anschläge von vorausgegangenen unterscheidet ist, dass es keinerlei Vorwarnung gab. Das konnten wir schon in New York, Bali und Madrid beobachten, doch nun ist der Terror Marke Al Kaida auch bei uns angekommen.

Blair ganz oben

Obwohl Tony Blair weit davon entfernt ist, ein perfekter Landesvater zu sein, zeigte seine Reaktion doch, dass er ein hervorragender Staatsmann ist. Vielleicht gewahr der Fehler, die der spanische Premier Aznar nach den Anschlägen in Madrid beging, indem er die baskische Separatistenorganisation ETA beschuldigte, war Blairs Ton angemessen, aber bestimmt, und er blickte so schockiert und betroffen wie jeder britische Bürger – im Gegensatz zu US-Präsident Bush, der nach den Anschlägen vom 11. September und auch jenen von London einem analphabetischen Schimpansen glich, der mit dem Teleprompter ringt. Es wäre den Opfern gegenüber respektlos zu vermuten, dass Blair und seine Regierung versuchen werden, aus den Anschlägen polisches Kapital zu schlagen (tatsächlich, falls Geheimdienstfehler aufgedeckt werden sollten, könnte es den gegenteiligen Effekt haben), doch Blairs Redekunst und seine Entscheidung, nach London zu fahren haben seine Rolle als echter Staatsmann gestärkt und die Briten haben sich das zu Herzen genommen.

Schlecht für Afrika und die EU

Doch die Angriffe hätten zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt für Blair kommen können. Als Gastgeber des G8-Gipfels in Gleneagles und zu Beginn der sechsmonatigen EU-Präsidentschaft Großbritanniens könnten Blairs Projekte, die Entwicklungshilfe für Afrika zu erhöhen, die Schulden zu streichen und die Union zu reformieren unter den Tisch fallen. Die starken Nationen, insbesondere die Vereinigten Staaten, ziehen sich auf Partikularinteressen zurück und konzentrieren sich auf die kriegerische Interpretation des „Kampf gegen den Terror“. Die Auswirkungen der Anschläge könnten weiterhin eine Politik der Furcht fördern, die bereits seit dem 11. September im Aufschwung ist, und die zu weiteren Einschränkungen der Bürgerrechte führen könnte.

Wie tragisch die Anschläge von London auch waren, wir sollten Kurzschlussreaktionen vermeiden. Wenn wir unsere Demokratien aushöhlen, tun wir den Terroristen einen Gefallen. Diese Befriedigung sollten wir ihnen nicht gönnen.