Krakau: Was macht dich glücklich, Nowa Huta?

Artikel veröffentlicht am 8. Januar 2016
Artikel veröffentlicht am 8. Januar 2016

Nowa Huta war die erste Stadt im Nachkriegspolen, die aus Schutt und Asche aus dem Boden gestampft wurde. Der heutige Krakauer Vorort verdankt seinen Namen 'die neuen Stahlwerke' dem Industriekomplex, der im Herzen des Viertels hochgezogen wurde. Später, im Jahr 1951, wurde die Vorstadt Teil von Krakau. Wir fragen die junge Generation von Nowa Huta, welche Veränderungen ihrem Leben gut tun würden.

Agniezka (31): „Ich wäre glücklicher, wenn die Luft in Nowa Huta nicht so verschmutzt wäre. Krakau ist unter den Top 3 der Cities mit der heftigsten Luftverschmutzung in Europa. Ich bin jetzt Mama und es ist nicht gesund für mein Kind, diese Luft zu atmen.“

Nowa Huta wurde als Versuch designt, das utopische Konzept einer idealen Industriestadt umzusetzen.

Michat (34, Freelancer): „Die Regierung hat einen Plan im Kopf, wie 'Nowa Huta in der Zukunft' aussehen soll. Sie wollen eine neue Stadt bauen, während sie für die Stadt, in der wir bereits leben, rein gar nichts tun. Ich wäre glücklich, wenn die Regierung die Dinge im Hier und Jetzt anpacken würde.“

Daria (Kulturmanagerin): „Ich wäre deutlich glücklicher, wenn es mehr Solidarität unter den Menschen geben würde. Ich denke, dass wir sie in der Gesellschaft, in der wir heute leben, immer mehr benötigen.“

Jaroslaw (Schauspieler): „Ich wäre happy, wenn Kulturpolitiken auch für junge Leute zugänglicher wären. Dann würden sie viel freier und kreativer arbeiten können.“

Die Lage von Nowa Huta – in der Nähe des Stadtzentrums von Krakau – ermutigt mehr und mehr junge Familien, dorthin umzuziehen. 

Jazek (Besitzer Klub Kombinator): „Es würde mich glücklich machen, wenn sich Menschen stärker sozial engagieren würden. Die Perspektivlosigkeit und fehlenden Initiativen der Leute gehen mir gegen den Strich.“ 

Karolina (Managerin des Kinos Sfinks): „Mir würde es gut gefallen, wenn mehr amerikanische Independent-Filme im Sfinks laufen würden.“ 

Maria (50, Rollstuhltänzerin): „Es würde vieles leichter machen, wenn ich im Parterre unseres Hauses wohnen könnte. Ich lebe im zweiten Stock eines Apartmentblocks ohne Fahrstuhl. Ja, bessere Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen würden mich glücklicher machen.“ 

Anna (35, Aktivistin): „Ich wäre glücklicher, wenn die Lokalregierung hier mehr darauf achten würde, was die Menschen tatsächlich brauchen und diesbezüglich mehr Maßnahmen anschieben würden. Zudem wäre es hilfreich, wenn der Staat eine stärkere Politik der Inklusion betreiben würde, anstatt rassistische und homophobe Kommentare abzulassen.“ 

Für die Doktrin des 'sozialistischen Realismus' in Polen war auch die Architektur eine extrem wichtige Waffe für die Erschaffer einer neuen sozialen Ordnung. Die Atmosphäre in und um ein Gebäude wurde dabei mehr in den Mittelpunkt gestellt als die grundsätzliche Ästhetik. Architektur musste soziale Ideen zum Ausdruck bringen, ein Gefühl des Fortbestehens und der Macht repräsentieren.

Lukas (Seefahrer): „Ich wäre um Weiten glücklicher, wenn man die Macht der Kirche einschränken würde. Politiker haben die Kirche schon in der Vergangenheit benutzt und sie werden es wieder tun.“

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Dieser Artikel ist Teil unserer Reportagereihe 'EUtoo' 2015 zu 'Europas Enttäuschten', gefördert von der Europäischen Kommission.