Le domaine perdu ( Das verlorene Buch)

Artikel veröffentlicht am 7. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 7. November 2007
Frankreich, Spaien, Italien, Rumänien / 2004 : Raúl Ruiz Drehbuch und Regie : Ion Marionescu Fotografíe : François Cluzet / Grégoire Colin / Christian Colin / Julie Delarme / Robert Florentin Ilie / Laurence Cordier / Julien Honoré / Marianne Denicourt / Edith Scob Darsteller Das “verdrehte Kino” von Raúl Ruiz Wird das verlorene Buch, das vermeintlich zentrale Element des Films, letztendlich der
Betrachter dieses Films von Ruiz sein? Keine Ahnung. Das von einer englischen Kritik vor 30 Jahren als „Cine tuerto“ (einäugiges Kino) des chilenischen Regisseurs (der bekannteste unter den unbekannten) bezeichnet wurde, entzieht sich jeglicher Interpretation und nie, so scheint es, in gerader Linie. Ruiz liebt die Kurven, die Federn, die Wendungen, den „anderen Blick“. Sein Kino ist schwierig und vielleicht gerade deswegen faszinierend. Dies ist wegen der Entledigung der Konventionen eine Herausforderung für den Betrachter, die er annehmen muss, bevor er diese Filme schaut. Eine Ode an die kreative Freiheit, an den Humor und an die Ironie. Domènec Font, katalanischer Filmkritiker und Professor an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona, bezog sich in seinem Seminar auf Ruiz und parallel zu den Veranstaltungen des Filmfestivals in Sevilla sprach er von dessen Kino, vor allem über seine „condición rizomático“ (Zwang zur Rundung), über Biegung und Abwege, was von Ast zu Ast zum Baum übergeht und was schwer zu verstehen ist. Aus diesem Grund wir es manchmal inkongruent und absurd gefunden a la Ionesco oder a la Beckett. Das Zweideutige, die Träume, das Unbewusste, aber auch der kinematische Meta-Diskurs (Meta-Sprache in Beckett) sind die im Großen und Ganzen ständig wiederkehrenden Themen in seiner enormen Filmographie. Kafka, Stevenson und Borges dienen Raúl Ruiz als Quelle der Inspiration. Für D.Font ist er der Große Cineast für andere „der große Lügner“. Der Ilusionist, der die sozialen Wahrheiten aufdeckt um sie in anderer Weise weiter zu verwenden. Das Ganze eingebettet in einer barocken Rhetorik mit einem Spiegelspiel, wo man die Beziehungen zwischen den Menschen nicht genau erkennt, seine Grundregel, Leben oder Tod, sein Raum und seine Zeit. Ein verrücktes Universum für chaotische Gemüter, aber mit einer besonderen, latenten Ordnung. So, wie vermutlich seine.

Le_domaine_perdu.jpgConcha Hierro del Hoyo

Übersetzt von

Björn Gillmann