Krakau: eine Perle im Ozean des Alkohols?

Artikel veröffentlicht am 21. August 2007
Artikel veröffentlicht am 21. August 2007

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Angezogen vom Ruf der Schönheit polnischer Frauen, der Vielzahl an Kneipen und billigem Bier, feiern Briten immer öfter ihre Junggesellenabschiede in Krakau. Problematisch?

Krakau hat sich in vielen englischsprachigen Medien den Ruf einer "versteckten Perle" erworben. Die ehemalige Hauptstadt Polens besitzt - genau wie Prag vor 15 Jahren - eine (damals noch nicht zerstörte) "Authentizität". Obgleich die polnische Stadt jährlich 400.000 britische Besucher anzieht, bleibt nur ein Bruchteil von ihnen im Gedächtnis der Krakauer: ausgelassen feiernde Briten, die besoffen, grölend und häufig in gewöhnungsbedürftigen Outfits ihren Junggesellenabschied feiern. Obwohl sie eine Menge Geld in Krakau unter die Leute bringen und sich nicht viel zu Schulden kommen lassen, werden sie in Polen nicht gern gesehen.

Zügellos

Statt über die wachsende Popularität ihrer Stadt unter den Briten, reden die Bürger Krakaus vielmehr über die Pest der besoffenen Engländer, "Angoli", wie der Pole sagt. Der 25-jährige Krakauer Dominik Tarabaski schimpft:: "Die meisten Engländer, die ich während meiner nächtlichen Touren in der Stadt treffe, gleichen unseren Vorstadtprolls aus Nowa Huta [Anmerkung der Redaktion: Vorort von Krakau mit hoher Arbeitslosigkeit und schlechtem Ruf]: wie ein Ei dem anderen." Die 24-jährige Aleksandra Ossowska, die für einen kurzen Ferienkurs in Krakau ist, hat schon Bekanntschaft mit einigen Briten geschlossen: "Gestern rannte einer mit heruntergelassenen Hosen auf der Straße hinter mir her".

In Bezug auf die Vorfälle, die ihr von den Nachtpatrouillen mitgeteilt werden, kann die Pressesprecherin der Polizei, Monika Jarosz, ein Schmunzeln kaum verbergen. "Einmal musste die Stadtwache wegen eines Batman intervenieren, der außer einem kurzen Cape nur einen kümmerlichen String trug." An einen anderen Vorfall erinnert sich Jarosz besonders: ein Brite, "der in der Sukiennice, den Krakauer Tuchhallen, mit seinen Schuhen um sich warf". Nach Eingreifen der Ordnungshüter zahlte er ordnungsgemäß die Geldstrafe.

Harmlose Junggesellen

Für Polizisten und Stadtregierung stellt die Invasion der Briten kein wahrhaftiges Problem dar. Katarzyna Gdek, Direktorin der Tourismusabteilung der Krakauer Stadtverwaltung, meint, dass diejenigen Briten, die wegen der niedrigen Alkoholpreise nach Krakau kommen, "eine Randerscheinung sind". Sie fügt hinzu, dass "durch die Stadtverwaltung durchgeführte Umfragen ergaben, dass nur etwa 4 Prozent der ausländischen Besucher Krakaus den billigen Alkohol als Hauptgrund ihrer Reise angeben."

Briten im Alkoholrausch würden Unfug wie Kinder treiben, nicht aber wie Hooligans. Die Pressesprecherin behauptet, dass die Engländer "eher einen Anstoß geben, als schwere materielle Schäden verursachen". Die Firmenchefin von Crazy Stag, Marta Braczol, die diese Wochenend-Junggesellenabschiede für die Briten organisiert, behauptet, dass Probleme nur vereinzelt aufträten. "In den vielen Jahren, in denen ich die Firma geleitet habe, gab es nur 2 oder 3 Anzeigen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses."

Selbst der feiernde Haufen hat seine Prinzipien. Jarosz ist der Meinung, Briten würden aus ihrem Land den Respekt vor Ordnungshütern mitbringen. Wenn die Polizei ins Spiel kommt, hört der Spaß auf. Bußgelder würden von britischen Touristen problemlos bezahlt. Zu schade, ein Wochenende in Krakau mit einer Gerichtsverhandlung zu vergeuden.

Britischer Sündenbock?

Der Krakau-Kurztrip des britischen "bachelor" scheint demnach eher harmlos. Zahlreiche Firmen bieten sogar attraktive Programmpakete für die sogenannten "stag nights" für umgerechnet rund 150 Pfund an. Auf dem Programm steht: Quadfahren, Go-Kart-Rennen, Bogenschießen, Ballonfahrten, eine Floßfahrt auf der Donau – und abends eine Kneipentour oder ein Besuch im Kasino. Braczol schmunzelt wieder. Die britischen Besucher seien nach zwei Tagen voller Abenteuer und organisierter Parties nach dem zweiten Bier sowieso zu müde für eventuelle Exzesse.

Frau Gdek vom Tourismusbüro hebt hervor, dass Englisch eine "Lingua Franca" sei: "Viele Touristen bedienen sich dieser Sprache und sind nicht zwangsläufig Briten, sondern Finnen, Dänen oder Schweden." Schlussendlich wird dann der drohende Finger gegen den Briten erhoben. Frau Jarosz stellt ihre eigene Theorie auf: "Es gibt Leute, die sich einer anderen Sprache bedienen. Sie reden laut und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Dann tendiert man zur Verallgemeinerung eines Phänomens, das sachlich gesehen eigentlich eher die Ausnahme ist." Die Erklärung scheint simpel und einleuchtend.

Briten in Krakau sind und bleiben eben sehr fromme (Jung)gesellen.

(Foto: CTRL F5 / Flickr)