Lahmgelegt! Generalstreik in Griechenland

Artikel veröffentlicht am 24. Februar 2010
Artikel veröffentlicht am 24. Februar 2010
Mit einem Generalstreik reagieren die großen Gewerkschaften in Griechenland am heutigen Mittwoch auf die drastischen Sparpläne der Regierung. Kommentatoren kritisieren den Streik, der auch auf andere europäische Länder übergreifen könnte.

Kathimerini: „Mögliche Diffamierung unseres Landes“; Griechenland

(eurotopics)Der vom griechischen Gewerkschaftsbund GSEE ausgerufene Streik entbehrt jeder Grundlage, findet die konservative Tageszeitung Kathimerini: "Der GSEE streikt heute gegen alle Maßnahmen, mit denen eigentlich 65 Prozent der Bürger einverstanden sind, ohne jedoch irgendeinen Vorschlag zu machen, woher das Geld für die Arbeiter kommen soll, falls die harten Maßnahmen der Regierung nicht umgesetzt werden. [...] Es ist offensichtlich, dass selbst die Gewerkschaftsführung weder an ihre eigenen Verlautbarungen noch an die Notwendigkeit oder die Wirksamkeit des Streiks glaubt. Sie hat diesen Streik angekündigt, weil es ihre Pflicht ist. Der Streik ist nicht an die Arbeiterklasse gerichtet, sondern an die verschiedenen Parteien. [...] Die Kosten des Streiks sind ihr egal. Man denkt dabei weder an den Schaden, der in der Produktion entsteht [...] noch an die Diffamierung unseres Landes gegenüber möglichen Kreditgebern." (Artikel vom 24.02.2010)

Spiegel Online: „Papandreou: Griechenland braucht politische, nicht finanzielle Unterstützung“; Deutschland

Griechenland hat Angst, dass Horrorberichte über ihre Schuldenkrise zu immer strengeren Auflagen aus Brüssel führen könnten, schreibt das Portal Spiegel Online mit Blick auf den Generalstreik: "Vor allem die Privilegierten unter den Staatsdienern sind es, die das Land mit ihren Streiks belasten. [...] Dass ausgerechnet die Berliner Bundesregierung auf einen rigorosen Sparkurs in Athen drängt, ärgert viele Griechen. [...] Premier Papandreou betont, dass Griechenland keine finanzielle, sondern politische Unterstützung von den europäischen Partnern brauche. Nur so könne sein Land verlorenes Vertrauen zurückgewinnen - und damit geringere Zinssätze an den Finanzmärkten erreichen. Und nur so lasse sich die nötige Atempause gewinnen, um die harten Sparprogramme für die Menschen im Land tragbar zu machen." (Artikel vom 24.02.2010) 

2008 ©solinet photos/flickr

Hospodářské noviny: „Ein Churchill würde Europa jetzt gut tun“; Tschechien

Am Dienstag haben die Gewerkschafter in Tschechien angekündigt, am kommenden Montag den öffentlichen Nahverkehr zu bestreiken. Die Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny bemerkt dazu: "Europa rutscht in die zweite Phase der Krise. Für die Politiker ist sie schwerer zu beherrschen als die erste. Es war leichter, Geld in die Banken zu pumpen und der Enkelgeneration Schulden zu hinterlassen. Komplizierter wird es jetzt, die Eltern- und Großelterngeneration zu beruhigen. Für die wird die Suche nach Arbeit immer schwerer, und wenn sie welche hat, dann ist die eher schlecht als gut bezahlt. Den Europäern würde jetzt ein Typ Politiker wie einst Churchill gut tun, der keine Rücksicht auf momentane Stimmungen und Umfragen nimmt und die Richtung klar vorgibt. Nur, wo und wie soll man den finden?"

(Artikel vom 24.02.2010) 

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