Libyen-Krieg ohne deutsche Soldaten: Uno geht gegen Gaddafi vor

Artikel veröffentlicht am 18. März 2011
Artikel veröffentlicht am 18. März 2011

SOS: Dieser Artikel wurde weder von einem Editor überarbeitet noch in einer Gruppe veröffentlicht.

Der UN-Sicherheitsrat hat am Donnerstag ein Flugverbot über Libyen und weitere militärische Maßnahmen beschlossen. Der Einsatz ist richtig, kommt aber zu spät, meinen einige Kommentatoren. Andere warnen vor den Unwägbarkeiten dieser Intervention.

El Periódico de Catalunya: Gefühl beendet, dass die Katastrophe in Japan das wilde Morden in Libyen überschattet; Spanien

Die Einrichtung einer Flugverbotszone war noch das Mindeste, was von der internationalen Gemeinschaft zu erwarten war, zeigt sich die linksliberale Tageszeitung El Periódico de Catalunya erleichtert: "Die gestern Abend vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete Resolution hat das Gefühl beendet, dass die Katastrophe in Japan das wilde Morden in Libyen überschattet und Oberst Gaddafi bis zum letzten Mann straflos gegen die Opposition vorgehen konnte. [...] Die verabschiedete Resolution ermächtigt die internationale Staatengemeinschaft dazu, jeglichen Versuch des libyschen Diktators zu unterbinden, weiterhin Bomben aus der Luft abzuwerfen. Gleichzeitig verpflichtet sie sich dazu, die Zivilbevölkerung zu schützen, sofern es in ihrer Macht steht, ohne das Territorium zu besetzen. Es ist das Mindeste, was von den großen Mächten zu erwarten war, um das Schlachten zu beenden. Vor allem, da auch die Arabische Liga die Uno um die Sperrung des Luftraums gebeten hatte." (Artikel vom 18.03.2011)

Rzeczpospolita: Westen wird darüber nachdenken müssen, warum wir kein neues Ruanda oder Bosnien verhindert haben; Polen

Die Entscheidung des UN-Sicherheitsrats, ein Flugverbot über Libyen zu verhängen, kommt laut der konservativen Tageszeitung Rzeczpospolita zu spät, denn der Diktator Muammar al-Gaddafi hat die Kontrolle über das Land längst wieder zurückgewonnen: "Morgen oder in einer Woche könnte es in [der Rebellenhochburg] Bengasi ein Blutbad geben. Und der Westen wird darüber nachdenken müssen, warum wir kein neues Ruanda oder Bosnien verhindert haben. Es werden erschütternde Filme und Bücher über die Revolution entstehen, die vom Diktator niedergeschlagen worden ist. Das ist leider das wahrscheinliche Szenario für Libyen. Die Revolutionäre, die den gesamten Osten des Landes und viele Ortschaften im Westen von der Herrschaft Muammar al-Gaddafis befreit haben, werden am Ende doch verlieren." (Artikel vom 18.03.2011)

Die Welt: Als Bremser der aktionsbereiteren Amerikaner, Franzosen und Briten hat sich dabei in schändlicher Weise Deutschland hervorgetan; Deutschland

Dass die Uno erst jetzt eine Flugverbotszone genehmigt hat, könnte sich rächen, meint die konservative Tageszeitung Die Welt und kritisiert besonders Berlin: "Als Bremser der aktionsbereiteren Amerikaner, Franzosen und Briten hat sich dabei in schändlicher Weise Deutschland hervorgetan. [...] Was aber werden Merkel und Westerwelle tun, wenn Gaddafi an der Macht bleibt? Ihre Beziehungen zu dem vor aller Welt entblößten Mörderregime wieder 'normalisieren'? Höhnisch und mit frisch aufgewärmter 'antiimperialistischer' Rhetorik drohen Gaddafi und sein Sohn Saif dem Westen bereits Vergeltung an - und gönnen sich, peinlich für Berlin, die Süffisanz, Deutschland 'großmütig' von diesen Tiraden auszunehmen. [...] Vor allem die deutsche Position markiert einen Rückfall auf den Bewusstseinsstand von 1992, als man einen frühzeitigen Eingriff auf dem Balkan scheute wie der Teufel das Weihwasser. Später musste das Versäumte durch zwei massive militärische Interventionen nachgeholt werden."

(Artikel vom 18.03.2011)

De Standaard: Gefährlicher Plan B: Doch noch Bodentruppen schicken?; Belgien

Die Entscheidung des UN-Sicherheitsrats für eine Flugverbotszone über Libyen ist gut, kann aber gefährlich werden, meint die Tageszeitung De Standaard: "Seit dem Irak-Krieg wissen wir, dass ein Krieg vom ersten Tag an unvorhersehbar ist. [...] Dies ist keine Invasion, aber wie das Beispiel Kosovo 1999 gezeigt hat, kann es lange dauern, bevor ein Diktator vor Luftangriffen in die Knie geht - und im Vergleich zu Gaddafi war [der serbische Präsident] Slobodan Milošević ein sehr rationaler Mann. Dies kann ein langer Krieg werden. Es kommen viele Fragen bei der Einmischung in einen Bürgerkrieg auf. Wenn - im besten Fall - die militärische Offensive von Gaddafi zum Stillstand gebracht werden kann, was tun wir dann? Weiter über Libyen fliegen? Die Aufständischen bewaffnen? Was ist der Plan B, wenn dieses Szenario scheitert und die Flugverbotszone Gaddafi und seine Armee nicht dazu bringt, sich zu bessern? Doch noch Bodentruppen schicken?"

(Artikel vom 18.03.2011)

28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschau. Die euro|topics-Presseschau zeigt, welche Themen Europa bewegen und spiegelt die Vielfalt an Meinungen, Ideen und Stimmungen wider.

Foto: (cc)شبكة برق | B.R.Q/flickr