Kulinarische Albträume

Artikel veröffentlicht am 14. August 2009
Artikel veröffentlicht am 14. August 2009
Wenn einer in Europa eine Reise tut, ist er nirgends vor bösen gastronomischen Überraschungen gefeit: Stierschwanz, Kopfpastete, Pilzaufstrich- Herz, was willst du mehr!

chotda/flickr25 % der Engländer packen auf Reisen immer Marmite ein. Doch worum handelt es sich dabei eigentlich? Vielleicht um eine neue Biersorte, ohne die die Engländer nicht überleben können? Frankophone werden sich am Kopf kratzen und fragen: „Warum packen die einen Kochtopf ein?“ Den findet man aber nur auf der Verpackung von Marmite, einem aus Hefe hergestellten Brotaufstrich (bestehend aus mikroskopisch kleinen Pilzen und sehr reich an Vitamin B1), auf den ein Viertel der englischen Bevölkerung keine zwei Wochen lang verzichten kann. Doch Marmite spaltet mit seinem bitteren Geschmack auch die englischen Gaumen, was die Geschäftsleute der seit 1902 bestehenden Marke dazu veranlasst hat, eine witzige Werbekampagne zu entwerfen. Man kann Marmite nur lieben oder hassen, daher lautet der Slogan: „Love it or hate it.“

Man nehme zwei Schreiben Toastbrot, bestreiche sie mit einer Schicht Marmite und einer Schicht Frischkäse und stecke das Ganze in den Mund eines deutschen Freundes, der übers Wochenende angereist ist. Es hängt natürlich von der Höflichkeit des Gastes ab, aber es kann schon vorkommen, dass er plötzlich zu schwitzen anfängt, die Augenbrauen hochzieht und sich weigert zu schlucken: „Oh, what an interessanter Geschmack!“

Stinkkäse mit Knoblauchnote

Doch bleiben wir höflich. In Europa gibt es in allen Ländern Nahrungsmittel, die eine solche Reaktion hervorrufen können. Man sollte sie also im Kopf haben, bevor man sich auf die Reise begibt. Man stelle sich einen Spanier vor, der durch den Osten Frankreichs tourt: In einem Supermarkt in der Franche-Comté findet er einen kleinen Tiegel Cancoillotte: „¿Qué es?“ Flüssiger Käse steht auf dem Etikett. Doch es handelt sich dabei eher um eine Art Camembert zum Streichen mit einer „zarten“ Knoblauchnote. Cancoillotte wird aus entrahmter, saurer Milch hergestellt und könnte jeden Ausländer von den Toten erwecken! Außerdem ist der Käse so flüssig, dass einige Luxemburger (die ihn übrigens auch sehr gerne zum Frühstück genießen) behaupten, sie hätten ihn als Tapetenkleister verwendet.

Schwanz mit Soße

(danerdrocks/flickr)Doch auch in Spanien gibt es in Tapas Bars explosive Rezepte, die Touristen das Weite suchen lassen: Ein Ragout vom rabo de toro, also Stierschwanz in einer Soße gekocht, ist ein typisch andalusisches Gericht. Schaffen es die Köchinnen auch wirklich, alle Haare zu entfernen? Diese Frage könnte man auch den italienischen Gourmets stellen, die dann aber doch lieber den Ochsenschwanz einkochen und das Ganze coda alla vaccinara nennen.

Germanisch-polnische Schweinesülze

Für ein gutes Stück Fleisch sollte man aber in den deutschsprachigen Raum gehen: Dort zerhackt man Schweinsköpfe, um daraus eine Pastete zu machen. Wangen, Schnauze, Ohren, Zunge ... fein säuberlich in kleine Stücke geschnitten, in Essig eingelegt und in Gelee verewigt. In Deutschland und Österreich wird diese Speise Sülze genannt, das Rezept findet man aber in ganz Europa bis hin nach Polen, wo man sogar noch das Schweineblut für die Würstel verwendet. Die Kiszka oder Kaszanka ist mit der deutschen Blutwurst oder der österreichischen Blunzn verwandt. Sie wird am besten mit gekochten Früchten serviert und ist daher vor allem für blutarme Menschen geeignet. Oder wie wäre es mit Darm, der mit einer zarten Mousse aus Schweineblut gefüllt ist, schön angerichtet auf einem Bett aus Bratäpfeln? Besser nicht! Dann doch lieber Marmite!

Geschmorter Ochsenschwanz

Für 5 Personnen:

1 Ochsenschwanz

2 Zwiebeln

1 Knoblauchzehe

½ l Rinderbrühe oder 1 Rinderwürfel

Salz und Pfeffer

Als Beilage:

Kartoffeln

Pilze

Zubereitung:

Zwei Esslöffel Olivenöl in einen Schmortopf geben. Wenn das Öl heißt ist, den Ochsenschwanz von beiden Seiten anbraten lassen. In der Zwischenzeit Zwiebel und Knoblauch schälen. Zwiebel und gepressten Knoblauch hinzugeben und gut umrühren. Salz, Pfeffer und Kräuter der Provence hinzufügen. Rinderbrühe in den Topf geben, so dass alle Fleischstücke bedeckt sind. Deckel auf den Schmortopf setzen und bei kleiner Hitze mindestens 3 Stunden kochen lassen. Kartoffeln schälen und Pilze waschen. Gemüse etwa 20 Minuten vor dem Essen in den Topf geben. Man kann den Ochsenschwanz auch länger schmoren, muss dann aber darauf achten, dass er nicht verbrennt. Wie weiß man, ob das Gericht fertig ist? Das Fleisch muss sich leicht vom Knochen ablösen lassen. Mahlzeit!