Kyoto-Protokoll: Lernen von Chile

Artikel veröffentlicht am 11. April 2005
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Artikel veröffentlicht am 11. April 2005

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Kann das Kyoto-Protokoll den Treibhauseffekt verhindern? Während Emissionsgiganten wie die USA oder Australien erst gar nicht unterschreiben, geht ein Schwellenland wie Chile mit gutem Beispiel voran.

Das Kyoto-Protokoll trat nach achtjährigenVerhandlungen am 16. Februar dieses Jahres in Kraft. Das Abkommen hat seinen Ursprung in der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel und entstand aus der Dringlichkeit, einem Plan zu folgen, der dazu beiträgt den stetigen Temperaturanstieg des Planeten aufzuhalten. Dessen Auswirkungen bekommen vor allem die ärmsten Länder zu spüren, die aber am wenigsten Schuld an dieser Entwicklung tragen. Das Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2008-2012 so weit senken, dass sie durchschnittlich 5,2% unter dem Niveau von 1990 liegen.

Rezepte, um das Unmögliche zu erreichen

Um diese Ziele zu erreichen, können die Länder ihre Emissionen reduzieren oder ihre Verschmutzung ausgleichen, indem sie die Emissionsreduzierung in anderen Teilen der Welt unterstützen. Wenn ein Land mittels der Flexibilitätsmechanismen, wie dem Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (eingerichtet zwischen Entwicklungsländern und den in der Anlage B des Protokolls aufgeführten Ländern mit Emissionsreduktionsverpflichtung) in ein Projekt investiert, wird die erreichte Emissionsreduktion außerhalb seiner Grenzen auf dessen Emissionsziele angerechnet.

Zu den Projekten zur Abschwächung des Klimawandels, die zwischen einem Geber- und einem Empfängerstaat gestartet werden, können folgende Maßnahmen gehören: Innovative Technologien bei Produktionsprozessen in Industrie und Transport, Initiativen zur Energieeffizienz, der Wechsel zu erneuerbaren Energien, Aufforstung, Wiederaufforstung und der Schutz von Wäldern und Pflanzungen. Damit diese Projekte genehmigt werden, müssen sie bestimmte Bedingungen erfüllen, darunter die des „zusätzlichen Nutzens“. Das bedeutet, dass jedes Projekt neben einem ökonomischen auch einen sozialen Nutzen haben und der Umwelt zugute kommen muss. Außerdem muss es darauf abzielen, die Biodiversität zu erhalten und Erosionsprobleme zu vermeiden.

Skepsis und Gegenkräfte

Von verschiedenen Seiten wird die Breitenwirkung des Protokolls in Frage gestellt. Die USA und Australien zum Beispiel, zwei Industrieländer, auf die zusammen ein Drittel der Treibhausgasemissionen entfällt, betrachten es als kontraproduktiv für ihre Wirtschaft und als wenig effektiv. Einige Wissenschaftler glauben auch, dass selbst bei einem Erreichen der gesetzten Ziele die globale Temperaturänderung minimal sein wird. Ein heißes Eisen ist auch die Bestimmung, dass Schwellenländer, wie Indien und China, welche die Atmosphäre hochgradig verschmutzen, nicht zur Emissionsverringerung verpflichtet sind, sowie die Möglichkeit, dass Industrieländer ihre Emissionen ausgleichen können, indem sie „Kohlenstoffeinheiten“ kaufen anstatt den Ausstoß wirksam an der Quelle zu verringern.

Wer will, der kann

Dennoch kann sich dieses Abkommen für die Entwicklungsländer als äußerst nutzbringend herausstellen und eine wirkliche Chance darstellen, um Strukturänderungen voranzubringen, die sich an einem nachhaltigen Wachstum orientieren. Dafür ist Chile ein gutes Beispiel. Es hat schon ein Portfolio von mehr als fünfunddreißig Projekten genehmigt bekommen, im Bereich der Erzeugung von erneuerbaren Energien, dem Umgang mit Abfällen, der Kraft-Wärme-Kopplung, der Nutzung von Biomasse, die Ersetzung von Brennstoffen, dem Transport und der Wiederaufforstung – also in den Sektoren, mit denen das Schicksal des Kyoto-Protokolls verbunden ist.

Im chilenischen Portfolio befinden sich außerdem vier Projekte zur Wiederaufforstung von Kiefern, Eukalyptus und Oliven. Doch hier zeigt sich die Kluft zwischen den Ansprüchen des freien Marktes und der Notwendigkeit von Entwicklung: Da das Land über viel Land verfügt, das für die Wiederaufforstung mit neueingeführten Monokulturen geeignet ist, werden in der Praxis ursprüngliche Wälder abgeholzt, um Platz zu machen für eine wirtschaftliche Nutzung. Eine nachhaltige Nutzung der Waldökosysteme würde ermöglichen, dass sich die ausgelaugten Böden erholen könnten, die Desertifikation unter Kontrolle gebracht, der Wasservorrat geschützt und die Biodiversität erhalten würde. Obwohl es sich vielleicht als wirksamer herausstellen könnte, den Kohlenstoff mittels Pinienanpflanzungen aufzufangen, würde die Option, einheimische Wälder zu bewahren und zu vergrößern, der Bedingung des schon erwähnten „zusätzlichen Nutzens“ entsprechen und gehört damit in das Portfolio mit hinein.