Kreuzritter im Teufelskreis

Artikel veröffentlicht am 7. März 2005
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Artikel veröffentlicht am 7. März 2005

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Staatlicher und nicht-staatlicher Terrorismus hat jahrhundertelang dazu gedient, langwierige und ermüdende politische Formalitäten zu verkürzen - auf Kosten der Demokratie.

Experten und gewöhnliche Bürger in Europa und auf der anderen Seite des großen Teichs behaupten, dass unsere Welt immer unsicherer wird. Das jüngste Manifest mit dem Titel „Ein Pakt zwischen den USA und Europa“, das von fünfzig Experten der Außenpolitik zusammen gestellt wurde, inspirierte den Präsidenten der USA und seine europäischen Gegenüber dazu, ein breiteres Lächeln aufzusetzen und etwas herzlicher vor den Kameras die Hände zu schütteln. Aber zu Hause spielen sie weiterhin ihr Spiel der Drohungen im Kampf gegen alles Aufständische, ein Spiel, das kaum kultivierter ist als die Politik des „Aug um Aug“.

Was steckt in einem Wort?

„Terrorismus“ ist nur ein neues Wort für Praktiken, weit älter als das Alte Testament, das ebenfalls mythische und vielfache Grausamkeiten beschreibt. Die Bedeutung des Wortes ist nicht wirklich klar, da es sich sowohl auf staatliche Politik als auch auf subversive Bewegungen beziehen kann. In der Französischen Revolution zum Beispiel „terrorisierten“ die Jakobiner Verräter aus ihren eigenen Reihen, bevor sie sich auf so genannte Staatsfeinde konzentrierten. Nach dem Verdächtigengesetz von 1793 entstand eine allgemeine Panik innerhalb der Nationalversammlung und die Terrorherrschaft erreichte die Straße. Auf diese Weise wurde Terror als legitimes Mittel zur Verteidigung gegen unpatriotische Mächte benutzt, wie so oft zuvor in der Geschichte. In einem etwas aktuelleren Beispiel führte der Kalte Krieg zur wahrscheinlich wirksamsten Kriegslist, den heimlich unterstützten Terrorismus als Teil eines weltweiten Konflikts zu tarnen.

Terroristen, nun vielmehr nur noch unliebsame Werkzeuge, richteten ihre Waffen, gierig nach Blut und Aufmerksamkeit, gegen ihre ehemaligen Sponsoren. Oder vielmehr gegen Sponsoren innerhalb ihres eigenen Landes. Eben durch diese vom Ausland finanzierten terroristischen Kampagnen wurden Afghanen, Libyer und andere Fanatiker mehr verwestlicht als man ahnen konnte. Die selbst ernannten Religionskrieger ergaben sich kaum wahrnehmbar der Versuchung des verabscheuten Materialismus und Utilitarismus.

Teufelskreis

Aber der Spieß wurde wieder umgedreht. Zum Guten oder zum Schlechten, wir können die Terroristen, die wir unterstützt haben, nicht mehr beeinflussen, geschweige denn mit ihnen streiten. Die westliche Weisheit (Psychotherapie? Rehabilitation?) nützt nichts mehr, wenn es um todesmutige Bombenattentäter geht, die bereit sind als Märtyrer verehrt zu werden. Wir können die Verlockungen, die dem Impuls der Selbstaufopferung eines Kamikazekriegers zugrunde liegen, nicht verstehen, sollten aber darüber nachdenken, ob sich seine (oder ihre!) Verachtung für unseren Lebensstil nicht gefährlich mit unserer eigenen Kritik an ihrem deckt.

Ironischerweise scheinen alle Tänzer in diesem grauenerregendem Ballet ebenso rätselhaft bezüglich ihrer Motive für die Fortsetzung dieses Spektakels von Schwarz gegen Weiß. Es scheint als wären wir nicht bereit, uns an eine Lektion aus unserer Vergangenheit zu erinnern: Die Rüstung eines Kreuzritters zu tragen, bedeutet zuerst, ein Hemd getränkt in rassistischen und religiösen Vorurteilen aus undenklichen Zeiten überzustreifen.