Korrespondenten in Brüssel: Im Einsatz für Europa

Artikel veröffentlicht am 19. August 2008
Artikel veröffentlicht am 19. August 2008

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Journalisten verschiedener Nationalitäten tragen von Brüssel aus zum Verständnis der Vielfalt in der Europäischen Union bei. Während die Bürger weiterhin euroskeptisch sind, fühlen sich die Korrespondenten als Botschafter für Europa.

Die Multikulturalität, die für Europa Fluch und Segen zugleich ist, ist ein Konzept, das von den Korrespondenten in Brüssel immer wieder erläutert werden muss. Diese Aufgabe stellt einen festen Bestandteil ihrer Arbeit dar und ist, wie die von Cafebabel befragten Journalisten bekräftigen, “ein wirkliches Privileg”. Dennoch führt diese Vielfalt manchmal zu einer Entfremdung zwischen dem europäischen Publikum und den Medien und deshalb müssen diejenigen, die eigentlich für die Kommunikation zuständig sind, auch als Botschafter für Europa agieren.

Großbritannien wird immer mehr zur isolierten Insel

David Rennie von The Economist ist einer der wenigen Korrespondenten der englischen Medien, die noch in Brüssel sind. Die Unabhängigkeit, die das Vereinte Königreich verglichen mit dem Kontinent schon immer ausgezeichnet hat, verstärkt sich immer wieder durch die gescheiterten Versuche einer europäischen Verfassung. Bereits 2004 ließen das “Nein” in Frankreich und den Niederlanden einen fast unverzüglichen Abzug der britischen Medien von der europäischen Bühne vermuten. Jetzt scheint das irische “Nein” Großbritannien und das Festland noch weiter voneinander zu entfernen. Die langsame Bürokratie, die die Umsetzung der Gesetze nach ihrer Verabschiedung um Monate oder gar Jahre hinauszögert, wenn es überhaupt soweit kommt: Das ist einer der Aspekte, mit denen England “nicht einverstanden ist”, betont der Korrespondent des Economist. “Nur eine große wirtschaftliche Krise”, ist sich David Rannie sicher, könne einen Verhaltenswechsel unter der englischen Bevölkerung hervorrufen, da angenommen wird, “dass die Union in diesem Bereich tatsächlich die treibende Kraft ist”.

Als Rennie nach Brüssel kam, gab es dort sieben britische Pressestellen. Heute sind nur noch The Times, The Financial Times und The Guardian mit Korrespondenten in der europäischen Hauptstadt vertreten. David Rennie glaubt, dass dieser Rückgang dem offensichtlichen Verlust des Interesses der Briten an Europa zuzuschreiben ist. Eine Wirklichkeit, die aus Rennies Aufgabe “eine Mission und ein Privileg” gleichzeitig macht.

Europa den Iren erklären

England ist nicht das einzige Land, das ein gewisses Desinteresse an europäischen Themen zeigt. Das aktuellste Beispiel ist Irland. Jamie Smyth, Korrespondent der Irish Times, gibt zu, dass es seine Hauptaufgabe ist, in der irischen Bevölkerung das Interesse für die EU zu wecken und den Leuten zu erklären, “wie die Entscheidungen, die in Brüssel getroffen werden, sie in ihrem Alltagsleben beeinflussen“. Innerhalb der EU wird seiner Meinung nach nämlich in einem “Eurojargon“ gesprochen, den kein Mensch versteht. Heutzutage ist seine eine fast unlösbare Aufgabe, die durch das “Nein“ zum Vertrag von Lissabon noch schwieriger geworden ist. Außerdem, so der Journalist, habe der Vertrauensmangel in die Politik nach dem Rücktritt des Premierministers nur einen Monat vor dem Referendum “ein sehr skeptisches Klima geschaffen“. Augenzwinkernd erklärt Jamie Smyth, dass er mehrere Artikel geschrieben hat, in denen er versucht zu erklären, worin der Vertrag von Lissabon besteht, auch “wenn die Leute sich langweilen... Aber ich hoffe zumindest, dass es nicht wegen meiner Texte ist“.

©Clara FajardoAlle Journalisten haben eines gemeinsam: Mit ihren Nachrichten versuchen sie, die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zu ziehen, wobei sie genau das Profil der Zielgruppe im Hinterkopf haben. Diese Anpassung ist für Rolf Fredriksson, Korrespondent des öffentlichen schwedischen Fernsehens, aber Zeichen für “einen Mangel an Professionalität“. Fredriksson zeigt sich besonders kritisch gegenüber der Union und den Medien, die ihre Aktivitäten verdecken. Er glaubt, dass der Blickwinkel der Nachrichten sehr von der Herkunft des Journalisten beeinflusst ist, und ist überzeugt, dass diese Nachrichten ebenfalls einen klaren Einfluss auf die Bevölkerung haben, an die sie gerichtet sind. “Derzeit zeigen sich zum Beispiel die ärmeren südeuropäischen Länder wie Portugal oder Spanien sehr proeuropäisch, aber was wird passieren, wenn sie eines Tages kein Geld mehr bekommen?“ fragt sich der Schwede.

Arbeit ohne Verschnaufpause

Die Vorbereitungsarbeit für einen Korrespondenten in Brüssel hat keine Grenzen. Tiefgreifende Kenntnisse über die politische, soziale und wirtschaftliche Lage der 27 Mitgliedsstaaten der EU setzt einen “ständige Aufmerksamkeit“ sieben Tage die Woche voraus. María Ramírez, Korrespondentin der spanischen Tageszeitung El Mundo kann sich an keinen freien Tag seit Mitte Mai erinnern. Außerdem wird die Veröffentlichung aller Artikel zur EU von der Kommission sehr genau verfolgt. “Dank der Kollegialität, die unter uns herrscht, vor allem wenn es um Hintergrundinformationen geht, können wir alles erreichen, oder fast alles.“ In diesen letzten Monaten war Jamie Smyths Wissen bei seinen Kollegen sehr gefragt, in dieser Amtsperiode müssen die Franzosen immer abrufbereit sein, weil Sarkozy “große Aktivität“ verspricht, führt María aus.

©Clara Fajardo

Das Arbeiten in der kleinen Gemeinschaft, die sich unter den Korrespondenten bildet, erinnere ein bisschen an die Schulzeit, findet María Ramírez. Von Montag bis Freitag gibt es zu Mittag immer eine Informationssitzung, wo die Presseorganisation der Europäischen Union alle Journalisten zusammenruft, um den Tagesplan vorzustellen: Von da an bis 18 Uhr macht jeder seine Interviews und Nachforschungen, und beginnt, die Informationen an die Zeitungen zu schicken. Im August gibt es allerdings verordneten Urlaub, sogar die Straßencafés rund um die Kommission, wie in der Rue de la Loi, der Rue Bellard oder dem Boulevard Charlemagne schließen gezwungenermaßen, da kein Mensch auf der Straße zu sehen ist.