Leben in Slums: Bangkok und Nairobi

Artikel veröffentlicht am 16. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 16. November 2007

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Ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Slums, 6 Prozent davon in 'entwickelten' Ländern.

Wir befinden uns auf halber Strecke der UN-Entwicklungsziele von 2000. Bis 2015 sollte gemäß dem UN-Millennium-Programm die Anzahl der Armen weltweit halbiert werden.

Laut dem UN Human Settlements Programme (UN Habitat) hat Afrika mit 72 Prozent die höchste Zahl an Slumbewohnern, gefolgt von Asien (57 Prozent) und Lateinamerika mit 31 Prozent. Die Elendsviertel von Bangkok und Nairobi stehen stellvertretend für eine charakteristische Eigenart geschäftiger Städte in Entwicklungsländern.

Slums in Bangkok

10 Prozent der Stadtbevölkerung Bangkoks lebt in Slums. Im UNDP Human Development Index (HDI) von 2006 rangiert Thailand auf Rang 74 von 177, hinter Albanien und vor der Ukraine.

Viele Familien verlassen ihre Heimatdörfer, um in Bangkok ein neues und besseres Leben zu beginnen. Sie landen meist in Barackensiedlungen. Die notdürftigen Behausungen werden aus den Materialien zusammengebaut die gerade verfügbar sind. Sie haben keinen Zugang zu fließendem Wasser, Elektrizität und Müllabfuhr. Während des Monsuns breitet sich das Dengue-Fieber rasant schnell aus und Feuerrisiken sowie Räumungsbefehle tragen zur allgemeinen Verunsicherung bei.

Viele Slumbewohner leben in den Provinzen außerhalb Bangkoks und kommen nur während der Trockenperiode in die Hauptstadt, um auf den Feldern zu arbeiten. "Diese Mobilität verhindert es, eine Gemeinschaft zwischen den Bewohnern aufzubauen, weil einige Familien nicht - wie wir - für immer bleiben", sagt ein Slumbewohner. "Dies ließ zudem einige Entwicklungsprojekte aufgrund mangelnder Organisation scheitern", fügt er hinzu.

Das Bann Mankong-Programm der thailändischen Regierung verspricht mehr Erfolg. Auf der Ban Khem-Mülldeponie in Downtown Bangkok können Slumbewohner ihre wiederverwendbaren Abfallprodukte weiterverkaufen. Dies erlaubt den Armen, sich zu resozialisieren. Allerdings setzt dieses Programm eine gemeinschaftliche Organisation und regelmäßige Treffen voraus: kein Kinderspiel für Menschen, die in extremer Armut leben.

Der Korogocho-Slum in Nairobi

Korogocho ist der drittgrößte Slum und laut UN Habitat einer von insgesamt 199 Elendsvierteln in Kenia. In der Sprache des Volkes der Kikuyu, die drittgrößte ethnische Gruppe Kenias, bedeutet Korogocho "Durcheinander". Circa 120.000 Menschen mit 30 verschiedenen ethnischen Hintergründen leben auf einem einzigen Quadratkilometer.

Illegale Flüchtlinge, Migranten aus ländlichen Regionen und Vertriebene leben in den notbedürftigen Blech- und Lehmbuden. 35 Prozent der Menschen haben Aids, 70 Prozent sind unter 30 und 60 Prozent der Frauen sind Kindmütter. Korogocho bietet weder fließendes Wasser, Elektrizität, Infrastruktur, Arbeit oder Schulen, noch Hygiene und soziale Treffpunkte. Der Slum grenzt an die Mülldeponie Dandora, eine der größten Mülldeponien Afrikas, die schon 2001 seine volle Kapazität erreichte.

Recycling und Resozialisierung

Recycling ist ein lohnendes Geschäft in den Elendsvierteln. Meist ist dieses Geschäft in den Händen von sogenannten „Lumpensammlern“, lokalen, kriminellen Gruppen.

"Seit Jahren atmen die Menschen, die Abfallprodukte der gesamten Stadt einsammeln, täglich Dioxin-Dünste ein", sagt Pfarrer Daniele Moschetti von den Comboni-Missionaren. Seit 1983 versuchte die Gruppe um Moschetti das Leben in den Slums zu verbessern. Neben Projekten zur Verbesserung der Hygienebedingungen läuft ein Entwicklungsprojekt, das den Müll von Hotels, Botschaften, Flughäfen und Einkaufzentren recycelt.

Inmitten der Elendsviertel schnüffeln Kinder an Klebstoff, es wird illegal chang’aa (billiges Alkoholdestillat aus Mais oder Hirse gebrannt), die Arbeitslosigkeit ist hoch, Menschen sterben an Tuberkulose, Malaria, Typhus und Aids. Medizin ist teuer und schwer zu beschaffen. Aber es gibt Hoffnung. Ungefähr vierzig frühere Lumpensammler arbeiten heute erfolgreich für die Recycling-Initiative "Mukuru Recycling Centre" (MRC). Im Boma Rescu-Kinderheim verwerten ungefähr 100 Straßenkinder den Müll weiter. An der St. John Informal School in Kibiko gibt es ein Drogen–Rehabilitationszentrum. Der Fabrikmarkt Bega Kwa Bega wird von Slumbewohnerinnen geführt.

Statistiken aus den Herkunftsländern der Autoren

Frankreich:

- Armutsrate: 12,1 Prozent (2007); 260.000 Menschen mehr als 2006

Italien:

- 11,1 Prozent der italienischen Familien leben in ärmlichen Verhältnissen (ISTAT, 2006)

Homepage und Titelfoto: Korogocho Bewohner (TS), Inbox-Foto: Ban Khem Müllhalde in Bangkok (HB), Inbox-Video (TS/ Youtube)