L’Association: Hartnäckig und unbeugsam

Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2007
Artikel veröffentlicht am 25. Januar 2007

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Beim unabhängigen Pariser Comic-Verlag „L’Association“ haben die Autoren das letzte Wort. Vor sechs Jahren feierte er mit Marjane Satrapis „Persepolis“ einen Welterfolg.

Im Frühjar 1990 tun sich sieben Freischärler der französischen Comic-Szene zusammen und gründen den Verlag „L’Association“. Sie verfügen über einige Erfahrungen mit Fanmagazinen und in der Zusammenarbeit mit Nischenverlagen. Der Name ist Programm: „Association“ heißt auf Deutsch „Verein“. Ihre erste Comicreihe nennen sie „Eperluette“, was auf das Zeichen „&“ verweist.

Schnittlauch und Pflaumen

Sechzehn Jahre später hat sich der Optimismus der Gründer bewahrheitet. Sie wundern sich heute immer noch darüber, dass sie nun ein Büro und acht Angestellte bezahlen können. Mittlerweile bietet ihr Verlag über 30 Titel, beim Durchblättern des Katalogs stößt man auf bekannte Autoren, Zeichner und Drehbuchautoren. Originelle Comics finden sich darunter, die man schon jetzt als Klassiker bezeichnen kann, und eine Reihe im Roman-Format, die auf den Namen Ciboulette („Schnittlauch“) hört.

Mit dem vierbändigen Welterfolg „Persepolis“ der Zeichnerin Marjane Satrapi landete l’Association einen Bestseller. Der unabhängige Verlag bezeichnet das gerne selbstironisch als „Skandal“. Das Buch spülte viel Geld in die Kassen und brachte den Verlegern die Achtung der Szene ein.

Beim renommierten Comic-Festival im französischen Angoulême wurde die aus dem Iran stammende Satrapi 2001 zur besten Autorin gekürt, vier Jahre später wurde ihr Poulet aux prunes („Huhn mit Pflaumen“) zum besten Comic-Album gewählt. Lewis Trondheim wurde in diesem Jahr der Jury-Vorsitz des Festivals übertragen. Trondheim zählt zu den Gründungsvätern des Hauses, das er inzwischen jedoch verlassen hat.

Nicht auf Rosen gebettet

Ist die Avantgarde endlich im Mainstream angekommen? „Wir können uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen“ gibt L’Association zurück, weil „dies nie wirklich unserer Art und unserer Tradition entsprochen hat“. So steht es im Vorwort des neuesten Katalogs. In einer anderen Veröffentlichung des Verlags liest man auch, dass die Opulenz des Marktes, der Hochglanzcomics, graphischen Romane, Mangas und Spartenmagazinen trügerisch sei:

„Für den Comic bricht eine Zeit der Verwirrung an. Wenn wir nicht entschieden dagegen ankämpfen, werden die Innovationen aus 15 Jahren Unabhängigkeit durch Regale billiger Ersatzprodukte ohne Seele und Geschmack, ohne Respekt vor dem Autor und dem Leser ersetzt werden. In Zeiten der Überproduktion, der Austauschbarkeit und der oftmals illoyalen Konkurrenz, ist es nicht das Ziel der Association, sich diesen Formen anzupassen.“

Auf Hartnäckigkeit und Unbeugsamkeit kommt es also an. Diese Worte sind nicht in den Wind geschrieben. Sie stammen von Jean-Christophe Menu, einer der Säulen des Kollektivs, und er scheint sie gerne zu verwenden. Die Teilnahme in Angoulême hat er dieses Jahr abgesagt, an einem Interview ist er nicht interessiert, man muss sich seine Zitate aus Veröffentlichungen des Verlags zusammenklauben. „L’Eprouvette braucht keinen Artikel, nirgends. Danke.“

2005 hat Menu Plate-bandes („Beete“) veröffentlicht und stieß damit einige vor den Kopf. Es sei zu einfach, nur den Erfolg der Association mit schlechten Comics kopieren zu wollen. „Wir sind an den Punkt gelangt, wo niemand etwas anderes veröffentlichen kann, als das, was wir als Autoren wirklich wollen“.

Beliebigkeit und Durchhaltevermögen

Die 80er Jahre waren geprägt von Standard-Comicalben: 48 Seiten, Hardcover, in Farbe. Die Produktion war billiger und gefiel Kindern. Anfang der 90er favorisierte L’Association dann als aufstrebender Verlag andere Formen, setzte den broschierten Schwarz-Weiß-Druck durch. Das Format war kleiner, die Seitenzahl beliebig.

Von Casterman bis Humanoïdes Associés: Der Verlag wurde oft kopiert, aber nie erreicht. Die Autoren der Association können zeichnen, aber sie haben auch viel zu sagen. Sie schreiben Tagebücher, aktuelle Essais, ironisch und manchmal auch hart. „Es sind lauter Bücher, die sonst nicht oder unter anderen Bedingungen erschienen wären“. Darunter finden sich Übersetzungen, Neuauflagen, Originalitäten. „Wir glauben nicht, dass niedrige Verkaufszahlen ein Misserfolg sind, wir bereuen sehr wenig“, verteidigt Jean-Christophe Menu. Er erinnert daran, dass L’Association eine No-Profit-Organisation ist, die von den Mitgliedern getragen wird.

Marjane Satrapi bestätigte diese Verlagspolitik in einem Interview mit einem Toulouser Radio, kurz bevor sie mit der Arbeit an der Kinofassung ihres Comics „Persepolis“ begann. „Es sind Dinge, die in der heutigen Welt rar geworden sind. Ich glaube fest an unabhängige Verlage und ich bin der lebende Beweis, dass man auch bei den Unabhängigen reich und berühmt werden kann, ohne noch woanders zu publizieren. Ich glaube, dass Autor und Verleger dort sehr eng verbunden sind. Man macht die Arbeit zu zweit. Die Verleger der Association sind sich selbst treu geblieben, das darf man nicht vergessen“.