London – bizarr und bunt

Artikel veröffentlicht am 28. August 2005
Artikel veröffentlicht am 28. August 2005

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Im Januar in der Londoner Oxford Street: Ein Ameisenhaufen von Menschen aus allen Enden und Ecken der Welt: Hier fühlt man sich zu Hause.

London ist wie ein Zoo, in dem die städtischen Stämme und die einsamen Außerirdischen mich täglich aufs Neue überraschen. Die U-Bahn wimmelt von Pseudo-Chris-Martins, -Lennons und sogar dem ein oder anderen zerstreuten Mick Jagger. Über der Erde am Oxford Circus brüllt Phil, radikaler Christ, in ein Megaphon, das wir mehr Jesus bräuchten „in our lives“. Oder britische Hare Krishna-Anhänger (die sich nicht von den Jüngern aus dem Rest der Welt unterscheiden, nur dass sie sich in Mäntel einmummen, auf dass sie sich bloß nicht erkälten), die mit ihren Gesängen den Verkäuferinnen im Nike-Shop auf die Nerven gehen. Dann gibt es da noch den “fool of the hill”: jeden Morgen klettert er auf ein Geländer, an eine Ampel gelehnt und den Blick im Horizont verloren. Und ein ganz spezieller Fall sind dann noch die „fashion victims“, die dem Winter trotzen, indem sie mit ihren fast transparenten Sommerkleidern durch die Oxford Street lustwandeln, als kämen sie aus einer anderen Welt.

Das „echte“ London

Doch die Touristenfalle Oxford Circus und seine Umgebung mag amüsant sein, ist aber nicht das wahre London. Tatsächlich mag der Reiz Londons sein, dass keine Gegend für die ganze Stadt repräsentativ ist. Von den teuren Vierteln Notting Hill und South Kensington zum ethnisch durchmischten Brick Lane, von Clapham im Süden nach Camden im Norden, die britische Hauptstadt lässt sich am Besten als eine Ansammlung von Dörfern beschreiben, die alle ihre eigene Persönlichkeit in den Gebäuden, Läden und Leuten reflektieren. Um sich in diesen unterschiedlichen Gegenden zu bewegen packen wir einen Busplan in unser Überlebensset, um die „tube“, die unzuverlässige und teuere U-Bahn zu vermeiden, die regelmäßig stecken bleibt und mit ihrer Unzahl von Gängen und Linien ein wahres Labyrinth ist.

Extreme Höflichkeit

Doch wo man sich auch befinden mag in London, einige Dinge sind überall gleich. Wenn wir Spanier erkältet in eine Apotheke gehen und Arzei für eine „constipation“ verlangen, wird statt des gewünschten Aspirin ein Abführmittel verkauft. Neben gebührender Vorsicht vor solchen linguistischen „falschen Freunden“ ist es zudem angebracht, die grundlegenden Regeln der britischen Etikette zu erlernen. An erster Stelle gilt: Schlange stehen für alles, sogar für das Laufen auf der Straße. Vordrängeln ist nicht angebracht, will man sich nicht das Leben durch Beleidigungen und Ellenbogenstöße zur Hölle machen lassen. Des Weiteren ist es ratsam, sich für alles und nichts zu entschuldigen. Selbst als vollkommen Unschuldiger steht man damit immer gut da, denn Elton John hat sich scheinbar geirrt: „sorry“ ist keineswegs das am schwersten zu sagende Wort, sondern das am meisten grundlos gebrauchte.

Obwohl für seinen Regen bekannt, kommt auch in London ab und an die Sonne raus. Und wenn sie dann abends direkt hinter dem Big Ben untergeht, wirkt es, als ob die tausend Türmchen der Stadt Feuer gefangen hätten. Bei Sonnenschein verwandelt sich London innerhalb weniger Augenblicke: Plötzlich füllen sich die Parks mit Leuten, die es sich auf dem Gras gemütlich machen, und lärmenden rotwangigen Kindern. Die Kälte scheint nebensächlich, das Wesentliche ist draußen zu sein. In solchen Momenten wird deutlich, wie lebendig London ist. Voller Begierde strömen die Menschenmassen aus den grauen und nüchternen, aber imposanten Gebäuden im Zentrum, um einzukaufen, spazieren zu gehen und ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen.

PRAKTISCHE INFORMATIONEN

Sprache:

Jeder spricht Englisch, nicht wahr? Wenn sie eine der „Ausnahmen“ sein sollten, besuchen sie besser einen Sprachkurs, denn es ist unwahrscheinlich, dass sie mit anderen Sprachen weit kommen.

Hochschulen:

Es gibt viele in dieser großen Stadt. Die bekanntesten sind die „London School of Economics“ (LSE) und das „University College London“ (UCL)

Der besondere Ort:

„Asia de Cuba“ (St. Martin’s Lane): Eines der innovativsten Restaurants in London, eingerichtet von Philip Stark, kredenzt kreativste kulinarische Kombinationen.

Machen:

Shoppen. Wenn sie Geld haben, gehen sie in die King’s Road. Anderenfalls versuchen sie’s auf den Märkten in Portobello und Camden.

Bleibenlassen:

Erst um 22 Uhr ins Pub gehen. Sie machen um 23 Uhr dicht, und jeder wird schon betrunken sein.

Unterkunft:

Es wird jedenfall teuer sein, doch wenn man Geld hat, hat man die Wahl. Konzentrieren sie sich auf Viertel wie Clapham oder Islington, die zwar etwas außerhalb des Zentrums liegen, in denen man es aber sehr gut aushalten kann. An den schwarzen Brettern der Unis finden sich WG-Angebote – dass sie es sich leisten können, allein zu wohnen ist eher unwahrscheinlich.