Krise in Europa: Wir sind jung und brauchen das Geld

Artikel veröffentlicht am 18. Juli 2011
Artikel veröffentlicht am 18. Juli 2011
« Mister Europe, we need to talk ». Was bleibt der europäischen Jugend heute noch an Visionen, in einer Zeit, in der der einzige Vorschlag eines generationsbezogenen Jaltas wie folgt lautet: „Ein Schuldenberg für die Jungen, Vermögen für die Alten“ ?

Die Jugend von heute darf aktuell eine europäische Führungsetage bewundern, die den künftigen Generationen einen gewaltigen Schuldenberg hinterlassen wird. Und dieser wird momentan weder durch eine Inflationspolitik noch durch monetäre und restrukturierende Maßnahmen vermindert.

Wie soll man sein eigenes Leben in die Hand nehmen, wenn man nicht einmal ein eigenes Dach über dem Kopf hat?

Ob im städtischen Milieu oder im Herzen selbst der europäischen Firmen, Generationen von jungen Europäern werden sich an der Front wiederfinden - allerdings mit immer weniger Munition bewaffnet. In einer Zeit von unbezahlten Praktika und miserabel bezahlten Jobs stellen die jungen Arbeitnehmer der Zukunft nun die Schlüsselfrage: „Wer bezahlt die Schulden von heute und die Investitionen von morgen?“ Warum sind die gleichen jungen Menschen woanders in der Welt Schöpfer von Reichtum und übernehmen nur auf unserem alten Kontinent die Rolle von billigen, austauschbaren Arbeitskräften? Wie soll man sein eigenes Leben in die Hand nehmen, wenn man nicht einmal ein eigenes Dach über dem Kopf hat?

„Die Frage nach der Generationengerechtigkeit muss her“

Jeder Kontinent lebt ausschließlich von seinen eigenen Möglichkeiten in puncto Produktion und Innovation. Die Turbulenzen, welche die Eurozone aktuell aus dem Gleichgewicht bringen, sind nicht nur anhand der leeren Haushaltskassen einer Generation zu erklären. Sie decken besonders die fehlenden Visionen über zukünftige Entwicklungsdynamiken auf.

Diejenigen, die die Revolution des Internets fast vollständig allein gemeistert haben und schon bald einen erstaunenswerten Vorsprung im Bereich digitaler Inhalte aufweisen konnten, sind die Vereinigten Staaten. Viele junge und talentierte Europäer haben in diesem Bereich ihren Beitrag geleistet. Werden wir, momentan noch die Vorreiter im Bereich ökologischen Engagements, auch unsere Führungsposition in der Grünen Revolution an Kontinente abtreten, die mehr Vertrauen in die Zukunft haben?

Im Herzen dieser europäischen Herausforderung muss die Generationsfrage zwei Komponenten berücksichtigen: die der Solidarität und die der Investitionen in die Zukunft. Europa braucht seinen 'Aha-Moment': Es muss mobil gemacht werden und Vermittlungspersonen einsetzen, die sowohl den Senioren als auch den jungen Generationen nahe stehen. Die zeit drängt. Europas Jugend kann sich nicht mittellos in den Kampf gegen den Schuldenberg begeben. Und der Zähler dreht unaufhörlich weiter! Und das, obwohl die notwendige Energie für Neuerungen grundsätzlich da ist.

Wir wollen ein Europa, das der Jugend unter die Arme greift, und zwar genau dort, wo die Nationalstaaten versagt haben. Wir wollen ein Europa, welches endlich den Platz einnimmt, für den es bestimmt ist. Wir wollen ein Europa, welches sich mit den heutigen Notständen auseinandersetzt und ihre Demokratien den Herausforderungen von morgen anpasst.

« Mister Europe, we need you !»- Europäischer Aufruf des Kollektifs www.qui va payer.eu - Koordinierung: H.Lastenouse hl@ferweb.be.

Unterzeichner:

Fabien Chevalier (Sauvons l’Europe); Arthur Colin (Europäische Linke); Arnaud Coomans (Webunternehmer Brüssel); Mamadou Coulibali (Generations Engagées); Diaby Doucoure (OMJA); Enora Hamon (Confédération Etudiante; Studentenföderation Frankreich); Mounia HarKati (Abgeordnete Aubervilliers); Bruno Laforestrie (HipHop Citoyen); Henri Lastenouse (Europatweets); Santiago Malter-Terrada (IT-Manager Brüssel); Cindy Petrieux (Studentenföderation Frankreich); Sandra-Elise Reviriego (Junge linke Radikale Frankreich); Edouard Seynaeve (Café Numérique Brüssel); Benoit Thieulin (Temps Réels); Baki Youssoufou (Confédération Etudiante)

Foto: Homepage (cc)Genius face/flickr