Laberbacke Berlusconi

Artikel veröffentlicht am 3. Dezember 2008
Artikel veröffentlicht am 3. Dezember 2008
Politiker, die reden wie Wortmühlen oder Drehorgeln - meistens ohne viel Sinn - sollten sich am besten in die Klatsch-Kiste zurückziehen.

« Obama ist jung, hübsch und gebräunt“, so definierte Silvio Berlusconi vor einigen Wochen den frischgebackenen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama. Der italienische Premierminister ist bekannt für sein loses Mundwerk - Er sagt gerade heraus, was 'die Spucke ihm auf die Zunge bringt' (gadac co ślina na język przyniesie©Marysia), wie die Polen es ausdrücken würden. Und zwar ohne vorher viel nachzudenken. Den Tipp der Franzosen - 'seine Zunge sieben Mal zu drehen, bevor man spricht' (tourner sept fois sa langue dans sa bouche avant de parler©Jane) - hat sich Il Cavaliere nicht wirklich zu Herzen genommen.

In der Politik scheint es ganz allgemein nur so an spanischen parlanchines©Jesús oder italienischen chiaccheroni©Francesca (Plappermäulern) zu wimmeln - und mal ganz abgesehen von Herrn Berlusconi ist die Vielschwätzerei ein der Politik doch sehr verhaftetes Gut. In Spanien sprechen die Herren Politiker reichlich - 'mit den Ellenbogen' (hablar por los codos©Pedro), in Polen wird mit Worten geschwungen, als würde man dafür bezahlt werden (gadac jak najęty©Marysisa). Auch in vielen anderen Ländern Europas gibt sich die Profession nicht wirklich wortkarg. Reden wie ein Wasserfall©Ole tut man in deutschsprachigen Regionen, die Polen ziehen die 'Drehorgel' zum Vergleich heran (gadac jak katarynka©Marysia), während der Franzose aufdringliche Laberbacken mit einer 'Wortmühle' (moulin à paroles©Jane) beschreibt. Englische Plaudertaschen werden mit dem Wort chatterbox©Nabeelah (Klatsch-Kiste) umschrieben, wo sie am besten gleich bleiben sollten, um die Ohren ihrer Zuhörer zu schonen.

Auf der Webseite unseres Cartoonisten Henning Studte stöbern: www.studte-cartoon.de.