LGBT-Rechte: die Top 5 in Europa

Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2011
Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2011
Ob nun homosexuell oder lesbisch, bisexuell, transgender oder einfach nur schwulenfreundlich, sie gehen auf die Straße, um das Recht auf Respekt zu fordern. Von Mai bis August mobilisieren Gay Prides mit Musik und Farbe hunderttausende Bürger. Der passende Anlass für cafebabel.com, eine Bilanz der Rechte sexueller Minderheiten in Europa zu ziehen. Hier die Top 5.

Lest auch den Artikel über die Flop 5 der europäischen Länder in puncto LGBT-Rechte!

1) Großbritannien: God Save the Queer!

Der Sänger führt eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft – und profitiert damit von einem Gesetz aus dem Jahr 2005 Das Land von Your Majesty landet auf dem ersten Platz unseres Rankings. Das mag überraschen, wenn man bedenkt, dass ein Gesetz aus dem Jahr 2005 gleichgeschlechtlichen Paaren zwar eine eingetragene Partnerschaft erlaubt – wovon der Sänger Elton John als einer der ersten profitierte – aber keine Ehe. Generell dürfen homosexuelle Paare auf der Insel nun Kinder haben und/oder aufziehen. Doch Großbritannien unterscheidet sich von anderen Ländern durch seinen besseren Schutz von Transgender-Personen gegen Diskriminierung. So müssen diese keine operative Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen, um anerkannt zu werden (müssen sich aber, falls nötig, von ihrem Ehepartner scheiden lassen).

2) Schweden: Es lebe das Ja-Wort vor Gott!

In Schweden dürfen homosexuelle Paare in der Kirche heiraten Schweden erlaubt nicht nur gleichgeschlechtliche Ehen und Elternschaften, sondern verbietet auch verfassungsrechtlich – als eines der wenigen Länder (neben Portugal und dem Kosovo) – Diskriminierung wegen Homosexualität. Darüber hinaus erlaubt die schwedische Gesetzgebung Homosexuellen eine religiöse Ehe. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen also in der Kirche heiraten – eine Tatsache, die von der schwedischen lutherischen Kirche sogar begrüßt wird. Einziges Manko im hohen Norden: Eine bessere Berücksichtigung der Rechte von Transgender-Personen würde aus Schweden ein noch glänzenderes Vorbild machen.

3) Spanien: Adiós, religiöser Konservatismus!

Im föderalen Spanien ging die Stärkung der LGBT-Rechte von den Regionalregierungen aus, in denen der Katholizismus nach wie vor eine politische und soziale Kraft ist. 2005 genehmigte die sozialistische Regierung von José Luis Zapatero gleichgeschlechtlichen Paaren schließlich Ehe und Adoption – trotz der Proteste des spanischen Familienforums, das von Bischöfen und anderen konservativen katholischen Lobbys unterstützt wurde. In den drei Jahren nach der Legalisierung wurden 15 000 Hochzeiten gefeiert. Künstliche Befruchtung ist in Spanien möglich, jedoch nur in Privatkliniken. Was den Iberen noch fehlt ist ein stärkerer Einsatz für die Rechte Transsexueller.

4 und 5) Belgien und Niederlande: zwischen Recht und Wirklichkeit

Die Niederlande waren 2001 das erste europäische Land, das die Eheschließung sowie die dazugehörigen Rechte für gleichgeschlechtliche Paare genehmigte. In Belgien geschah dies in zwei Stufen: 2003 wurde gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe erlaubt, drei Jahre später auch die Adoption von Kindern.

Doch eine solche Situation ist ungewöhnlich in Belgien, wo homosexuelle Paare Mühe haben, Kinder zu adoptieren Dennoch ist die konkrete Situation in den beiden Ländern alles andere als perfekt. Europäische Lesben, vor allem französische, haben zwar das Recht auf künstliche Befruchtung, doch Statistiken zeigen, dass sich die Anzahl von Adoptionen durch lesbische Paare in Belgien an einer Hand abzählen lässt. Und Frauen sind nicht die einzigen, die vom Kinderwunsch betroffen sind. Samuels Geschichte hat das Land ebenso wie die homosexuelle Gemeinschaft in der ganzen Welt bewegt: Das Kind, das in der Ukraine geboren und dank Leihmutterschaft geboren wurde, wuchs in einem Waisenhaus auf (ist es das, was wir als „das Wohl des Kindes“ bezeichnen?), während sein leiblicher Vater und dessen Partner einen juristischen Kampf um sein Sorgerecht führten.

Auch in den Niederlanden ist nicht alles rosig. Homosexuelle Ehen sind zwar seit zehn Jahren erlaubt und enden statistisch gesehen dreimal seltener in einer Scheidung als heterosexuelle Ehen, aber dennoch zählt man zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren doppelt so viele Ehen wie zivilrechtliche Verträge, da erstere Formel als einfacher betrachtet wird, während sie die gleichen Rechte bietet.

Zum Abschluss sei daran erinnert, dass die rechtliche Situation nicht der einzige Indikator für die Akzeptanz von Homosexualität ist. Obwohl in Ungarn eheähnliche Gemeinschaften seit 2009 erlaubt sind und in Kroatien die Diskriminierung von LGBT-Vertretern verboten ist, wurden die jüngsten Gay Prides von rechtsradikalen Aktivisten gestört. Die hiesige Schwulenszene bleibt nach wie vor im Verborgenen.

Diese Top 5 wurden auf Grundlage der Rangliste der NGO ILGA-Europa (International Lesbian and Homosexuell Association) anlässlich des Internationalen Tages für den Kampf gegen Homophobie (IDAHO) zusammengestellt.

Fotos : Homepage (cc)bdebaca/Flickr; Lesbische Hochzeit (cc)Mike Licht/Flickr; Schwule Adoption (cc)Habibi 81/Flikr